Alltag · Leben

Leben in der Warteschleife. Blogadventskalender 3. Dezember

Als Kind und Jugendliche habe ich immer darauf gewartet, dass mein Leben losgeht. Auch zum Ende meines Studiums, als ich in einer recht neuen Stadt lebte und mich oft einsam fühlte und ganze Tage mehr oder weniger alleine verbrachte, hatte ich häufig das Gefühl, wenn dieser Abschnitt zu Ende ist, dann wird alles anders. Dann geht’s richtig los. Dann werde ich mein Leben so führen, wie ich es mir wünsche. Ich dachte immer, wenn ich nur erst älter bin, mehr Geld habe, wenn ich erstmal arbeite… Dann wird alles anders sein.20150722_204128

Totaler Quatsch.

Inzwischen bin ich älter geworden, ich habe einen Job und dadurch zwar mehr Geld, aber weniger Zeit. Ich habe mehr Selbstvertrauen, mehr Freunde, ich weiß besser um meine Möglichkeiten. Trotzdem merke ich immer wieder, dass ich meine wenige Freizeit vertrödele. Ich komme von der Arbeit, mache Essen und setze mich vor den Computer, um Serien zu schauen. Oder ich nehme ein Bad (und schaue währenddessen irgendwas an). Ich verfalle in einen gewissen Trott, ich gebe mir keine Mühe, das Beste aus meiner Freizeit und damit meinem Leben zu machen. Ich lasse es so dahin plätschern.

Und während sich alles so in sehr ruhigen Bahnen bewegt werde ich immer träger, habe immer weniger Lust auf Aktivitäten. Ich will niemanden treffen, weil es mir zu viel Aufwand ist. Ich brauche Ruhe, denke ich. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ich schöpfe viel mehr Energie aus einem schönen Abend mit einer guten Freundin und tollen Gesprächen oder aus einem Wochenende unter Freunden und mit dem einen oder anderen Bierchen, als aus einem ausgedehnten Serienabend alleine zuhause.

Ja, ein Bad nehmen ist schön und entspannend, aber viel besser wäre ein gutes Essen mit einem lieben Menschen und dann ein Spaziergang nach Hause. Oder eine Stunde im Fitnessstudio. Es ist nicht immer einfach, das Meiste aus seiner Zeit zu machen. Und manchmal kostet es auch echt Kraft und Überwindung. Wenn ich nach der Arbeit heim komme, es schon dunkel ist und dazu noch kalt, fällt es mir sehr viel schwerer mich noch zum Sport zu motivieren, als noch im Frühling oder Sommer. Aber das Jahr hat eben nur zur Hälfte lange Tage und zur anderen Hälfte kurze Tage. Und die sollten auch genutzt werden.

Letztendlich ist „das Wetter“ oder „der Herbst“ ja nur eine Ausrede. Das eigentliche Problem liegt darin, dass ich die Macht abgegeben habe. Macht im Sinne von „etwas machen“. Ich mache nicht, ich warte, dass gemacht wird. Dass jemand anruft und fragt, ob ich mich mit ihm treffen will. Oder dass ich plötzlich unbändige Lust habe, zum Sport zu gehen. Klar, möglich ist, dass das passiert. Die Frage ist, ob ich darauf warten will.

Meine Alternative ist nämlich viel spannender. Sie heißt, einfach machen. Nicht überlegen, ob ich so richtig große Lust auf Sport habe, einfach hingehen. Und dann lieber wieder gehen, falls es doch ganz schrecklich ist. Aber das ist ja die Sache – meistens ist es dann ja doch total gut. Einfach jemanden fragen, ob wir uns treffen wollen und einen Termin vereinbaren.

Ich weiß in der Theorie, dass ich diejenige bin, die mein Leben lenkt. Ich habe die Zügel in der Hand, ich entscheide. Wenn es langweilig ist, dann bin ich gefragt, ich muss daran was ändern. Von alleine passiert eben selten etwas. Es scheint, als würde ich das hin und wieder mal vergessen. Also nochmal für mich zum Hinter-die-Ohren-Schreiben: DU hast es in der Hand, Anna. Leb dein Leben, lass es nicht dich leben. Sei mittendrin, statt nur dabei. Aktiv, statt passiv.

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2 Kommentare zu „Leben in der Warteschleife. Blogadventskalender 3. Dezember

  1. Liebe Anna, wie wahr deine Aussagen sind. Manchmal denke ich auch so wie du, dass ich meine Freizeit manchmal weitaus sinnvoller nützen könnte, als ich es tue. Wenn ich dann aber zurückblicke, was ich im heurigen Jahr alles Tolles gemacht habe, dann wird mir klar, dass ich dieses Jahr eh das Beste aus meinem Leben gemacht habe. Ich war zusammen mit meinem Schatz meist 2x die Woche im Fitnessstudio, ging sehr viel ins Kino (weil ich es liebe), habe mich viel mit Freunden getroffen, ging regelmäßig in meinen liebsten Teesalon, bin heuer schon 2x auf Reisen gewesen, eine weitere Reise steht noch aus, half auch dieses Jahr weider regelmäßig ehrenamtlich in einem Lernclub, las einen Haufen Bücher (vor allem in den Öffis), war mit meinem Schatz oft in der Natur und habe mit ihm viele schöne Wochenenden innerhalb und außerhalb von Wien erlebt, habe meine Spiritualität intensiv ausgelebt und habe einen Trauerbegleitungseinführungskurs gemacht und vieles Andere mehr. Ich weiß zwar immer noch nicht, wie genau meine berufliche Zukunft aussehen wird, aber dafür habe ich mich stark weiterentwickelt und freue mich über jeden Moment, den ich erleben durfte. Fürs nächste Jahr gibt es auch schon wieder viele tolle Sachen, die ich machen werde.

    Wenn ich dann mal ein paar faule Fernsehtage oder dergleichen habe, ist es dann gar nicht so schlimm, weil ich sonst einfach viel tue. Natürlich komme ich dann zu vielen Dingen, die ich auch noch gerne machen gemacht hätte, nicht, aber das ist OK. Nächstes Jahr wird wieder alles Anders sein.

    Ich wünsche dir weiterhin eine tolle Adventszeit. Sich zu motivieren ist nicht immer einfach, aber du schaffst das sicher auch. Wenn du eben gerade mehr Zeit für dich alleine brauchst, so ist das auch Ok. Hier ist es meiner Meinung nach wichtig, auf seinen Bauch zu hören. Du bist super, so wie du bist. 🙂

    Herzliche Grüße aus Wien,

    Deine Caroline

    PS: Wäre das LIEBE LEBEN EVENT 2016 von Melanie Mittermaier in München nicht etwas für Dich? http://www.melanie-mittermaier.de/liebe-leben-event-2016/
    Ich bin jedenfalls mit meinem Schatz gemeinsam dabei. Da gibt es sicher einen Haufen positive Energie für Dich. 🙂

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  2. Deine Zeilen machen mich nachdenklich, sie sind so wahr. „Irgendwann“ und „Später“ sind Worte, mit denen wir uns Lebenslust berauben. Und, vielleicht ist es irgendwann oder später wirklich zu spät?! Zu spät, um all die Dinge nachzuholen, für die wir heute keine Zeit haben. Zu spät für die Worte, die wir heute nicht aussprechen, weil etwas anderes wichtiger ist. Zu spät um die Menschen zu treffen, die uns wichtig sind und die wir lieben. Ich persönlich habe mir zum Lebensmotto gemacht: Lebe jeden Tag so, als wenn es dein letzter wäre. Ich kann zwar nicht immer danach leben. Aber ich schiebe die Dinge die mich interessieren, ich auspropbieren möchte, heute einfach nicht mehr auf „irgendwann“, sondern tue sie! Ich hebe nichts mehr auf, für besondere Ereignisse. Nein, ich trage jeden Tag meine sündhaft teure Armbanduhr, die ich eigentlich für besondere Anlässe weggelegt hatte. Ich trage so oft wie es geht, meine besten Klamotten für besondere Anlässe, weil heute jeder Tag ein besonderer für mich ist. Warum tragen wir unsere Designerbluse nur zu bestimmten Anlässen? Warum machen wir uns nur besonders hübsch zurecht, wenn ein besonderes Ereignis ins Haus steht? Warum?

    Ich habe erlebt, dass ein geliebter Mensch gestorben ist, ohne dass ich mich verabschieden konnte, ohne das ich ihm nochmal gesagt hätte „Ich liebe dich“, ohne das ich ihn nochmal in den Arm genommen hätte, geküsst hätte und verziehen hätte. Ich habe es bitterlich bereut! Ich weiß, wie endlich unsere Zeit hier auf Erden ist. Und die, unserer geliebten Menschen. Deshalb schiebe ich nichts mehr auf „irgendwann“ oder „später“. Ich lebe JETZT und nicht gleich oder morgen :-). Herzliche und nachdenkliche Grüße, Claudia

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