Leben · Lebensfreude

Día de los Muertos – den Tod als Teil des Lebens feiern

Am 1. November gab es im Kölner Rautenstrauch-Joest Museum anlässlich des Día de los Muer20151101_154725tos, des mexikanischen Totentages, ein kleines Fest. Zwei Künstlerinnen, Liliana Cobos und Rosaana Velasco, hatten einen traditionallen mexikanischen Totenaltar gestaltet, wie er zum Día de los Muertos von den Menschen in ihren Wohnungen zu Ehren ihrer Ahnen aufgebaut wird. Die Menschen in Mexiko glauben, dass an diesem Tag die Toten die Lebenden besuchen und sie begrüßen ihre Verstorbenen mit diesen Altären, die mit Blumen und Essbarem geschmückt sind, bunt und lebensfroh. Sie bereiten die Lieblingsspeisen der Verstorbenen zu und präsentieren diese auf dem Altar und es werden Totenköpfe aus Zuckerguss oder Schokolade verschenkt.

Obwohl es ein Fest der Toten ist, hat es doch sehr viel Lebensfreude und Fr-20151101_154753öhlichkeit. Liliana Cobos hat erklärt, dass man in Mexiko dem Tod mit Humor begegnet. Natürlich ist man traurig, wenn jemand stirbt, aber man nimmt den Tod als Teil des Lebens an und indem man ihn als tanzendes Skelett, als bunt bemalten Zuckertotenkopf darstellt, nimmt man ihm vielleicht auch ein wenig den Schrecken.

Mir gefällt dieser Umgang mit dem Tod. Es ist natürlich zunächst ungewohnt und irgendwie auch ein bisschen gruselig, aber es stimmt ja, der Tod gehört zum Leben, wie die Geburt. Und er ist vielleicht auch ein Anlass, zu feiern. Das Leben zu feiern und sich daran zu erfreuen. Hier in Deutschland ist Tod ja irgendwie ein Tabuthema. Was seltsam ist, denn jeder ist davon betroffen. Es ist ein Thema, das vielen Menschen große Angst macht. Vor allem wohl deshalb, weil wir nicht wissen, was danach kommt. Da haben die Menschen in Mexiko uns schonmal was voraus, denn die wissen immerhin, dass sie einmal im Jahr, jeden 1.November ihre Familien besuchen werden.

Aber Spaß beiseite. Bei uns ist der Tod etwas, das sehr negativ gesehen wird. Wir haben Angst davor, wir fürchten, unsere Lieben zu verlieren und wir verdrängen dieses Thema soweit es eben geht. Wenn dann jemand stirbt, den wir lieben, sind wir geschockt, denn wir haben uns nicht erlaubt, uns damit auseinander zu setzen. Und wir sind egoistisch. Wir denken nur daran, was der Verlust für uns bedeutet. Wir denken nicht an den Verstorbenen. Und wenn doch, dann nur daran, was er oder sie nun alles verpasst. Woran er nicht mehr teilhaben kann. Wir denken aber nicht daran, was er nun vielleicht erlebt, was er durchmacht.

Wer weiß schon, was im Jenseits passiert? Ob es überhaupt ein solches gibt. Vielleicht ist es dort, wo die Seelen der Verstorbenen sind, ja ganz wundervoll. Menschen, die ein Nahtod Erlebnis hatten, berichten ja oft von großen Glücksgefühlen und von einem tiefen Frieden.

Wir werden wohl nie wissen, was uns nach dem Tod erwartet. Das letzte große Rätsel des Lebens muss jeder für sich selbst entdecken und wir können es nicht teilen. Ich selbst habe lange Zeit sehr große Angst vor dem Tod gehabt und so richtig dicke Freunde sind wir bis heute nicht geworden. Ich fürchte mich immer noch ein bisschen vor dem Moment des Sterbens. Nicht mehr so sehr vor dem, was danach kommt. Und natürlich habe ich Angst vor dem Verlust meiner geliebten Menschen. Und doch weiß ich, dass der Moment des Abschieds kommen wird. Und, dass er schmerzen wird.

Wenn ich mir dann aber überlege, wie ich mit dem Verlust und der Trauer umgehen möchte, dann denke ich, dass die mexikanische Variante mir doch irgendwie besser gefällt. Wenn jemand stirbt, der uns nahesteht, dann bedeutet das ja nicht, dass er aufhört, Teil unseres Lebens zu sein. Wir erinnern uns an unsere Verstorbenen, wir gedenken ihrer, wir erzählen Geschichten von ihnen. Wir bewahren ihr Andenken und geben es weiter. Vielleicht bewahren ja die Verstorbenen auf ihrer Seite des Vorhangs auch unser Andenken. Vielleicht riskieren sie ab und zu mal einen Blick und schauen nach, wie es uns geht. Oder auch nicht. Vielleicht gehen sie einfach weiter und lassen alles Irdische hinter sich, inklusive aller Menschen, die sie gekannt haben.

Doch wie auch immer die Wahrheit am Ende aussehen mag – den Tod als Teil des Lebens zu akzeptieren, macht das Leben vielleicht ein bisschen leichter. Vielleicht hilft es auch, mit der Trauer umzugehen. Oder sich auf den Abschied vorzubereiten. Das Leben ist ein Geschenk, genau wie all die lieben Menschen, mit denen wir es teilen können. Und von den mexikanischen Bräuchen können wir lernen, dieses Geschenk mehr in den Vordergrund zu rücken, als den Schmerz über die Endlichkeit des Lebens.

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8 Kommentare zu „Día de los Muertos – den Tod als Teil des Lebens feiern

  1. Wie schön, liebe Anna, dass auch du das Thema Tod zur Sprache bringst. Ich beschäftige mich gerade sehr intensiv damit, weil ich gerade einen Trauerbegleitungseinführungskurs besuche (auf meinem Blog LEBENSSPURFRAGMENTE schreibe ich darüber). Ich finde auch, dass es schöner wäre, wenn wir dem Tod ähnlich begegnen würden, wie die Mexikaner. Mit Gesang und bunten Gewändern, mit Tanz und schönen Geschichten über unsere Ahnen und Verstorbenen.

    Herzliche Grüße,

    Caroline

    Gefällt 1 Person

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