Leben · Lebensfreude

Mach es dir unbequem

Komfortzone. Das klingt nach einem großen kuscheligen Sessel, einem regnerischen Herbsttag, den man warm eingemummelt zuhause verbringt, mit einem warmen Tee in der einen und einem guten Buch in der anderen Hand. Es klingt gemütlich, kuschelig, vertraut, es klingt nach faulenzen und wenig Bewegung.

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Genau das ist es auch. Die Komfortzone, von der so häufig die Rede ist, beschreibt genau diesen Zustand. Das Einkuscheln ins Alltägliche, die Bequemlichkeit von Routine und die tröstliche Vertrautheit all dessen, an das wir uns gewöhnt haben. Man könnte auch „Alltgastrott“ dazu sagen, aber das klingt natürlich nicht so verspielt und warm.

Go out of your comfort zone! Schreien die amerikanischen Lifestyle Coaches! Do something crazy!

Nun sollen wir also unseren schönen gemütlichen Sessel verlassen, der sich schon an die Formen unseres Körpers angepasst hat? Wenn wir aufstehen, wird die Kuhle, in die vorher der Po so perfekt gepasst hat, verschwinden und wir müssen wieder von vorn anfangen und einzumümmeln. Also lieber sitzen bleiben. Oder doch nicht?

Wenn wir einmal genauer darüber nachdenken, dann sind unsere Komfortzonen meist relativ eng gefasst. Die selben Wege, die selben Personen, mit denen wir uns treffen, die selben Tätigkeiten bei der Arbeit, die selbe Frisur. Die immer gleich Routine, die sich Tag für Tag, Jahr für Jahr wiederholt.

Wir müssen also gar nicht „crazy“ sein, um uns aus diesem Kokon heraus zu bewegen. Denn eine kleine Komfortzone bedeutet im Umkerhschluss, dass schon ein kleiner Schritt ausreicht, um etwas anders zu machen. Denk doch mal darüber nach, worin deine Komfortzone besteht. Stell sie dir als ein kleines Spielbrett vor, auf dem dein Alltag abgezeichnet ist. Und dann überlege dir, wo du einen kleinen Schritt hinaus machen kannst.

Es müssen keine großen Veränderungen sein, auch keine dauerhaften. Vielleicht kannst du mal auf einem anderen Weg zur Arbeit gehen, eine Haltestelle früher aussteigen oder mit dem Rad fahren. Vielleicht möchtest du mal etwas neues ausprobieren, einen Kurs im Fitnessstudio zum Beispiel. Oder kauf dir mal eine neue Zeitschrift, die du noch nie gelesen hast, oder vielleicht einfach eine neue Käsesorte.

Finde einen Bereich in deinem Alltag, der dir besonders eingefahren scheint, und überlege, ob du nicht Lust hast, ein bisschen frischen Wind in diesen Bereich zu bringen. Gerade die Details sind es, die Gewohnheiten so bequem machen. Wenn du jeden Dienstag zum Türken um die Ecke essen gehst, dort immer an dem selben Tisch sitzt, das gleiche Gericht bestellst und danach auf dem gleichen Weg nach Hause gehst, dann liegt die Bequemlichkeit darin, dass du nicht mehr überlgen musst. Gewohnheiten ersetzen Entscheidungen. Das kann angenehm sein, denn es erspart dir das Nachdenken. Aber es bedeutet auch, dass du dir neue Möglichkeiten vorenthälst. Es mag keine weltbewegende Entscheidung sein, heute zum Italiener zu gehen, statt wie sonst zum Türken. Vielleicht passiert aber etwas schönes auf dem Weg daorthin, vielleicht entdeckst du auf der Speisekarte dein neues Lieblingsgericht, oder es passiert vielleicht gar nichts.

Bleibe offen für den Reiz des Neuen, begrüße Veränderungen, die deinen Weg kreuzen, sei offen für Chancen und Begegnungen. Und hin und wieder stecke den Kopf aus deinem Komfortzonen Kokon und schnuppere die frische Luft, die herein weht. Dehne deine Komfortzone aus. Trau dich, etwas zu tun, wovor dir immer etwas mulmig war. Mach kleine Schritte, aber geh stetig voran. Ein bisschen Angst gehört dazu, die geht schon vorbei.

Das Leben möchte dich auf immer neue Wege führen, und die meisten führen raus aus der Kuschelzone. Vertraue auf das Leben, auf das Schicksal, die göttliche Fügung, wie immer du es nennen möchtest. Geh den Weg, den dein Herz dir zeigt, jeden Tag ein bisschen weiter.

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4 Kommentare zu „Mach es dir unbequem

  1. Ja, wie recht du hast ! Das ist leider immer leichter gesagt, als getan. Trotzdem versuche ich es hin und wieder, und wenn es nur eine andere Teesorte ist, die ich noch nie probiert habe. 😉

    Ich bin schon sehr ein großes Gewohnheitstier, weil es für mich Sicherheit bedeutet, trotzdem oder gerade deswegen will ich wieder mehr aus meiner Komfortzone raus. 🙂

    Herzliche Grüße und viel Spaß mit der Neugier,

    Caroline

    Gefällt mir

    1. Liebe Caroline,

      Ich finde aber auch, die Gewohnheit lauert eben gerade in den kleinen Dingen. Teesorten sind doch ein guter Anfang 🙂 ich finde es geht eben vor allem darum, nicht in der eigenen Nische zu versauern. Und den Spaß an der Neugier zu entdecken, das hast du schön gesagt ♡♡

      Liebe Grüße
      Anna

      Gefällt 1 Person

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