Alltag · Leben

Die Worte, die du dir sagst. Oder – eine Geschichte über die Dummheit

„Oh Mann, ich bin echt dumm!“ Diesen Ausspruch höre ich irgendwie viel zu häufig. Meistens in Situationen, in denen jemand etwas falsch gemacht oder übersehen hat oder im Zusammenhang mit peinlichen Situationen. Und ich weiß nicht, ob es mir nur so vorkommt, aber mir scheint, dass vor allem Frauen sowas sagen, Männer eher weniger. Die sagen vielleicht „Hm ja, war doof“ oder „Dumm gelaufen“.

Ich will das hier nicht in Bezug zum Geschlecht einer Person setzen, denn darum geht es gar nicht. Mein persönlicher Eindruck ist aber, dass Frauen das einfach häufiger tun. Sich selbst klein machen. Sich selbst beschimpfen und in ein schlechtes Licht rücken. Ihr Licht unter den Scheffel stellen.

Und warum eigentlich? Mir kommt es immer so vor, als ob man sich selbst beschimpft, damit andere es nicht tun. Man greift sozusagen dem negativen Feedback vor und nimmt es schon vorweg. Und jemand, der sich selbst schon als „dumm“ oder „unfähig“ oder „Idiot“ bezeichnet hat, dem sagt man ja nicht „Stimmt! Bist echt blöd“. Nein, man sagt „Ach, Quatsch“ oder „Sei doch nicht so hart zu dir“.

Praktisch, oder? Man bezeichnet sich also halb ernst gemeint als „dumm“, vermeidet dadurch Kritik von außen UND bekommt im besten Fall auch direkt noch bescheinigt, dass man ganz und gar nicht dumm sei, sondern einfach zu hohe Maßstäbe setze.

Trotzdem senden solche Worte eine Botschaft. Einerseits nach außen, nämlich die von mangelndem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und von Perfektionismus. Und andererseits – und viel wichtiger – nach innen. Wenn du dir selbst sagst, dass du dumm (oder unfähig, hässlich, nicht liebenswert, minderwertig etc.) bist, dann wirst du das auch verinnerlichen. Auch, wenn es nur so dahergesagt ist, um Kritik abzuwehren oder um einem potenziellen Scheitern vorzugreifen („ich hab es ja gesagt – ich bin einfach nicht schlau genug dafür“). Trotzdem sind solche Worte wie Selbstverletzung. Sie signalisieren, dass du nicht hinter dir stehst, dass du dir selbst nicht vertraust und nicht an dich glaubst. Und sie tun weh. Du spürst es vielleicht nicht gleich, aber wenn du dir immer wieder solche Dinge sagst, ob laut oder leise, hat es auf Dauer den gleichen Effekt, wie wenn du sie immer wieder von anderen Leuten hören würdest.

gemeinWie lange würdest du dich mit jemandem abgeben, der dir immer wieder sagt, wie schlecht du bist, dass du nichts wert bist? Nicht schlau genug, schön genug, fit genug, witzig genug. Du kannst hier jedes beliebige Adjektiv einsetzen. Jemand, der dich so behandeln würde, wäre nicht lange Teil deines Lebens. Und wozu auch? Wer braucht schon Leute, die immer nur Gemeinheiten von sich geben?

Sei nicht gemein zu dir selbst. Und wenn jemand anders gemein gegen sich selbst ist, dann sag ihm, dass es nicht nötig ist und nicht gut tut. Wir merken häufig gar nicht, welchen negativen Effekt solche Gewohnheiten auf uns haben können. Und fragen uns dann, warum wir uns immer so mies fühlen und uns nichts zutrauen. Sei freundlich zu dir selbst. Fehler können passieren und sie sind ok. Und ein Fehler macht noch keinen Versager.

Kennst du diese Selbst-Beschimpfungen auch von dir selbst oder von anderen? Was meinst du dazu?

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2 Kommentare zu „Die Worte, die du dir sagst. Oder – eine Geschichte über die Dummheit

  1. Irren ist menschlich – gilt für Frau wie Mann. Es kann sein, dass Männer sich eher scheuen, „öffentlich“ Fehler oder Unzulänglichkeiten zuzugeben. Letztlich ist das Zugeben eigener Schwäche Stärke, nicht Schwäche. Menschlich sein: wissen, dass man Mensch ist. Dank für Deine Beiträge sagt Ben von Valeat

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