Allgemein · Psychologie

Endlich ein Grund zur Panik!

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Seit letztem Jahr, etwa seit September, habe ich Panikattacken. Mittlerweile konnte ich feststellen, dass sie meist in Verbindung mit Gedanken zu den Themen Krankheit oder Tod auftreten. Das sind also meine großen Angstthemen. Die Angst ums eigene Leben ist eine menschliche Urangst.

Panikattacken fühlen sich fies an. Mir schnürt es die Kehle zu, mein Herz klopft, ich bin innerlich angespannt. Das Schlimmste ist aber die Atmung. Sie verändert sich nicht wirklich, aber es ist, als trüge ich ein zu eng gebundenes Halstuch. Es fühlt sich schlichtweg unangenehm an. Und natürlich komme ich leicht in einen Teufelskreis. Ich fühle mich in der Atmung beengt, was mir wiederum zusätzlich Angst macht. Hinzu kommt, dass ich mich schwummrig fühle. Wahrscheinlich hyperventiliere ich ein bisschen, ohne es zu bemerken. Es fühlt sich etwa so an, als würde man an einem Abgrund stehen und in die Tiefe blicken. Doch wenn ich am Abgrund stehe, kann ich einen Schritt zurück gehen und das Gefühl lässt nach. Wenn ich eine Panikattacke habe, muss ich es aushalten. Das ist der einzige Weg. Ich werde nicht hysterisch, ich fange auch nicht an zu keuchen. Ich bleibe äußerlich ruhig. Jemand, der gerade mit mir zusammen ist, wenn ich eine Attacke habe, bemerkt es wahrscheinlich nicht, wenn ich es nicht sage. Ich versuche, die Gedanken an mir vorbei ziehen zu lassen. Aber es ist, als hätten sie sich festgekrallt. Ich kann versuchen, sie zu ignorieren. Sie sind aber immer noch da. Je intensiver ich übe, ihnen keine Aufmerksamkeit zu schenken, desto weniger werden sie mir anhaben können. Das habe ich gelernt. Sie sind nicht real, das ist wichtig. Die Gedanken sind ausgedacht, sie sind nicht wahr. Der Körper ist unschuldig. Die Möglichkeiten, dass die Gedanken Realität werden könnten, spielt keine Rolle.

Die Attacke kann von Filmen ausgelöst werden oder von etwas, das ich im Fernsehen sehe. Kürzlich habe ich Freunde im Krankenhaus besucht, die gerade Eltern geworden sind. Ein denkbar freudiger Anlass, ein Krankenhaus aufzusuchen. Nichtsdestotrotz habe ich Nervosität gespürt. Zum Glück war ich nicht alleine und es war ein sehr netter Besuch, so dass ich meine Angst schnell vergessen habe.

Das Gehirn ist ein klug angelegter Mechanismus. Es merkt sich Reaktionen. Reagiere ich auf das Thema Krankheit oder Tod einmal mit Panik, merkt sich das Gehirn diese Reaktion und wird die gleichen Muster beim nächsten Mal wieder anwenden. Die Kunst ist, den beängstigenden Gedanken keine Aufmerksamkeit zu schenken. Die Angst durch Missachtung zu schrumpfen, bis sie so klein geworden ist, dass sie dem Mikroskop meiner Gedanken entgeht. Das funktioniert am Besten, indem ich mich in der Gegenwart verankere. Ich versuche, gegenwärtig zu bleiben, mich auf diesen Moment zu konzentrieren. Denn in diesem Moment spielt weder die Zukunft eine Rolle, noch die Vergangenheit. Wenn ich mich auf das Jetzt konzentriere und auf die Frage, was ist jetzt gerade wichtig, dann ist alles andere irrelevant. Ich kann dann die Sehnsucht nach Kontrolle loslassen, schließlich kann ich das Leben nicht kontrollieren.

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3 Kommentare zu „Endlich ein Grund zur Panik!

  1. Ich kenne das, bin ebenfalls ein Angstgestörter. Bei mir ist es mit 15 Jahren ausgebrochen. In deiner Symptomatik finde ich mich größtenteils wieder, vor allem was den grauenhaften Teil der Atmung angeht und der Panik bei gleichzeitiger äußerlicher Ruhe. Am Anfang hat es mich, wahrscheinlich, weil ich noch so jung war, härter getroffen als dich. Das ist einige Jahre her. Mittlerweile geht es mir so gut, dass ich ganz panikfrei bin, außer unter wirklich schlechten Bedingungen (zB Unterzucker + Koffein + Stress, respektive angstauslösende Situation).

    Wenn ich rückblickend darüber urteilen müsste, was mir am meisten im Umgang mit der Angst geholfen hat, sind das wohl drei Faktoren:
    1) Vermeidung vermeiden — wenn es geht, sogar auf Konfrontation gehen.
    2) Die Angst, wenn sie kommt, annehmen
    Das müsste dir beides hinreichend bekannt sein, darum sag ich dazu mal nichts weiter.
    Und 3) Zeit — Ganz wichtig. Selbst wenn man die Angst angenommen hat, selbst wenn man so gut es geht auf Konfrontation geht oder irgend einen anderen tollen Weg gefunden hat, um sie zu bekämpfen, verfliegt sie nicht einfach nach einer Woche. „Angst verlernen“ braucht Ausdauer. Mit Rückschlägen ist zu rechnen. Aber die Chance, dass es langfristig immer besser wird, wenn man sich richtig verhält, ist sehr groß. Darum: Geduld.

    Das mit der Zeit ist dir bestimmt auch klar. Ich habe trotzdem das Gefühl, dass dieser Faktor gerne unterschätzt wird, darum kann ich es nicht stark genug betonen.
    Außerdem finde ich ihn sogar irgendwie aufmunternd. Die schlechte Nachricht ist zwar, dass man Angst nicht mehr so schnell los wird, wie man sie sich eingefangen hat. Aber die gute Nachricht ist, dass man sich damit nichts eingefangen hat, an dem man verzweifeln muss. Wenn man am Ball bleibt und geduldig ist, wird man wieder ein einschränkungsfreies Leben führen können. Für viele andere psychische Störungen gilt das nicht in diesem Umfang!

    In diesem Sinne wünsche ich dir, dass du am Ball bleibst. Ein Blog ist eine tolle Möglichkeit, das zu reflektieren und sich selbst dabei zu unterstützen. Habe damals auch einen Blog geführt, ihn mittlerweile aber leider gelöscht.

    Alles Gute und liebe Grüße!

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    1. Danke für deinen Kommentar, herrunterberg. Es ist schön zu hören, dass du jetzt panikfrei bist, das macht Hoffnung 🙂 das mit der Zeit und Ausdauer (was ich ein sehr treffendes Wort finde) ist wohl das Schwierigste, natürlich wünscht man sich, dass die Angst ganz schnell wieder verfliegt. Aber es kann ja nur besser werden 🙂
      Liebe Grüße

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