Leben

Was dein Körper sagt – Somatisierung

Wenn es mir nicht gut geht, ich mich mit Sorgen und Ängsten plage oder in einer Situation bin, in der ich nicht sein will und die mir nicht gut tut, dann merke ich das meist recht schnell im Körper. Das äußert sich häufig in Erkältungen (bei Stress, Überlastung, Energiemangel) oder auch Magenschmerzen bzw. Verdauungsproblemen (bei Anspannung und Nervosität).

In der Fachsprache nennt man das Somatisieren, das heißt psychisches Unwohlsein wird auf den Körper übertragen und äußert sich in körperlichen Beschwerden oder Krankheiten. Es gibt dabei Theorien die soweit gehen, sogar Krebserkrankungen und andere schwere Krankheiten auf ungelöste persönliche Konflikte zurückzuführen. Darum soll es hier aber nicht gehen. Zum Glück habe ich keine schlimme Erkrankung und mit diesen Theorien kenne ich mich auch nicht genügend aus.

Früher habe ich mich über meinen Körper geärgert und mich schwächlich gefühlt. Ich wusste auch damals schon, dass mein psychisches Wohlbefinden sich im Körper ausdrückt. Ich fand das aber doof. Warum sollten meine Probleme, die nur in meinem Kopf waren, sich auch im Körper niederschlagen? Außerdem war die Parole doch „Durchhalten!“. Wie sollte man denn Durchhalten und sich durch eine stressige Phase hindurch kämpfen, wenn der Körper dann schlapp macht?

Inzwischen denke ich anders darüber. Natürlich ist es nicht unbedingt angenehm, wenn der Körper sich meldet und mitten in der stressigsten Zeit krank wird und eine Erholungsphase einfordert. Oder wenn man so angespannt ist, dass man keine drei Schritte gehen kann, ohne aufs Klo zu müssen.

Was ich inzwischen aber weiß ist: nicht der Körper lügt, sondern der Kopf. Wenn der Körper mir sagt, dass ich mir zu viel zugemutet habe, dass ich mal einen Gang runter schalten muss, dann ist es bereits höchste Eisenbahn. Denn so ein Körper kann eine ganze Menge mitmachen und vieles tolerieren. Aber irgendwann ist dann eben mal gut. Und diesen Punkt verpassen wir anscheinend gerne mal. Dann heißt es Zwangspause.

Mein Körper lässt mich auch nichts schönreden. Wenn mir etwas nicht gut tut, wenn eine Situation mich belastet, dann zeigt er es mir. Und das ist gut, denn mit meinem Kopf kann ich mir ja alles mögliche einreden. Ist schon nicht so schlimm, Überstunden macht ja jeder, ist doch egal, ob du daran Spaß hast, wird schon irgendwann besser. Sowas eben. Der Körper, der spielt dieses Spielchen aber nicht mit. Der sagt mir schon, was Sache ist.

Manchmal brauche ich ein bisschen länger um zu kapieren, was er mir mitteilen will. Allerdings muss ich ehrlich sagen, dass es meistens auf der Hand liegt. Irgendwo habe ich gehört, dass man etwa bei Halsschmerzen überlegen soll, was man nicht gesagt hat. Das probiere ich jetzt immer als Erstes aus, wenn es im Hals krazt. Ich überlege, was mir auf der Zunge lag und unter den Nägeln brannte und was ich eigentlich sagen möchte. Und dann sage ich es. Einfach so vor mich hin oder zu der betreffenden Person, das ist eigentlich egal. Es will eben raus und seine Wirkung entfalten. Bei den letzten Halsschmerzen hat es jedenfalls geklappt. Wenn Gedanken meine Gesundheit beeinflussen können, warum sollen es gesprochene Wörter nicht auch können?

Inzwischen bin ich meinem Körper dankbar, dass er mir so zuverlässig zeigt, was geht und was nicht. Natürlich ist es dann wieder meine Aufgabe, etwas zu ändern und den Rat des Körpers zu befolgen. Und das steht auf einem ganz anderen Blatt. Aber ich finde es gut, meinen Körperkompass zu haben. Ich kann ihm vertrauen und daran glauben, dass das, was er mir sagt, wahr ist. Im Gegensatz zu meinen Gedanken.

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