Leben · Liebe · Momentaufnahmen

Ein trauriges Buch

CYMERA_20160225_231631Gerade habe ich Clare Sambrooks Buch Der Freitag nach dem Freitag nach dem Sonntag zuende gelesen. Es ist ein trauriges Buch, es handelt von Verlust, Tod, Trauer und dem Umgang einer Familie mit dem Verschwinden des jüngsten Sohnes.

Die Geschichte in Kurzfassung

Die beiden Söhne, Harry, 9 Jahre, und Dan, der jüngere Bruder, sind auf dem Rückweg von einem Schulausflug. Als die Mutter die beiden vom Bus abholen will, ist Dan nicht da. Niemand weiß, wo er abgeblieben ist. Damit beginnt das Buch und folgt von da an Harry, um die Situation, den Verlust, Angst, Schock, Trauer und Hilflosigkeit aus seiner Perspektive zu erzählen. Die Familie, besonders die Mutter, aber auch alle anderen, zerbricht fast an der Tragödie. Doch am Ende scheint es wenigstens ein bisschen bergauf zu gehen.

Das Lese-Erlebnis

Das Buch ist gut geschrieben, etwas wirr manchmal, aber da es aus der Sicht eines Neunjährigen erzählt, macht das durchaus Sinn. Die Figuren sind sehr echt und glaubwürdig, ihre Gefühle sehr nah. Deshalb konnte ich es auch nicht auf einmal durchlesen, es war einfach zu hart. Man fühlt mit der Familie, man hofft und wünscht sich, dass sich alles zum Guten wendet, doch die Geschichte ist kein Märchen. Sie ist grausam und hoffnungsvoll zugleich. Sie erzählt von dem Schlimmsten, das einer Familie passieren kann, doch sie erzählt auch, dass sie es überstehen können. Nicht heil, nicht als dieselben, die sie vorher waren, aber sie können es überstehen und sie lernen, das Leben wieder neu zu entdecken und als lebenswert zu sehen.

Das Zitat

„Harry, sie werden nie darüber hinwegkommen. […] Und auch wir nicht. Wir haben Daniel verloren und werden niemals im Leben darüber hinwegkommen. […] Es wird nicht immer so schlimm sein, sagte Joan gerade. Der Schmerz wird weniger, wir werden ihn nicht mehr so oft spüren, es wird zwischendrin wieder mehr unbeschwerte Tage geben. […] – Du glaubst nicht, dass er wieder zurückkommt, oder, Tante Joan? – Nein, sagte sie. […] Joan, ich kann Daniel sehen. – Wie bitte, Harry? – Ich sehe Daniel. Ich meine, nicht direkt ihn. Jungen und auch Mädchen, die ihm ähnlich sind. Überall. Manchmal Erwachsene. Und wenn ich dann ein zweites Mal hinschaue, sehe ich, dass sie ihm überhaupt nicht ähneln. […] Ja, sagte sie. […] So etwas kommt vor. Das ist einfach so. Wir suchen Daniel. In unseren Herzen werden wir Daniel immer suchen, Harry. […] Allen geht es so. Allen. Überall auf der Welt. Jedem Menschen, der eine Person verloren hat, die er liebt, geht es so.“ (S. 244 ff.)

Fazit

Ich finde das Buch empfehlenswert, solange man weiß, worauf man sich einlässt. Es ist wahrscheinlich nichts für Zartbesaitete (obwohl es keine Gewalt oder ähnliches enthält, bis auf Schulhofraufereien), auch nichts für Schwangere oder frische Mütter, vielleicht für überhaupt keine Mütter. Es wäre definitv kein Buch, das ich meiner eigenen Mutter empfehlen würde, denn ich weiß, für sie würde es nur alte Ängste neu entfachen, auch, wenn sie keine kleinen Kinder mehr hat. Ich weiß eigentlich nicht, welcher Zielgruppe ich das Buch ans Herz legen würde. Es ist keins von der Sorte, von der man sagen kann „Lies das unbedingt, es ist toll“. Ich würde eher sagen: Lies es, wenn du es dir zumuten kannst. Aber wenn ja, dann ist es wert, gelesen zu werden.

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