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Steine werfen

Willkommen zurück zum letzten Beitrag für das Monatsthema im Februar. Ich würde mich freuen, wenn du mir dein Feedback für diesen Monat in den Kommentaren hinterlässt. Und auch über Anregungen für den kommenden Monat freue ich mich natürlich sehr!

Ein Thema, das mich immer wieder beschäftigt, ist Be- und Verurteilung. Das ist etwas, das wir ganz nebenbei tun, viele Male am Tag, ohne dass wir es groß bemerken. Manchmal tun wir es auch bewusst aus dem einen oder anderen Grund. Fakt ist, die meisten Menschen fällen ständig Urteile, über sich selbst, über Andere, über die Arbeit, die Wirtschaftslage, das Wetter – die Liste ist endlos. Meist sind diese Urteile schnell entschieden, innerhalb von Sekundenbruchteilen und ohne, dass du es richtig mitschneidest. Du schaust morgens aus dem Fenster, es regnet, „och nö, schlechtes Wetter!“. Zack, da ist das Urteil. Ein negatives Urteil, das dir wahrscheinlich auch keine gute Laune macht.

judge

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Früher (und ich rede hier von steingrauer Vorzeit), war es von größerer Wichtigkeit eine neu aufgetretene Situation zügig zu bewerten. Wenn Gefahr in Verzug war, bestand Handlungsbedarf und zwar schnell, es ging ums Überleben. Heute ist das nicht mehr so, aber die Gewohnheit, Dinge, Menschen und Situationen einzuordnen ist uns geblieben. Wir können uns zunächst kaum dagegen wehren, weil es so unbewusst abläuft. Ganz automatisch wird in unserem Gehirn ein Mechanismus aktiviert, wir nehmen war, wir stufen ein, damit ist die Arbeit getan.

Ich zum Beispiel habe schon mein ganzes Leben lang Probleme mit der Beurteilung von Mädchen als „hübsch“. Denn sobald ich ein Mädchen als „hübsch“ klassifiziert habe, bin ich eingeschüchtert. Woher das kommt, kann ich nicht sagen, es spielt wohl auch keine Rolle. Jedenfalls hatte ich immer das Gefühl, diese „hübschen Mädchen“ hielten sich für etwas Besseres, seien unfreundlich, würden sich nicht mit mir abgeben und seien wahnsinnig „cool“, beliebt und selbstbewusst. Ziemlich klischeehafte Pauschalverurteilung, die ich da mit mir rum geschleppt habe. Erst in den letzten Jahren habe ich festgestellt, dass auch die so genannten „hübschen“ Mädchen ganz normale Menschen sind, dass sie auch Unsicherheiten haben, dass sie freundlich sein können. Kurz gesagt, dass sie keine „Gefahr“ darstellen. In der Retrospektive komme ich mir vollkommen doof vor, dass ich solche Annahmen vor mir her geschoben und Leute dermaßen in Schubladen gesteckt habe.

Aber ich habe auch die umgekehrte Erfahrung gemacht, nämlich die, wie es ist, einfach aufgrund von Äußerlichkeiten in eine Schublade gesteckt zu werden, oder aufgrund von Verhaltensmustern. Letztendlich möchte doch niemand hören „das hätte ich dir gar nicht zugetraut“, oder „so siehst du gar nicht aus“.

Am schlimmsten finde ich aber, wie wir uns selbst beurteilen. Häufig sind wir selbst unsere härtesten Kritiker. Nie sind wir gut genug, schön genug, intelligent genug, sportlich genug, lustig genug. Es gibt immer Andere, neben denen wir uns als Versager fühlen. Wie traurig das ist. Tatsache ist doch, dass jemand nur dann solche Gefühle in uns auslösen kann, wenn wir es erlauben. Und das gilt auch für uns selbst. Wenn wir uns ständig zuhören, wie wir uns nicht genug sind, und uns diese Reden auch noch glauben, wohin soll das führen? Wohl kaum zu Glück und Erfolg.

Ich habe auch bemerkt, dass ich immer weniger Interesse an negativen Bewertungen habe. Sicher ist nichts dagegen zu sagen, wenn man die Dinge beim Namen nennt und man sollte auch nichts schön reden, das eigentlich hässlich ist. Aber wem nützt es, sich stets damit aufzuhalten, die immer gleichen Nachteile einer Person, Situation oder Entscheidung aufzuzeigen? Ein Blick in Richtung Leuchtstreif am Horizont kann hin und wieder sehr heilsam sein.

Ich nehme mir deshalb vor, die Gewohnheit der Beurteilung mehr wahr zu nehmen und den Verzicht darauf zu üben. Es ist ein tief verwurzeltes Verhaltensmuster, und es wird wohl nicht über Nacht verschwinden. Aber vielleicht kann es ein erster Schritt sein zu erkennen – das Wetter ist nicht schlecht. Es regnet einfach nur!

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3 Kommentare zu „Steine werfen

  1. Wie recht du hast! Das ist ein ganz wichtiger Beitrag heute zu einem friedlicheren und leichteren Leben. Super!

    Mir gefielen deine Themen des Monats Februar gut. Schreib doch bitte einfach so weiter wie bisher. 🙂

    Herzliche Grüße aus Wien,

    Caroline

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