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Tag der Arbeit

ArbeitHeute ist ja der Tag der Arbeit und da dachte ich, ich mache mir mal ein paar Gedanken zu dem Thema. Was ist eigentlich Arbeit? Worfür machen wir den ganzen Sch***? Wer hat’s erfunden? Sowas eben.

Also was ist das eigentlich, Arbeit? Ich habe mal Wikipedia bemüht und da werden 11 verschiedene Kategorien von Arbeit aufgeführt. Wenn man mal die physikalische Arbeit, die Klassenarbeit (in der Schule) und die wissenschaftliche Arbeit außen vor lässt, dann lautet der gemeinsame Nenner: Arbeit nennt man es, wenn ein Mensch einer Tätigkeit nachgeht, dafür Geld bekommt und Kapital erwirtschaftet, für sich und für die Gesellschaft. Je nachdem, ob wir uns dem Thema von einem philosophischen oder betriebswirtschaftlichen Ansatz nähern, stehen eher die Schöpfungskraft und Eigenverantwortung, oder eben die Plan- und Zweckmäßigkeit im Vordergrund.

Seit wann arbeitet der Mensch? Dazu habe ich keine verlässlichen Quellen gefunden, aber aufbauend auf meinem persönlichen historischen Kenntnisstand würde ich mal sagen – mehr oder weniger seit es die Zivilisation gibt. Es kommt natürlich drauf an, wie man Arbeit definiert. Wenn man das Jagen der Höhlenmänner als „zur Arbeit gehen“ auslegt, dann arbeitet der Mensch schon vor den Zeiten der Sesshaftigkeit. Und die Höhlenfrauen haben bestimmt auch Haushaltsarbeiten gemacht. Denkt man an die Sklavenhaltung, dann war „Arbeit“ in den antiken Hochkulturen etwas für das niedere Volk, die oberen Zehntausend haben sich dem Müßiggang und der geistigen Arbeit hingegeben.

Heute ist das anders. Auch diejenigen, die das große Geld scheffeln, gehen in aller Regel arbeiten. Sie verdienen Millionen, indem sie mit Milliarden Monopoly spielen. Aber auch heute noch geht das nur, weil es irgendwo weiter unten die kleinen Arbeiter gibt.

Warum machen wir das alles? Die offensichtliche Antwort auf diese Frage ist: Überlebenssicherung. Wir arbeiten, um Geld zu verdienen, und wir verdienen Geld, weil wir das brauchen, um Essen und Kleidung zu kaufen und Miete zu zahlen. Natürlich ist das längst nicht alles, was wir wollen. Wir wollen schick sein, hip rüberkommen, jedes Outfit, jede Ecke in der Wohnung „instagarm-worthy“, wir wollen Öko, Bio, das aber am anderen Ende der Welt zu uns nehmen.

Und wir wollen Sinn. Mehr noch, wir wollen uns selbst zum Sinn unserer Arbeit erheben, weil wir eine Berufung haben, der wir nachgehen, klar, unser Start-up wird die Welt verändern, aber es wird in erster Linie auch geil aussehen im Lebenslauf. Wir arbeiten nicht nur fürs Geld, wir arbeiten fürs Gefühl, für das ultimative Gefühl, alles erreichen zu können, alles möglich zu machen.

Auch, wenn ich sarkastisch klingen mag – ich selbst will das alles auch. Keine Frage. Ich will eine schicke Wohnung, tolle Reisen, finanziert von einem Job, der mir unheimlich viel Spaß macht, mich erfüllt, sich nicht nach „Arbeit“ anfühlt, sondern nach Freizeit, nach Selbstverwirklichung.

Und gleichzeitig bin ich mir der Absurdität all dessen bewusst. Wohin soll das führen? Was ist das nächste Große, Schnelle, Weite? Vor allem ist mir klar, dass auch wir, in unserer stylischen Welt mit dem Bio-Fair-Trade-Kaffee, mit den nachhaltigen Bambus-Bechern, mit dem Ökostrom, auch unser Leben basiert auf Ausbeutung. Und gleichzeitig sind wir, viele von uns, die Ausgebeuteten derjenigen, die über uns stehen. Unser Chef fährt nicht zuletzt deshalb Porsche, weil wir uns im Job so geil fühlen und uns den Arsch aufreißen.

Ist das jetzt win-win?

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