Alltag · Leben

Was tust du da?

Vor ein paar Tagen im Büro. Ich stehe von meinem Stuhl auf, gehe zum Drucker, nehme meine Ausdrucke. Ich gehe zurück Richtung Schreibtisch. Und dann: ich lecke kurz meine Fingerspitzen ab, um die Papiere zu sortieren. Diese Handlung lässt mich innehalten und zwar aus zwei Gründen.

Erstens: ich habe das vollkommen unbewusst getan. Es war wie ein Reflex und wahrscheinlich habe ich genau das selbe schon hunderte Male vorher getan, ohne es überhaupt zu bemerken.

schneemann
Bildquelle: https://www.pinterest.com/pin/370421138078810999/

Zweitens: ich finde diese Gewohnheit, sich die Finger abzulecken und dann Papier anzufassen, echt ekelhaft. Schon immer habe ich das gehasst. Wenn an der Uni jemand Blätter verteilt hat und die vorher mit seinem abgeleckten Finger vorsortiert hat, hat es mich innerlich geschüttelt und es widerstrebte mir, diese bespuckten Zettel meinen Unterlagen hinzu zu fügen.

Nachdem mir also aufgefallen war, dass ich mir genau diese Gewohnheit, die ich selbst so verabscheute, angeeignet habe kam ich ins Grübeln. Was mache ich sonst noch alles so ohne das es mir bewusst ist? Klar, über manche Dinge denkt man nicht weiter nach. Wenn ich aufs Klo muss, dann stehe ich einfach auf und gehe zur Toilette, mein Körper macht das automatisch, ich muss nicht weiter darüber nachdenken, dass ich jetzt vom Stuhl aufstehen, zur Toilette gehen, die Tür schließen, die Hose ausziehen und mich auf die Kloschüssel setzen muss. Aber sicher ist da noch mehr.

Und eine weitere Frage drängt sich auf: wie kommt es eigentlich, dass ich plötzlich so eine Angewohnheit an mit feststelle? Wie lange ist die schon da? Warum habe ich irgendwann angefangen etwas zu tun, das ich nicht gut finde?

was tun wir alles unbewusstWenn man so darüber nachdenkt, tut man ja recht häufig etwas, das man gar nicht gut findet. Weil man „das eben so macht“ oder weil „alle das so machen“ oder vielleicht weil man „das so gelernt hat“. Ich kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass mir niemand beigebracht hat, die Finger abzulecken, um Papier zu sortieren. Aber es gibt viele Menschen, die das tun, es ist kein ungewöhnlicher Anblick. Vielleicht schleichen sich Gewohnheiten und Verhaltensmuster einfach langsam ins Gehirn ein, wenn man sie häufig beobachtet (auch, wenn man sich des Beobachtens gar nicht bewusst ist). Und irgendwann beginnt das Gehirn, diesen Mustern zu folgen und sie zu imitieren. Eine komische Vorstellung, aber sie erscheint mir nicht unwahrscheinlich.

Vermutlich gibt es recht viele solcher unbewusster Handlungen, aber noch viel mehr unbewusste Gedanken, die uns stark beeinflussen. Bewertungen und Glaubenssätze, denen wir anhängen, ohne uns auch nur im Mindesten darüber im Klaren zu sein. Doch auch, wenn wir uns dessen nicht bewusst sind, werden wir davon beeinflusst. Genauso, wie ich das mit dem Finger ablecken wahrscheinlich lange Zeit immer wieder gemacht habe und keinen blassen Schimmer hatte, sind sicher auch viele Ideen und Bilder in mir verankert, die ihren Raum einnehmen, ohne, dass ich es möchte oder dass es nötig wäre.

Das alles muss aber nicht so sein. In Wirklichkeit gibt es kein „macht man eben so“ oder „muss so, alle machen das“. Wenn wir uns erst einmal darüber klar geworden sind, dass wir Dinge tun, die wir nicht tun möchten oder einem Glaubenssatz anhängen, den wir gar nicht gut finden, dann können wir uns ja davon lösen. Das ist das Schöne daran. Nichts ist in Stein gemeißelt, alles darf fließen und sich verändern (und das tut es auch). Es kostet Überwindung, Zeit und auch Mut und manchmal tut es weh. Loslassen ist nicht leicht, viel schlimmer ist aber unter Umständen die Erkenntnis, was man sich damit angetan hat, an etwas fest zu halten. Wenn das Belastende oder Ungeliebte dann aber verschwunden ist, geht es einem gleich viel besser. Was folgt ist eine neue Leichtigkeit, ein Sich-treiben-Lassen wie eine Feder im Wind. Und neue Möglichkeiten, auf die wir uns freuen dürfen.

Zu den Themen Glaubenssätze und Loslassen habe ich schon früher Beiträge geschrieben, die ich hier noch einmal verlinkt habe. Vielleicht hast du ja Interesse daran? Ich freue mich immer über Kommentare 🙂

Die Loslass-Liste

Ist das wahr?

Glaubenssätze

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Ein Kommentar zu „Was tust du da?

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