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Blogadventskalender 17. Dezember – Vertrauen

Wem vertrauen wir wirklich? Für die meisten Menschen wäre vermutlich der erste Impuls zu sagen, dass sie ihrer Familie vertrauen, ihrem Partner, ihren Freunden. Dass sie für diese Menschen durchs Feuer gehen würden, dass sie sich sicher sind, diesen Menschen so nahe zu stehen, dass sie sich blind auf sie verlassen können.

Es ist schön, Menschen zu haben, denen wir vertrauen können und an deren Reinheit wir glauben. Daran, dass sie gut sind, dass sie das Richtige tun und uns nicht verletzen werden. Es ist eine Art kindliches Vertrauen, der feste Glaube daran, dass wir von unseren geliebten Menschen nicht im Stich gelassen werden, dass sie da sein werden, wenn wir sie brauchen. Dass sie uns auffangen werden. Ich erinnere mich noch an das Gefühl, wenn ich als Kind auf einem Mäuerchen stand oder einer sonstigen Art von Anhöhe und mein Vater mir die Arme entgegen streckte und sagte „Komm, spring“. Und ich sprang und er fing mich auf. Die Möglichkeit, dass er mich verfehlen, dass ich fallen würde, existierte in meiner Welt nicht. So fest war mein Vertrauen, dass es mir nicht auch nur für eine Sekunde eingefallen wäre, dass er mich nicht auffangen könnte.

Nein, ich wurde als Kind und auch später niemals im Stich gelassen von den Menschen, die ich liebte und die mich liebten. Ich weiß heute, dass das ein großes Privileg ist und längst nicht jedem vergönnt war.

Es gibt aber auch noch eine andere Art von Vertrauen, und zwar das Vertrauen und der Glaube an andere Menschen in dem Sinne, dass sie selbst wissen und tun werden, was gut für sie ist. Besonders den Menschen, die uns sehr am Herzen liegen, möchten wir stets viele gute Ratschläge geben. Wir machen uns Gedanken um sie, wenn nicht sogar Sorgen, und wir wünschen ihnen nur das Allerbeste. Und selbstverständlich wissen wir genau, was das ist.

Du solltest das Rauchen sein lassen. Du musst unbedingt mehr Sport machen. Für so etwas kannst du doch nicht so viel Geld ausgeben! Wenn du dich jetzt von deinem Partner trennst, machst du einen großen Fehler, wer weiß, ob nochmal jemand kommt, der so anständig ist.

vertrauenWir meinen es gut. Ja, das schon. Aber was kommt beim anderen an? Wenn jemand sagt, wenn du das tust, wird es kein gutes Ende nehmen, dann hören wir folgendes: Ich glaube nicht daran, dass deine Entscheidung richtig ist und Sinn macht. Ich vertraue nicht auf dein Urteilsvermögen, denn ich weiß es besser.

Ist das die Botschaft, die wir senden wollen? Nein. Wir wollen sagen „Du bist mir wichtig, ich mache mir etwas daraus, was mit dir passiert, und ich fürchte, dass deine Entscheidung/dein Verhalten sich als Fehler herausstellt und dir schadet“.

Manchmal fällt es wirklich sehr schwer, sich nicht einzumischen, wenn der Partner, eine guter Freund oder ein Familienmitglied sich für etwas entscheidet oder etwas tut, das wir nicht gutheißen. So oft haben wir das Gefühl, dass wir es besser wissen, und dass der Andere es ebenfalls besser wissen müsste. Vielleicht waren wir auch einmal in einer ähnlichen Situation und wollen nun unser daraus gewonnenes Wissen weitergeben. Die Intention ist ausschließlich positiv, wir wollen helfen, unterstützen, beraten.

Im Leben ist es allerdings so, dass jeder seine eigenen Erfahrungen machen muss. Jeder muss sich selbst die Finger am sprichwörtlichen Herdfeuer verbrennen, bevor er lernen kann, Abstand zu den Flammen zu halten.

Es existiert zudem auch immer noch die Möglichkeit, dass die Erfahrung, die jemand anders macht, obwohl die Rahmenbedingungen ganz ähnlich scheinen, eine komplett andere ist als die, die wir selbst gemacht haben. Was für uns ein absoluter Reinfall war, kann für jemand anderen eine einschneidende Erfahrung im besten Sinne sein.

Wir können es nicht wissen, so lässt es sich wohl zusammenfassen. Genauso wenig (oder noch weniger), wie wir unsere eigene Zukunft vorhersehen können, ist uns das mit der Zukunft anderer Menschen möglich. Und auch, wenn wir vollkommen sicher sind, dass etwas eine bestimmte Konsequenz haben wird, so muss das noch lange nicht der Wahrheit entsprechen. Alles, was wir in der Hand haben, sind wir selbst und unsere Gedanken und Einstellungen zu Menschen, Umständen und Dingen. Auf alles andere haben wir keinen Einfluss. Wir können nicht das Wetter machen und wir können unsere Lieben nicht verhexen, damit sie stets nur das tun, das wir für richtig und angemessen halten.

Auch wir möchten ja nicht andauernd und ungefragt gesagt bekommen, was zu tun sei. Und es macht auch wenig Spaß immer der Moralapostel zu sein, der mit erhobenem Zeigefinger auf die Risiken und Nebenwirkungen hinweist. Im Gegenteil. Vielmehr Freude macht es hingegen, wenn wir an den Träumen, Vorhaben oder Ideen Anderer teilhaben können, wenn wir ihnen frohen Mutes zusehen, wie sie ihren Weg gehen, und sie anfeuern, wenn sie es brauchen. Und wenn jemand einen Schwarzmaler braucht, dann muss er nur fragen. Auch das können wir dann. Im Notfall.

 

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Ein Kommentar zu „Blogadventskalender 17. Dezember – Vertrauen

  1. Du hast absolut recht. Mich haben immer viele gefragt und ich hab Tipps gegeben. Am Ende war ich die Böse und die fragende hat „gebuht“…es ist oft schwer seinen Mund zu halten….aber es ist so…jeder muss seine Erfahrungen machen…deswegen beisse ich mir auf die Zunge und warte auf das Ergebnis…klappt es – gut – klappt es nicht – gut…wenigstens versucht…

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