Psychologie

Long, long time ago…

fearBildquelle

Am Anfang des letzten Jahres habe ich mir ein kleines Fünf-Jahres-Tagebuch gekauft, das für jeden Tag eine Frage bereit hält, die man in fünf aufeinanderfolgenden Jahren jeweils an diesem Tag beantwortet (oder eben auch nicht). Im letzten Jahr gehörte dieses Büchlein zu meinen festen Ritualen, dieses Jahr habe ich es etwas vernachlässigt. Ich finde die Idee aber nach wie vor schön.

Eine Frage der letzten Tage hat mich besonders berührt, sie lautete: „What comes to mind when you think of fear“. Meine Antwort darauf im letzten Jahr war: Fliegen, Abhängigkeit, Versagen.

Vor einem Jahr war ich an einem Tiefpunkt in meinem Leben. Es ging mir sehr schlecht, ich war im Ausland weit weg von Freunden und Familie. Ich fühlte mich unsicher, hatte gesundheitliche Probleme (psychosomatisch, denke ich) und ich hatte Angst vor allem Möglichen. Ich wollte stark sein, aber ich konnte es nicht. Ich hatte mir diesen Auslandsaufenthalt so lange sehnlichst gewünscht und nun konnte ich es überhaupt nicht genießen. Am Liebsten wäre ich nur im Zimmer geblieben und hätte mich im Bett verkrochen. Ich hatte mich immer als stark und unabhängig betrachtet, wenn auch nicht besonders extrovertiert. Doch nun wollte ich nur wieder nach Hause zu meinen Eltern und meinem Freund. Es war einfach ein schreckliches Gefühl, ich war total verloren. Zurück in Deutschland ging es mir zwar etwas besser, aber ich hatte immer noch täglich Atemnot und fühlte mich nach wie vor schwach, verletzlich und verloren. Schon kleine Dinge konnten mich aus dem Konzept bringen, wenn etwas nicht so lief, wie geplant, war das für mich eine Katastrophe und ich konnte schlecht damit umgehen. Das schlimmste für mich war, dass ich keine Freude hatte. Ich lebte vor mich hin, versuchte Dinge zu tun, die mir Spaß machen. Aber ich habe es meistens nur vorgetäuscht.

Im November 2013 habe ich dann mit der Therapie angefangen, und diese hat mir sehr geholfen. Ich habe auch an zwei Gruppentherapien teilgenommen. Ich nenne sie so, in Ermangelung eines besseren Wortes. Es waren aber weniger klassische Gruppentherapien, wie wenn zum Beispiel alle Alkoholiker sind. Es war ein Austausch, natürlich ging es auch am Rande um unsere jeweiligen konkreten Probleme, aber vielmehr noch um Bewusstseinsarbeit, um ausgedachte Ideen immer weiter loslassen zu können.

Jetzt, nach knapp einem Jahr Therapie, steht unter der Frage „What comes to mind when you think of fear“ als Antwort: Loslassen. Ich habe nur noch selten Angst und dafür wieder viel mehr Freude. Meine Panikattacken sind so gut wie verschwunden, und wenn ich doch mal eine habe, kann ich sie fast komplett ignorieren. Manchmal kann ich sie sogar wohlwollend annehmen und mich bei ihr bedanken, weil sie mich weiter gebracht hat. Die Angst war nur der Anfang eines langen Wegs zu einem neuen Bewusstsein, einer neuen Freiheit. Ich bin froh, dass ich mich ihr angenommen habe, und dass ich genau die richtige Therapie zur richtigen Zeit gefunden habe.

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