Alltag · Leben

Das Leben der Anderen

Jetzt habe auch ich endlich mal den Film „Das Leben der Anderen“ gesehen. Ich weiß, ich bin unglaublich spät dran damit, schließlich ist der Film schon fast zehn Jahre alt. Der Film hat mich wirklich sehr beeindruckt und am Ende hatte ich richtig Gänsehaut.

Es wird die Geschichte einer Bespitzelung beschrieben. Der Theaterschriftsteller Georg Dreymann wird durch den StaSi Hauptmann Gerd Wiesler überwacht, der nach und nach immer mehr Anteil am Leben des Überwachten und dessen Umfeld nimmt und die wachsenden staatsfeindlichen Aktivitäten Dreymanns deckt, indem er sie in seinen Berichten verschweigt. Das Ganze spitzt sich dramatisch zu, im Mittelpunkt steht Dreymanns Geliebte, eine Schauspielerin, die dem StaSi Verhör nicht standhalten kann.

Ich möchte hier nicht zu viel verraten, vielleicht bin ich ja doch nicht der allerletzte Mensch auf der Welt, der den Film gesehen hat. Mich haben aber zwei Aspekte des Films besonders beeindruckt und die möchte ich hier teilen. Also Achtung: Spoiler.

Die besondere Tragik der Figur Wiesler liegt für mich darin, dass er persönlich aus dem StaSi Apparat heraus wächst, menschlicher wird und sozusagen durch Unterlassung in das Leben des Überwachten eingreift. Er tut dies aus seinem wachsenden Ungerechtigkeitsbewusstsein und um Dreymann zu schützen, aber ohne es zu wissen oder zu beabsichtigen spitzt er die Lage für die Künstlergruppe um Dremann damit weiter zu und bringt sie in Gefahr, statt sie zu schützen. Er handelt also aus bester Absicht, macht letztlich aber alles nur schlimmer. Als Zuschauer kann man das kaum ertragen, denn man sieht, anders als die Figuren des Films, das Gesamtbild.

Der zweite Aspekt, der mich wirklich nachdenklich gemacht hat, ist wie stark die Leben von zwei Menschen verwoben sein können, auch ohne deren Wissen. Dreymann weiß bis lange nach Ende der DDR nichts davon, dass er überwacht wurde. Er ahnt nicht, dass ein Mann auf seinem Dachboden über Wochen und Monate jedes seiner Worte mitgehört hat. Erst nach der deutschen Wiedervereinigung erfährt er davon und nachdem er Einsicht in seine Akten erhalten hat wird ihm klar, dass der Mitarbeiter, den ihn bespitzelt hat, ihn gedeckt haben muss.

Wie viele Menschen mag es geben, deren Leben wir beeinflussen? Natürlich ist dieses Beispiel eines von enormer Tragweite und die wenigsten von uns werden wohl einen derartigen Einfluss auf das Leben eines Mitmenschen ausüben. Aber sicher beeinflussen wir das Leben der Anderen jeden Tag auf die eine oder andere Weise. Ich zum Beispiel denke heute noch manchmal an die Mädchen, die mich in der Grundschule schlecht behandelt und ausgegrenzt haben. Oder an meine erste große Liebe. An die Frau, die mir mal im Hausflur zum Frauenarzt ein kleines Päckchen in die Hand gedrückt hat mit den Worten „Dat sin Stuhlproben“ (kein Witz!).

Und wer weiß schon wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich diesen Menschen nicht begegnet wäre, wenn ich an gewissen Punken in meinem Leben anders entschieden und anders auf die Menschen reagiert hätte. Es gibt ja diesen Sruch man soll zu jedem Menschen freundlich sein, weil man nicht weiß, welche Kämpfe er zu kämpfen hat. Ich denke, da ist viel Wahres dran. Irgendjemand muss wohl auch immer die Person sein, die bei einem Amokläufer das Faß zum Überlaufen bringt und die Überreaktion triggert. Und dieser Jemand kann vielleicht auch einfach nur eine schlecht gelaunte Supermarktkassiererin sein.

Einfluss

Keinesfalls will ich damit sagen, dass diese Leute sich schuldig machen oder dass man jederzeit damit rechnen sollte, dass das Gegenüber eine Pistole zückt. Es geht vielmehr um einen positiven Schmetterlingseffekt. Ich denke, in den meisten Fällen werden wir nie erfahren, wie wir das Leben oder auch nur den Tag einer anderen Person beeinflusst haben. Und das bedeutet im Umkehrschluss, dass wir theoretisch immer die Macht haben, jemand anderen entweder sehr positiv oder eben auch negativ zu beeinflussen oder durch unser Verhalten etwas bei der Person auszulösen.

Vielleicht sollten wir uns das ab und zu bewusst machen und etwas freundlicher sein. Nicht aus Angst vor Amokläufern oder aus Überfürsorglichkeit. Sondern weil wir alle Menschen sind, die sich diesen Planeten und manchmal eben zufällig eine Straßenbahn teilen. Und weil wir hoffen können, durch ein kleines Lächeln oder Türaufhalten jemand anderen ein bisschen fröhlich zu stimmen. Und wer weiß, was aus dieser Fröhlichkeit dann für jeden von uns entstehen kann.

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