Alltag · Leben · Lebensfreude

Wie man mit Unzufriedenheit umgeht

20150301_170410Wir alle kennen das Gefühl, nicht zufrieden zu sein. Ob Job, Beziehung, Familie, soziales Umfeld, finanzielle Möglichkeiten, Bildungschancen oder alles zusammen, es gibt sehr viele Gründe, mit seinem Leben unzufrieden zu sein. Manchmal sind es auch Entscheidungen, die wir getroffen haben und die sich im Nachhinein nicht als das herausgestellt haben, was wir uns erhofft hatten.

Und dann gibt es noch diese diffuse Unzufriedenheit, die, so glaube ich wenigstens, auch die meisten Menschen kennen. Ein Gefühl, dass irgendwas fehlt im Leben, auch wenn es nach außen hin so scheint, als sei alles in reinster Butter. Auch, wenn wir nicht unseren Finger in die Wunde legen können, wir fühlen uns seltsam leer, antriebslos, als liefen wir ohne Sinn und Ziel durch die Welt.

Oder wir stehen auf der anderen Seite, das kann auch vorkommen. Dann haben wir mit Menschen zu tun, die offenbar nie zufrieden sind. Immer zwickt und kneift es hier oder da, der Schuh drückt, das Wetter ist schlecht, heute tut der Rücken weh, morgen die Füße und übermorgen der Kopf. Und wenn nichts weh tut, dann war wieder mal jemand gemein und unverschämt. Oder das Leben an sich meint es schlichtweg nicht gut mit diesen Menschen.

Mich strengen solche Leute immer sehr an, weil mein Benehmen mir eintrichtert, ihnen höflich zuzuhören und konstruktive Lösungsvorschläge zu unterbreiten, während ich innerlich die ganze Zeit schreie „Hör endlich auf zu jammern!“. Aber was würde wohl geschehen, wenn man jemanden wirklich offen sagen würde, dass man sein Genöle unerträglich und absolut übertrieben findet?

Häufig denke ich, dass ein solches Verhalten daher rührt, dass jemand seine inneren Konflikte auf das Außen projiziert. Ich denke, Unzufriedenheit hat ihre Ursache meist in einem tatsächlich existierenden Problem. Nur eben nicht notwendigerweise in dem Problem, das benannt wird. Die berühmten Nöler, die wir alle kennen und die sich immer über dieses oder jenes beschweren, haben möglicherweise Probleme mit ihren Partnern, oder sie haben Minderwertigkeitskomplexe, oder sie fühlen sich missachtet und versuchen, interessant zu wirken. Vielleicht wissen sie gar nicht, was es ist, das ihnen in Wahrheit die Laune vermiest.

Es kann ganz schön schwierig werden, sich aus der Unzufriedenheit zu befreien, besonders, wenn sie schon lange andauert. Und manchmal gibt es ja auch Dinge oder Situationen, die einfach unangenehm sind und nicht mal so eben verändert werden können. Wie kann man also damit fertig werden und wieder zufriedener werden?

Sich fragen, was der Unzufriedenheit zugrunde liegt. Es kann sehr helfen, wenn man sich fragt, was einem eigentlich wirklich gegen den Strich geht. Ist es der Job? Falls ja, welcher Aspekt des Jobs? Sind es die nervigen Kollegen, die Aufgaben, der Arbeitsweg? Was müsste sich ändern, damit man sich mit der Situation besser abfinden könnte? Wenn etwa die Kollegen nerven, weil sie zu laut sind und man sich nicht konzentrieren kann, vielleicht könnte man um mehr Ruhe oder um Verlegung an einen anderen Arbeitsplatz bitten. Oder wenn jemand ständig versucht, die eigene Arbeit auf einen selbst abzuwälzen, wie könnte man sich dagegen wehren? Je spezifischer wir den Anlass für unsere Unzufriedenheit benennen können, desto besser können wir etwas daran ändern und desto weniger müssen wir die Unzufriedenheit auf andere Bereiche ausweiten.

Sich distanzieren. Sobald uns klar ist, was genau es eigentlich ist, das uns stört, können wir überlegen, wie wir dagegen vorgehen. Für mich war zum Beispiel nach einer gewissen Zeit vollkommen klar, dass das einzige, was mich in beruflicher Hinsicht zufriedener machen würde, ein anderer Job sein würde. Ich sah einfach keine Möglichkeit, mich mit der Arbeit, die ich hatte, anzufreunden. Sie widerstrebte mir, einfach alles daran. Nicht die Kollegen, aber die Tätigkeiten, die ich auszuüben hatte und die Strukturen, in denen ich mich befand. Mitunter ist es gar nicht so leicht, in einer Situation zu stecken, die man ändern möchte, die man aber nicht von heute auf morgen ändern kann. Meine Strategie bestand also darin, mich innerlich immer weiter zu distanzieren. Ich habe mich von meiner Arbeit entfernt, ich habe mich nicht mehr damit identifiziert. Wie genau ich das gemacht habe ist schwer zu beschreiben. Ich habe einfach so getan, als würde mich das alles nicht wirklich etwas angehen. Ich habe weiter meine Arbeit erledigt, mich an die Regeln gehalten und alles gut erledigt, aber ich war nicht mit dem Herzen dabei und ich habe mich nicht ins Zeug gelegt. Indem ich mich innerlich von der Arbeit entfernt habe, hat die negative Stimmung nachgelassen und ich war in der Lage, mir nicht alles davon vermiesen zu lassen, solange ich eben noch in dieser Situation verbleiben musste.

Positiv bleiben. Es klingt immer so leicht: Positiv denken. Alles Einstellungssache! Aber ernsthaft: schonmal versucht? Wir haben immer die Wahl, wie wir eine Sache betrachten. Natürlich können wir alles von der negativen Seite sehen, wir können uns das Schlimmste ausmalen, den absoluten Super GAU, wir können das, was uns missfällt oder uns schlechte Laune macht immer und immer wieder durchkauen und uns vor Augen führen, wie ungerecht, wie unangenehm, wie traurig oder wie empörend etwas ist. Fakt ist, dass sich dadurch weder etwas ändert, noch unsere Laune in irgendeiner Weise besser wird. Positiv zu denken und zu versuchen, auch in schlimmen Situationen noch das Beste zu sehen, ist kein Allheilmittel. Aber es kann doch helfen, einmal eine andere Perspektive einzunehmen. Sich nicht auf das Schlechte zu konzentrieren, sondern auf das Gute, auf die Möglichkeiten, die sich uns auftun, oder auf das, was wir aus einer Situation lernen können.

Das Leben hat viele Facetten und so bleibt auch immer noch die Option, wenn es in einem Bereich mal nicht so gut läuft, sich eben mehr auf die anderen Bereiche zu konzentrieren, dort Kraft zu schöpfen und Freude zu finden, und sich davon tragen zu lassen. Es gibt Wege aus der Unzufriedenheit. Wir müssen sie nur gehen.

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