Leben

Hätte, hätte, Fahrradkette

Wege2

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Manchmal ertappe ich mich bei dem Gedanken, was wäre wenn. Meistens bezieht sich das auf die Vergangenheit. Was, wenn ich damals nicht so gehandelt hätte, sondern anders. Was, wenn ich mich an einem gewissen Punkt meines Lebens anders entschieden hätte.

Ich bin in der glücklichen Lage, nichts zu bereuen. Sehr wenige Situationen in meinem Leben hätte ich im Nachhinein anders gelöst oder mich anders verhalten. Ich habe aber nie eine Entscheidung getroffen, die ich tatsächlich zutiefst bereue oder hinter der ich nicht stehe. Das gilt auch für die weniger guten Entscheidungen. Ich glaube nicht an Fehler. Jede Handlung hat Konsequenzen und die sind manchmal mies, aber sie bergen auch immer eine Lektion und die Möglichkeit zu Fortschritt und Wachstum. Eine Entscheidung, die man aus Überzeugung und mit reinem Gewissen gefällt hat, muss man nicht bereuen und bisher habe ich alle meine Entscheidungen aus Überzeugung gefällt und die meisten auch mit reinem Gewissen.

Aber zurück zu „was wäre, wenn?“ Der Witz an der Sache ist, ich glaube, in den meisten Fällen hätte sich am Endergebnis gar nicht viel geändert. Wenn ich zum Beispiel nicht im letzten Jahr ins Ausland gegangen wäre. Meine jetzige Situation wäre vermutlich die gleiche. Zum Einen liegt das an den inneren Gegebenheiten eines Menschen. Die Beweggründe und die Dinge, die man sich wünscht oder zu denen man sich hingezogen fühlt, bleiben in der Regel gleich. Ich stelle mir das Leben in diesem Zusammenhang wie einen Weg vor, einen verschlungenen Waldweg. Man geht über Stock und Stein, durch dunkles Dickicht und über helle Lichtungen, durch schummerige Nadelwälder und freundliche grüne Mischwälder. Zeitweise geht man allein, zu anderen Zeiten ist es wie ein großer lustiger Wanderausflug. Und man kommt an Kreuzungen. Dann muss man sich entscheiden, ob man abbiegen will, und wenn ja, in welche Richtung, oder ob man auf seinem Weg bleibt. Nur zurück kann man nicht. Man kann vielleicht ein Stück des Weges wieder in die andere Richtung gehen, aber es ist nicht mehr ganz der selbe Wald. Vielleicht fehlen ein paar Blätter an den Bäumen, es ist Herbst geworden, oder jemand hat die Blumen am Wegesrand gepflückt, die man so schön gefunden hatte. Vielleicht kann man dieselbe Kreuzung aber mehrfach erreichen. Oder eine andere Kreuzung, die auf denselben neuen Weg führt. Wenn ich mich heute entscheide, weiter geradeaus zu gehen, kann mich der nächste Weg, auf den ich abbiege, trotzdem zum selben Ziel führen, auf das auch die erste Kreuzung hinaus gelaufen wäre. Es ist ein etwas verrückter Gedanke. Man könnte dahinter auch eine Art Schicksal oder Vorsehung vermuten. Das sind Ideen, mit denen ich mich nicht besonders gut zurecht finde. Mir gefällt die Vorstellung vom freien Willen viel mehr als der Gedanke, mich wie ein Zug auf Schienen zu bewegen, von denen ich nicht abweichen kann.

In jedem Fall ist es müßig sich zu überlegen, was wäre, wenn. Aber es hat etwas sentimentales, sich sein anderes Leben auszumalen. Vielleicht wäre ja doch alles ganz anders gekommen. Es ist eine Art Neugier auf all die anderen Wege, die man hätte gehen und die Dickichte und Lichtungen, die man hätte passieren müssen.

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