Leben · Lebensfreude

Die Qual der Wahl

In meiner Flow Zeitschrift (die ich übrigens sehr empfehlen kann), habe ich kürzlich dieses Zitat von C.S. Lewis gelesen:

„Denke daran, dass es nur drei Arten von Dingen gibt, die ein Mensch jemals zu tun braucht. 1. Dinge, die wir tun sollten. 2. Dinge, die wir tun müssen. 3. Dinge, die wir gern tun.

Ich sage das, weil manche Leute scheinbar einen großen Teil ihrer Zeit damit verbringen, Dinge aus keinem dieser drei Gründe zu tun, zum Beispiel Bücher lesen, die sie nicht mögen, nur weil andere Leute sie lesen. Dinge, die Du tun solltest sind zum Beispiel Deine Hausaufgaben machen oder nett zu anderen Leuten zu sein. Dinge, die man tun muss sind zum Beispiel Anziehen und Ausziehen oder Einkaufen. Und Dinge, die man gern tut – aber ich weiß natürlich nicht, was du gern tust. Vielleicht schreibst Du es mir ja eines Tages“

Aus Briefe aus Narnia, C.S. Lewis schreibt an Kinder (Brendow Verlag)

Wenn ich mich selbst beobachte, dann kann ich definitv sagen, dass es Dinge gibt, die ich aus keinem der drei oben genannten Gründe tue und auf manche davon könnte ich eigentlich gut verzichten. Solche Dinge dürfen getrost auf die Loslass-Liste.

Manchmal ist es jedoch gar nicht so leicht zu entscheiden, ob wir etwas loslassen sollten oder wollen, oft fällt es uns unheimlich schwer, das einzugestehen. Das gilt vor allem, wenn uns um andere Menschen geht. Da ist die Macht der Gewohnheit, des Vertrauten, es ist bequem und fühlt sich dadurch sicher und gut an. Andererseits ist da die Sorge, jemanden zu verletzen, wenn man sich abwendet, als schlechter Mensch zu gelten und natürlich die Angst vor den Schuldgefühlen.

letting go

Bildquelle

Um dir über deine wahren Gefühle klar zu werden, dir wirklich deutlich zu machen, ob es Zeit ist, etwas loszulassen, nimm dir einen Aspekt deines Lebens vor, der dir nicht so gut gefällt, mit dem du nicht ganz zufrieden bist oder der dich sogar unglücklich macht. Stell dir vor, du weißt heute schon mit hundertprozentiger Sicherheit, dass sich in genau einem Jahr nichts an dieser Situation verändert hat. Sei sehr spezifisch in deiner Vorstellung. Wenn es zum Beispiel deine Arbeit ist, die dir nicht gefällt, dann stell dir vor, wie du für ein ganzes Jahr jeden Tag morgens aufstehst, wie du den immer gleichen Weg zu deinem Arbeitsplatz zurücklegst. Stell dir vor, wie du dort ankommst, die Stimmung, deine Laune. Wenn es etwas gibt, dass dir besonders schwer fällt, oder eine Tätigkeit, der du besonders abgeneigt bist, dann stell dir genau vor, wie du sie jeden Tag wiederholen musst. Spüre, wie sich das anfühlt. Erlaube dir, ganz offen und ehrlich zu sein. Der erste Schritt ist es, dass du vor dir selbst zugeben kannst, dass du etwas ändern möchtest. Das allein kann schon eine große Veränderung bedeuten. Der zweite Schritt ist daran zu glauben, dass du es verändern kannst, wenn du es dir wünschst. Vielleicht nicht von heute auf morgen, vielleicht nicht einmal in diesem Jahr, aber das spielt zunächst keine Rolle. Lass die Gefühle zu, sie werden dir den Weg zeigen.

Wenn es um Menschen geht, die wir loslassen möchten, wird es schon schwieriger. Es fällt schwer, Menschen los zu lassen, die uns lieb geworden sind. Oft fällt es aber noch schwerer sich einzugestehen, dass man den Wunsch hat, einen Menschen gehen zu lassen, das eigene Leben nicht mehr mit einer Person zu teilen.

Es gibt viele Gründe, warum wir unseren Weg mit jemandem nicht mehr gemeinsam gehen möchten. Vielleicht sind die Gefühle, die einmal da waren, nicht mehr vorhanden, vielleicht hat man sich auseinander entwickelt. Du spürst vielleicht auch einfach, dass dir die Gegenwart eines bestimmten Menschen nicht gut tut. Mach dir als erstes bewusst, dass es in Ordnung ist, dieses Gefühl zu verspüren. Es macht dich nicht zu einem schlechten Menschen, es zeigt nur, dass du mit dir selbst in Kontakt bist, denn sonst könntest du solche Regungen gar nicht wahrnehmen. Nimm dir Zeit und hinterfrage, warum du dieses Gefühl hast.

Vielleicht hast du häufig Streit mit einer Person, oder du empfindest das Verhältnis als angespannt. Vielleicht leidest du zu sehr unter den Problemen eines Anderen, die dir mit aufgebürdet werden. Letztlich ist es gleichgültig, was der Grund ist. Auch hier kannst du dir vorstellen, dass die Situation in einem Jahr und über das ganze Jahr unverändert bleibt. Was löst das in dir aus? Auch hier wird dein Gefühl dich leiten. Frage auch nach dem Gewinn, den du aus einer Beziehung erhälst. Das klingt immer ein bisschen grausam, aber wenn du selbst etwas in eine Beziehung investierst, dann sollte auch für dich in Wert darin liegen. Natürlich ist nicht die Rede von materiellem Wert, sondern von Liebe, Freundschaft, sich auf den anderen verlassen können, Spaß haben, inspiriert werden, sich gegenseitig helfen, und noch so vieles mehr. Kürzich habe ich eine Allegorie gehört. Die Beziehung von zwei Menschen wurde durch zwei Wassergläser sympolisiert. Wenn ein Glas voll ist und das andere nur halb voll, dann wird immer und immer wieder Wasser aus dem vollen Glas in das andere Glas geschüttet. Sind beide nicht ganz voll, dann schütten sie ihr Wasser ununterbrochen hin und her. Wenn aber beide voll sind, dann braucht keiner das Wasser des Anderen. Wenn du also das Gefühl hast, ständig nur Wasser in das Glas des anderen zu gießen und selbst dabei fast zu verdursten, ist es an der Zeit, die Beziehung zu übderdenken. Vielleicht kannst du ein Gespräch mit deinem Gegenüber suchen, die Angelegenheit ansprechen. Es kann ja sein, dass die andere Person das gleiche bemerkt hat oder sich ebenfalls unwohl fühlt. Nimm nicht alles auf dich, denn zu jeder Beziehung, ob Liebe, Familie oder Freunde, gehört immer mehr als nur einer.

Manchmal müssen wir aber auch lernen zu akzeptieren, dass eine Beziehung nicht zu retten ist. Dann müssen wir wirklich und wahrhaftog loslassen, und das kann anfangs sehr weh tun. Vertraue darauf, dass du den Ballast bald spüren wirst, den du abgeworfen hast. Vertraue darauf, dass es leichter wird, dass du selbst leichter wirst, und dass du deine Flügel ausbreiten und weiter fliegen kannst.

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2 Kommentare zu „Die Qual der Wahl

  1. Super schön geschrieben- vielen Dank!! Das Thema beschäftigt mich gerade sehr- vor allem weil Freunde loslassen (bei mir) auch mit Angst vor Einsamkeit einhergeht.

    Oh ich glaube, du hast mich auf die Idee für einen neuen Blogbeitrag gebracht 😉 Doppelt Danke und Kuss aus Berlin L*

    Gefällt 1 Person

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