Reisen

Wenn einer eine Reise tut

Vor Kurzem habe ich ein paar Tage in Belgien verbracht, zuerst in Oostende an der belgischen Küste und anschließend in Brügge. Beide Städte liegen in der belgischen Provinz Westflandern.

Oostende

Die belgische Küste ist landschaftlich eher unspektakulär, hat aber sehr hübsche Sandstrände. Oostende ist mit rund 70.000 Einwohnern die größte Stadt an der Küste, aber nicht so groß, dass man sich nicht bequem zu Fuß zurechtfinden könnte. Auf einer Seite liegen der Hafen und der Bahnhof, auf der anderen Seite die Strandpromenade und natürlich das Meer. Dazwischen scheint die Stadt nur aus Einkaufsstraßen zu bestehen, die sich nicht wesentlich von anderen Fußgängerzonen unterscheiden. Es ist sehr viel Betrieb in der Stadt und die Straßen sind nicht allzu breit, so dass ich es bei den wenigen Gelegenheiten, als ich in der Einkaufszone war, eher unangenehm fand.

Die Strandpromenade ist recht hübsch, schön breit und mit vielen Restaurants, die einen wunderschönen Blick aufs Meer bieten. Leider sind CYMERA_20140803_220506die alle ziemlich teuer, eine Mahlzeit für unter 20 Euro zu bekommen, ist nahezu unmöglich. Ein Bier, für das Belgien ja auch berühmt ist, kann man am Abend jedoch gut in einem der Lokale genießen und dabei dem abendlichen Treiben auf der Promenade und am Strand zusehen.

Auf der Promenade gibt es zwei Läden, die Kettcars und Fahrräder verleihen, mit denen mehrere Leute gemeinsam fahren können. Auch das ist nicht ganz billig, aber ein großer Spaß, der von jungen und alten Urlaubern gerne genutzt wird, so dass die Promenade sehr belebt ist.

CYMERA_20140803_215903

Eine weitere interessante Sehenswürdigkeit in Oostende ist der Atlantikwall. CYMERA_20140804_221117Es handelt sich    dabei um eine im ersten und zweiten Weltkrieg errichtete Befestigungsanlage, die sich über mehr als 2.000 km erstreckt. In Oostende sind die Bunker und Gänge, die in die Dünen gebaut wurden, noch gut erhalten und wurden zu einem Museum. Man kann die Bunker und Verbindungsgänge besichtigen, zudem sind Gebrauchsgegenstände des militärischen Alltags ausgestellt, wie etwa Uniformen, Zeichnungen, Telefone und natürlich diverse Waffen. Im Eintrittspreis ist ein Audioguide enthalten, der in mehreren Sprachen verfügbar ist und die einzelnen Gebäude, aber auch die Geschichte der Anlage ausführlich und verständlich erklärt.

Gleich neben dem Atlantikwall Museum gibt es noch ein weiteres Museum, in dem das Leben in einem mittelalterlichen Fischerdorf an der belgischen Küste dargestellt wird. Dieses habe ich allerdings leider nicht besucht.

Beide Museen kann man gut mit der Kusttram erreichen, der Straßenbahn, die an der ganzen belgischen Küste entlang fährt, von De Panne an der französischen Grenze bis nach Knokke an der Grenze zu den Niederlanden im Osten. Die Haltestelle ist Domein Raversijde. Die Kusttram wird von der Verkehrsgesellschaft De Lijn betrieben, eine Tageskarte kostet 5 Euro. Man kann die Tageskarte auch für eine Fahrt nach Brügge nutzen, allerdings nur, wenn man den Bus nimmt. Die Fahrt dauert etwas über eine Stunde. Mit dem Zug kostet es um die 4 Euro und dauert etwa 20 Minuten.

Brügge

Wir hatten uns entschieden, den Bus nach Brügge zu nehmen, da wir keinen Zeitdruck hatten und das Tagesticket bereits gekauft war. Ich fahre außerdem recht gerne mit dem Bus, es war auch eine ganz nette Strecke über Landstraßen und durch kleine Ortschaften.

Brügge wird aufgrund seiner Grachten als „Venedig des Nordens“ bezeichnet

links oben: Love Bridge rechts oben: Markt links unten: Jan van Eyck Plein rechts unten: Seitenstraße
links oben: Love Bridge
rechts oben: Markt
links unten: Jan van Eyck Plein
rechts unten: Seitenstraße

und hat einen ausgezeichneten touristischen Ruf als „gotisches Kleinod“. Es ist die Hauptstadt der Provinz Westflandern und seit dem Jahr 2000 ist die Altstadt Teil des UNESCO Weltkulturerbes. Im Mittelalter besaß die Stadt nach einer Sturmflut einen direkten Zugang zum Meer, wodurch sie zur Handelsstadt aufstieg und zu Reichtum gelangte. Dieser Reichtum war dann allerdings ab dem späten 15. Jahrhundert auch wieder dahin, nachdem der Zugang zum Meer versandet war. Der Niedergang Brügges als Handelsstadt verhalf der Stadt Antwerpen zum Aufschwung und hatte auch zur Folge, dass die mittelalterlichen Gebäude zu einem großen Teil erhalten blieben und zwar in erster Linie deshalb, weil kein Geld da war, um sie abzureißen und neue Bauten zu errichten.

Ein Glück, kann ich dazu nur sagen, denn Brügge ist tatsächlich so schön, wie alle sagen. Ich habe dort leider nur 1,5 Tage verbracht. Genug Zeit, die Stadt zu durchwandern, denn groß ist sie ja nicht. Dennoch kann man an jeder Ecke etwas bestaunen und selbst in den kleinen Gassen abseits vom Touristenrummel sind die Häuser noch wunderhübsch anzuschauen.

Wenn man eines der Museen besichtigen möchte, kann man ruhig etwas mehr Zeit in Brügge einplanen. Neben Kunstmuseen, historischen Kirchen und Hospitalmuseen gibt es auch ein „Frietmuseum“, ein Schokoladenmuseum und ein Lampenmuseum.

Die meistfotografierte Ecke Brügges ist am Rozenhoedkaai, man schaut auf die Rückseite von Stadthuis und Heilig-Blut-Basilika, im Hintergrund ragt der Belfried, der Glockenturm im typisch flämischen Stil, auf.

CYMERA_20140729_085727               CYMERA_20140729_085448

Meiner Meinung nach ist das schönste Fleckchen in Brügge die kleinste Brücke der Stadt. Von einem vorbeifahrenden Kutscher habe ich aufgeschnappt, man nenne sie „Love Bridge“. Sie liegt im Garten der Liebfrauenkirche und bietet einen wunderschönen Blick auf die Häuschen am Kanal und auf die Kirche.

Der Belfried, Brügge
Der Belfried, Brügge

CYMERA_20140803_221059

Alles in allem ist Flandern definitiv eine Reise wert! Budgetfreundlich ist die Gegend zwar nicht gerade und auch in Brügge ist es schwierig, ein kostengünstige Mahlzeit aufzutreiben. Ein Besuch im Supermarkt lohnt sich aber allemal und ist vergleichsweise schonend für den Geldbeutel. Auch die belgischen Fittuuren sind nicht zu verachten. Besonders empfehlenswert sind die diversen Soßen, die man hierzulande größtenteils gar nicht kennt. Meine bisherigen Favoriten sind Andalouse (mediterran-würzig) und Americano (säuerlich und würzig).

Doch auch wer weder Bier noch Schokolade liebt und von Frittiertem lieber Abstand hält, wird in Flandern sicher auf seine Kosten kommen und sich von der malerischen Gegend verzaubern lassen können.

Advertisements

3 Kommentare zu „Wenn einer eine Reise tut

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s