Alltag · Leben

Pinterest und der moderne Mensch

„Sie interessieren sich für Babykleidung?“ „Ihnen gefällt ‚Schlafzimmer‘?“ Diese Art von Push-Nachrichten erhalte ich im Moment häufiger von Pinterest. Die Botschaft ist eindeutig: weibliche Person in den späten Zwanzigern = Hauptinteressen im Bereich Nestbau.

Nö. Falsch algorithmiert, Pinterest, ich interessiere mich nicht für „Babykleidung“ und ich habe nicht mal ein richtiges Schlafzimmer, ich wohne nämlich in einer WG und da habe ich einfach ein „Zimmer“, dem keine bestimmte Funktion zugeordnet ist. Es ist einfach „mein Zimmer“.

Natürlich weiß ich, dass mir diese Themenkomplexe vorgeschlagen werden, weil andere Menschen, die in die gleiche Kategorie fallen wie ich, sich dafür interessieren. Wahrscheinlich viele von denen. Und das ist ja auch schön. Aber wie haben meine Lehrer immer so schön gesagt: Wenn alle von der Brücke springen, springste dann auch?

Nein, damit will ich nicht sagen, dass Kinderkriegen, Babykleider kaufen oder sein Schlafzimmer nett herrichten gleichzusetzen sind mit von der Brücke springen.

Ich will nur nicht in so einen Einheitbrei eingekocht werden. Warum denn auch? Wenn schon Vorschläge und Push-Nachrichten, dann doch bitte wenigstens zu Dingen, die ich mal gepinnt oder gesucht habe. Diese ewige Gleichmacherei nervt einfach irgendwie.

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Hab mein Essen heute gegessen, statt fotografiert. #ups

Wenn ich solche Nachrichten bekomme, dann schreit das ja geradezu, dass es jetzt wohl „angeraten“ oder „passend“ wäre, wenn ich mich langsam an Hochzeitsplanung und Reproduktion dran machen würde. Wäre mal langsam Zeit, die Anderen machen das ja auch alle. Also hopp hopp, du willst doch keinen Trend verpassen. Nächste Pinnwand: Kinderzimmereinrichtung.

Überhaupt finde ich, dass Pinterest und Instagram ja so eine Sache sind. Auf einmal leben alle so, dass es sich möglichst geil posten lässt. Das Eis wird so lange aus allen möglichen Winkeln abgelichtet, bis es schon halb geschmozen ist und einem über den Handrücken davon läuft. Geradewegs auf die schöne weiße Jeans tropft der ganze Schmodder. Puh, wenigstens hat man das #Outfitoftheday schon abgelichtet.

Ich selbst mag auch total gerne Instagram und auch Pinterest kann ich etwas abgewinnen. Aber ehrlich mal, das ist ja nicht das reale Leben, das da gezeigt wird. Nicht der Alltag. Es sind gut ausgeleuchtete und inszenierte Fotos, die etwas besonders Sehenswertes zeigen. Ich glaube, viele vergessen das gerne mal und dann entstehen Minderwertigkeitskomplexe und Unzulänglichkeitsgefühle, weil das eigene Leben nicht so klasse ist, wie das der Instagrammer.

Wie wäre es mal mit etwas mehr Ehrlichkeit auf Social Media?

Wie „instagram-worthy“ war dein Tag heute so? Schreib es in die Kommentare!

 

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