Allgemein · Leben

Blogadventskalender 6. Dezember – Rituale

IMG_20121218_182611

Rituale prägen unser Leben. Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit gibt es viele Rituale, die wir von Kindesbeinen an kennen und jährlich wiederholen, auch, wenn wir sie früher vielleicht gar nicht so gut fanden. Oder sie uns nicht wirklich etwas bedeuten.

Adventskranz, Adventskalender, Weihnachtsmarktbesuche, Weihnachtsbaum, Plätzchen backen und nicht zu vergessen der heutige Nikolaustag. All das sind Dinge, die seit unserer Kindheit in die Vorweihnachtszeit gehören. Für viele ist auch der Gottesdienstbesuch an Heiligabend ein Muss, obwohl sie die restlichen 364 Tage im Jahr keinen Fuß in eine Kirche setzen.

Lange Zeit war das bei mir auch so. Obwohl ich weder religiös war oder bin, noch sonst je in die Kirche ging, musste der Gottesdienstbesuch an Heiligabend einfach sein. Ich fand die Lieder schön, die Atmosphäre, es gefiel mir, die vielen Menschen zu sehen, die in freudiger Erwartung auf den Abend und hübsch zurecht gemacht in den Bänken saßen. Die großen Augen der Kinder, die Kerzen, das Besinnliche. Eine schöne Einstimmung auf den Abend, wie ich fand.

Sogar in dem Jahr, als ich über Weihnachten in China war, weil ich dort mein Auslandssemester verbrachte, setzte ich alle Hebel in Bewegung, eine Kirche mit englischsprachigem Gottesdienst zu finden, nur, um nicht auf meine Weihnachtsstimmung verzichten zu müssen. Die Erfahrung war zwar ganz nett, aber die weihnachtliche Atmosphäre, die ich mir erhofft hatte, fand ich dort nicht. Klar eigentlich, dass eine Erfahrung am anderen Ende der Welt nie die gleiche sein kann, wie Zuhause in meinem kleinen Dorf.

Im letzten Jahr war mir dann so gar nicht nach Kirche zumute, nicht nach Singen und auch nicht nach vielen Menschen. Und mir wurde klar, dass ich an dem Kirchenbesuch nur festgehalten hatte, weil es eben ein Ritual war. Eins, das ich als angenehm empfunden hatte, dessen Stimmung und Atmosphäre ich genossen hatte.

Rituale sind letztendlich nichts anderes, als mit Bedeutung aufgeladene Gewohnheiten. Und der heiligabendliche Kirchenbesuch hatte für mich auf einmal an Bedeutung verloren. Er war mir nicht mehr wichtig, und so habe ich darauf verzichtet. Auch die Bedeutung des Weihnachtsfestes im Allgemeinen hat für mich eine andere Bedeutung bekommen. Während früher, vor allem als Kind, die Geschenke, Süßigkeiten, Plätzchen und Weihnachtslieder im Fokus standen, ist es für mich heute eine Zeit der Begegnungen. Ich habe verhältnismäßig viel Zeit, um bei meiner Familie zu sein, meine alten Freunde strömen wieder in die Heimat und man trifft sich und freut sich über das Wiedersehen.

Weihnachten hat deshalb seinen Zauber nicht verloren, im Gegenteil. Vielleicht bin ich dem Geist der Weihnacht sogar näher, als ich es früher war. Ich freue mich jedenfalls auf die Zeit bei Familie und Freunden und auf die besinnliche und gemütliche Heiterkeit, die ich mit den Feiertagen verbinde.

Rituale können sich im Laufe der Zeit wandeln. So wie unser Leben nicht immer gleich bleibt, passen vielleicht auch gewisse Rituale nicht mehr zu uns. Dann können wir sie hinter uns lassen, neue schaffen oder alte wieder aufnehmen. Rituale geben dem Leben, dem Alltag, dem Jahreskreis eine gewisse Stabilität. Wir wissen, was wir zu erwarten haben, wir wissen, was zu tun ist und was nicht. Sie bieten Handlungsmuster und feste Abläufe und die Vertrautheit gibt uns Geborgenheit.

Ich weiß nicht, ob ich dieses Jahr an Heiligabend in die Kirch gehen werde. Möglichweise werde ich es der Familie zuliebe tun, aber wenn es nach mir geht, dann bleibe ich der Kirche lieber fern. Und schaffe mir ein neues Ritual der Besinnlichkeit für Weihnachten.

Advertisements

3 Kommentare zu „Blogadventskalender 6. Dezember – Rituale

  1. Ein sehr schöner Beitrag! Rituale sind sehr wichtig für uns und auch in meiner Familie gibt es liebgewonne Rituale – nicht zur Weihnachtszeit. Rituale können sich verändern und es entstehen vielleicht wieder neue Rituale. Seitdem meine Kinder alle aus dem Haus sind, bleibt das Schmücken des Weihnachtsbaumes, mir überlassen. Sonst haben die vergangenen Jahre meine Kinder den Weihnachtsbaum geschmückt und waren so stolz darauf. Es war Ritual, dass am 23. Dezember der Weihnachtsbaum geschmückt wurde. Seit letztem Jahr, schmücke ich den Weihnachtsbaum bereits zum 1. Advent. Er steht in meinem großen Flur, zwischen Geschäfts- und Privaträumen und ist für mich, meine Lieben, meinen Kunden und Klienten eine große Freude.

    Warum ich den Weihnachtsbaum schon so früh schmücke? Es dauert Stunden, bis er so aussieht wie er aussehen soll. Nicht einfach Lichterkette, Kugeln und Dekoratives dran. Nein, er ist ein kleines Kunstwerk. All die Jahre fand ich es immer sehr schade, dass das Prachtstück nur für 1,5 Wochen dekorativ unser Heim und unsere Herzen erleuchten durfte. Denn nach Silvester, spätestens am 4. Januar, fliegt alles weihnachtliche wieder aus dem Haus. Auch ein Ritual übrigens.

    Heute trifft sich unsere Familie, nicht nur weil Nikolaustag ist und meine Enkel sehnsüchtig auf den Nikolaus warten. Heute ist unser Wichteltag. Ein liebgewordenes Ritual unserer Familie für Heiligabend. Irgendwann haben wir aufgehört, uns als Erwachsene etwas zu schenken. Zum einen hat man alles und das was man braucht, kauft man sich. Wir haben dann das Wichteln eingeführt. Jeder darf 3 Geschenke bis max. 20 Euro auf einen Zettel mit seinem Namen schreiben. Dann werden die Zettel gezogen und man sucht sich einen Wunsch aus, mit den man den anderen an Heiligabend überraschen möchte. Die „Tachengeldkinder“ bekommen natürlich ihre Wunschzettel erfüllt.

    Ja, Rituale sind wichtig für uns (solange sie nicht zu schlechten Gewohnheiten werden) und prägen uns und unser Leben. Was währen wir ohne sie?

    In diesem Sinne wünsche ich einen besinnlichen 2. Advent und einen fleißigen Nikolaus 😉
    Herzliche Grüße, Claudia

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Claudia,
      Danke für deinen schönen Kommentar. Die Zeit um das Jahresende ist ja überall rituell sehr aufgeladen. Besonders interessant finde ich aber die individuellen Bräuche und Traditionen in einzelnen Familien, da hast du uns ja auch ein bisschen reinschnuppern lassen 🙂
      Rituale können wirklich sehr schön sein und ich mag einige aus meiner Familie auch sehr gerne.
      Allerdings lohnt es sich ab und zu bestimmt auch mal zu überprüfen, ob die alten Rituale noch zu uns und unserem Leben passen.
      Einen schönen Adventssonntag noch. Und übrigens – auf deinen Weihnachtsbaum bin ich jetzt neugierig 😉
      Liebe Grüße
      Anna

      Gefällt 1 Person

      1. Liebe Anna! Mein Weihnachtsbaum ist ökologisch 😉 Sonst würde er ja die vier Wochen bis Weihnachten nicht überleben. Die Grundfarben sind natürlich Gold (wohl die beliebteste Farbe für Weihnachtskugeln), creme und cremeweiß. Jedes Jahr „wächst“ die Weihnachtsbaumdekoration um ein bis zwei besondere Stücke, die ich hier und da kaufe. So kannst du überall am Baum immer etwas Neues entdecken. Und genau das macht den Baum für mich interessant. Liebe Grüße, Claudia

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s