Allgemein · Leben · Lebensfreude

Blogadventskalender 10. Dezember – Über die Klarheit

Vor einiger Zeit habe ich in meinem Beitrag Was tust du da beschrieben, wie ich eine neue Gewohnheit an mir entdeckt habe, die mir nicht so sehr gefallen hat.

Dabei ging es nur um eine Kleinigkeit und ich konnte dieses Verhaltensmuster einigermaßen schnell ablegen. Aber das Thema hat mich weiter beschäftigt und zum Nachdenken gebracht. Tun wir nicht alle häufig Dinge, ohne uns überhaupt darüber klar zu sein, warum eigentlich?

Wir verfolgen gewohnte Muster, behalten Gewohnheiten bei, verweilen in Situationen, die uns nicht angenehm sind. Und warum? Weil wir gar nicht erst auf die Idee kommen, das zu hinterfragen. Ist doch komisch, oder? In jeder Familie gibt es Gewohnheiten und Rituale, Dinge die gehen, und Dinge, die nicht gehen. Und das unterscheidet sich für jeden von uns.

Bei uns Zuhause wurde Sonntags beispielsweise nicht im Garten gearbeitet, vor dem Haus gekehrt, oder irgendetwas anderes „gearbeitet“, das für die Nachbarn hätte sichtbar sein können. Der Grund war, dass man das „eben nicht tut“, am heiligen Sonntag. Es gehörte sich nicht. Dabei war meine Familie weit entfernt von jedweder Form der nach außen getragenen Religiösität. Geschweige denn, dass wir am Sonntag tatsächlich in die Kirche gegangen wären. Vielmehr war diese Regel noch ein Überbleibsel aus der Zeit meiner Großeltern, das meine Eltern übernommen haben. Einfach, weil es ihnen nicht in den Sinn kam, es zu hinterfragen.

Ich denke auch nicht, dass unsere Nachbarn, allesamt anscheinend ebensowenig religiös, sich daran gestört hätten, wenn meine Eltern am Sonntag Nachmittag Unkraut gerupft hätten. Aber fragen konnte man sie auch nicht, denn sie waren am Sonntag ebensowenig auf der Straße zu sehen.

Für mich stellt sich die Frage, ob ich sonntags vor meiner Tür kehren darf, nicht, denn ich wohne in Köln in einem großen Mietshaus und das Kehren gehört nicht zu meinen Verpflichtungen als Mieterin. Hier in der Stadt würde ich das Naserümpfen meiner Nachbarn, so es dazu kommen sollte, allerdings auch einigermaßen gleichgültig ertragen.

In einem kleinen Dorf, wie dem aus dem ich komme, ist das eine andere Sache. Man steht sich dort viel näher und nimmt Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Gemeinschaft. Auch, wenn man diese Befindlichkeiten nur erahnen kann, denn wirklich zu wissen, wer es aus welchen Grund gut findet oder eben nicht, wenn ich sonntags draußen Wäsche aufhänge, das kann man ja auch nicht.

Was ich mit diesem Beispiel sagen will ist, dass wir oft an Mustern festhalten, die uns vertraut sind, nur, weil wir sie kennen und sie schon immer ein Teil unseres Lebens waren. Das allein ist allerdings noch keine hinreichende Daseinsberechtigung, so finde ich. Wenn wir öfter mal hinschauen würden und prüfen, warum wir etwas tun (oder auch nicht tun), könnten wir wahrscheinlich viele solcher Überbleibsel finden. Die müssen auch nicht immer aus dem Elternhaus kommen. Vielleicht hängen sie auch mit alten Glaubenssätzen zusammen, die wir lange mit uns herum geschleppt haben.

Solche Gewohnheitsmuster aufzuspüren, auf ihre Sinnhaftigkeit zu überprüfen und dann ggf. über Bord zu werfen, kann eine Menge Zeit sparen und vielleicht sogar ungeliebte Verpflichtungen abschaffen. Wenn wir nämlich erstmal bemerkt haben, dass wir sinnloserweise eine Gewohnheit beibehalten, an die wir nicht glauben, dann ist es sehr viel leichter, diese aufzugeben.

Letztendlich haben wir, jedenfall soweit wir es wissen können, nur dieses eine Leben. Wäre es da nicht schön, nur die Dinge zu tun, die wir wirklich tun wollen, an die wir glauben, oder mit denen wir uns zumindest nicht allzu sehr belasten? Und all das, was uns das Herz schwer macht, hinter uns lassen zu können?

 

Advertisements

Ein Kommentar zu „Blogadventskalender 10. Dezember – Über die Klarheit

  1. Wenn man das Elternhaus verlässt, lässt man vieles aber auch hinter sich….Ich hab vieles, was ich unlogisch fand und bei dem es mir egal ist, was die Nachbarn sagen abgelegt…..Man muss halt einfach über diese Hürde steigen….

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s