Alltag · Leben

Was für eine Art Mädchen ist denn nun Lena Dunham?

IMG_20160218_220246 Gerade habe ich das Buch Not that Kind of Girl von Lena Dunham zuende gelesen. Es ist ein ziemlich bekanntes und vom Feuilleton gefeiertes Buch einer jungen und ebenfalls gefeierten Autorin. Hier eine Auswahl der Pressestimmen.

Phantastisch, dass eine Frau wie Dunham von sich redet, auf so eine leichte, unterhaltsame Weise. (…) Und dabei auch noch cool und lustig ist. (Antonia Baum Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

Ich möchte hier ganz kurz einwerfen, dass ich mich frage, was mit „eine Frau wie Dunham“ gemeint ist. Eine unperfekte Frau? Eine Frau, die in der Öffentlichkeit steht? Eine Frau von nicht einmal 30 Jahren? Das bleibt wohl an dieser Stelle der Fantasie überlassen.

Komisch, unerbittlich, vorbildlich, hochironisch, herzerwärmend. (Anne Waak Welt am Sonntag)

Dunham erzählt mit derselben rohen Direktheit, die man schon an ihrer Serie schätzt. […] laut ehrlich und direkt. (Julia Grass Berliner Zeitung)

Wieso ist Lena Dunham eigentlich eine Ikone? Ganz einfach: Weil sich (…) in ihrem Buch eine ganze Generation junger Frauen wiederfindet. (Tobias Rüther Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Ich gebe Herrn Rüther recht, Lena Dunham schreibt auf eine Art und Weise, in der zumindest ich mich wiederfinden kann. Und da ich weiß, dass immerhin einige meiner Freundinnen meine Gefühle, Gedanken und Weltsicht teilen, denke ich, dass man schon sagen kann, dass Lena den jungen Frauen von heute aus der Seele spricht. Zumindest in gewissen Maßen.

Auf der anderen Seite habe ich das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Dass ein Teil der Botschaft nicht bei mir angekommen ist, ich etwas übersehen habe oder einfach nicht erkannt. Denn meine Welt wurde durch das Buch nicht erschüttert, die Gedanken waren mir nicht neu, die Erlebnisse nicht fremd. Aber das kann natürlich daran liegen, dass Fräulein Dunham eben die Geschichte einer ganzen Generation junger Frauen (meiner Generation) erzählt und das daher gar nichts Neues für mich sein kann. Der „endlich sagt das mal jemand“ Moment blieb allerdings auch aus.

Angefangen hat das Buch sehr gut, fast schon ein bisschen popfeministisch, wie ich finde, was mir durchaus gefallen hat. Doch je weiter das Buch fortschritt und je mehr Episoden man verfolgen konnte, desto weniger tiefsinnig und interessant wurde es. Der Tiefpunkt war wohl mit der seitenlangen Aufzählung der Mahlzeiten inkl. Kalorien erreicht. Und ganz allgemein fand ich die Listen, die immer wieder eingestreut waren (Dinge, die ich an New York liebe etc.) einfach langweilig und lückenfüllend.

Ich finde es toll, wenn jemand den Mut hat, die schmutzigen, unschönen und ungeschönten, ehrlichen, voll ausgeleuchteten Details seines Innenlebens und seiner sexuellen Erfahrungen mit einem riesigen Publikum zu teilen. Wenn jemand seine Geschichte erzählen will, einfach so, wie sie passiert ist, und auch die kruden Gedanken nicht ausspart. Zugibt, sich vor Lampenstaub zu fürchten und bis ins junge Erwachsenenalter nicht alleine im Bett geschlafen haben zu zu wollen.

Möglicherweise ist auch der Titel des Buches schlicht irreführend. Oderer ist  ironisch gemeint. Denn er legt ja nahe, dass die eigenen Erfahrungen sehr stark von der Norm abweichen. Wenn die Autorin dann gleichzeitig als die Stimme der modernen jungen Frau als solche gefeiert wird, dann passt da wohl etwas nicht zusammen.

Letztendlich ist Not that Kind of Girl auch nur eine Aneinanderreihung von Peinlichkeiten, Bettgeschichten und Katastrophenfantasien, erzählt mit einem gewissen Witz und auf eine charmante Art, auf der anderen Seite der Feuchtgebiete-Rhetorik. Ein bisschen liest es sich, als hätte eine jüngere Version der Carrie aus Sex and the City ihre Sitzungen beim Psychologen dokumentiert. Zieht man dann noch ein paar neongelbe Haare, Kondome in Zimmerpflanzen und Drogen-Eskapaden ab, dann hätte wohl mehr als eine Mittzwanzigerin dieses Buch schreiben können.

Geschrieben hat es aber nun mal Lena Dunham, und sie hat keinen schlechten Job gemacht. Das große Aha-Erlebnis hatte ich zwar nicht, aber es war trotzdem eine kurzweilige Lektüre und eben mal ein bisschen anders, als übliche Sex und Shopping und abends gibt’s Cocktails Weiberkram.

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