Allgemein · Alltag · Leben

Du bist nicht allein

Normal

Manchmal müssen wir das einfach alle mal hören. Dass wir nicht alleine sind, mit unseren Problemen, Sorgen, Ängsten. Dass wir nicht die einzigen Aliens sind in einer unendlichen Masse von „normalen“ Leuten. Dass wir auch normal sind, mit all unseren Macken, Fehlern, Problemen, Gedanken und Gefühlen.

Wir reden nicht über Dinge. Sehr viele Dinge. Von Fingernägelkauen bis Sexfantasien ist unser Alltag, unsere Gesellschaft und damit unsere Gespräche voll von Tabus.

Auswahl der Dinge, über die wir nicht reden.

  • Alles, was mit Körperflüssigkeiten zu tun hat
  • Alles, was auf dem Klo passiert
  • Unsere Träume und tiefsten Hoffnungen
  • Unsere schlimmsten Ängste
  • Die Wahrheit über unsere Beziehungen (wenn wir Glück und eine gute Beziehung haben, reden wir immerhin mit unseren Partnern darüber)
  • Sucht
  • Perioden
  • Geld, außer, wir haben keins
  • Religion oder Glaube
  • Krankheiten (ausgenommen Kleinkram oder hinter dem Rücken der Betroffenen)

Man fragt sich schon fast, worüber wir überhaupt noch reden können.

Ich bin keine Verfechterin der schonungslosen Offenheit in allen Belangen. Im Gegenteil, ich finde durchaus, dass es mein gutes Recht ist zu wählen, mit wem ich über welche Themen sprechen möchte oder eben nicht. Und natürlich gilt das auch umgekehrt.

Manchmal aber, wenn das Thema dann doch mal auf einen der oben genannten Bereiche kommt – oder auf irgendein anderes Tabuthema, meine Liste war ja bei Weitem nicht erschöpfend – dann stellen wir fest, dass unser Gegenüber die gleichen Probleme hat. Oder die gleichen Träume. Oder eine Phase hinter sich hat, in der alles ganz ähnlich war.

Wir sind gar nicht so individuell, wie wir immer gerne glauben möchten. Natürlich, jeder Mensch hat seinen eigenen Weg, seine Bestimmung, seine Träume, Hoffnungen, seinen Glauben und seine Ängste. Die Schnittmenge ist aber relativ groß. We are all born naked and shit in the toilet. So ist das eben. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit, auf Verständnis zu stoßen, wenn man sich öffnet, auch ziemlich groß. Weil wir alle Menschen sind mit den gleichen Grundbedürfnissen.

Die Angst, nicht „normal“ zu sein, oder nicht „normal“ genug, kann lähmend sein. Aber sie ist auch in aller Regel unbegründet. Was ist schon normal? Und selbst wenn man eine Definition von normal gefunden hätte, auch, wenn man sicher ist, nur dann normal sein zu können, wenn man aufhört an den Nägeln zu kauen oder Furbys zu sammeln oder nur rote Kondome zu benutzen. Was dann? Am Ende des Tages haben wir dann nur die Erkenntnis gewonnen, nicht dazu zu gehören. Und die ist nicht nur sehr traurig, sondern auch eingebildet (im Sinne von nicht wahr).

Es wird immer noch Andere geben, die das gleiche empfinden oder mal empfunden haben. Allein sein mit etwas, ob es ein Gefühl ist, eine Situation oder eine Angst, ist nicht real, auch, wenn es uns hin und wieder so vorkommen mag.

Vielleicht kommen nun die Individualitätsverfechter auf den Plan, die der festen Überzeugung sind, sie seien die Einzigen, die ausschließlich Mandelmilch trinken und feministische Indie-Filme schauen. Oder wenn sie nicht mehr die einzigen sind, so waren sie doch die Ersten. Und ja, einer muss bei allen Sachen der Erste sein. Irgendjemand hat auch zum ersten Mal den Mond betreten (oder vielleicht nicht?), aber er war nicht der Letzte. Und somit ist er auch damit nicht alleine.

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