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Feminismus im Film – nicht

Vor Kurzem habe ich den Film Der perfekte Ex auf Prosieben gesehen. Der Originaltitel des Films lautet „What’s Your Number“. Eigentlich eine Katastrophe, dass solche Filme überhaupt noch gezeigt werden. Man muss sich das mal klar machen. Der Film kam 2011 raus, also vor fünf Jahren. Wie unglaublich alt aber die Rollenklischees sind, die da bedient werden. Bis auf einige kleine Abwandlungen hätte das auch ein Film von 1950 sein können.

Aber kurz zur Story, damit klar wird, was mir eigentlich so gegen den Strich geht. Die zentrale Figur ist Ally, schätzungsweise Ende 20 und mal wieder Single. Ihre jüngere Schwester wird heiraten und Ally will das eigentlich auch, blöd nur, dass laut einer Studie die Chancen auf Heirat für Frauen, die schon mehr als 20 Sexualpartner hatten, rapide sinken. Das will Ally also auf jeden Fall vermeiden und da sie nun gerade bei genau 20 angelangt ist, heuert sie ihren Nachbarn an, um ihr zu helfen, ihre bisherigen Exfreunde ausfindig zu machen um zu sehen, ob da nicht doch die große Liebe dabei war.

Während des Films fallen dann solche Sätze wie „Ich bin eben ein Flittchen, das schon mit 20 Männern Sex hatte“ oder „Haha, du hattest doch noch keine 20 Männer, das wäre ja eklig“. Letzteres sagt einer der potenziellen Kandidaten, und zwar derjenige, der am Ende um ein Haar „Der perfekte Ex“ ist.

Natürlich kommt Ally – Achtung Spoiler – am Ende mit dem schnuckeligen Nachbarn zusammen, der sogar schon über 300 Partnerinnen hatte. Naja, für Männer gilt die Statistik ja auch nicht. Und der Film endet mit einer Bandansage eines Verflossenen, der Ally informiert, dass die beiden gar keinen Sex hatten, weil sie dafür zu betrunken war. Und Ally, die gerade knutschend mit dem Nachbarn im Bett liegt, springt auf und hüpft jubelnd auf dem Bett herum. „Du bist meine Nummer 20!“. Hurra. Auch der Nachbar freut sich. Alles gut also.

Und ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Klar, der Film war zwischendurch ganz unterhaltsam, banal eben, aber kann man schon mal schauen. Aber diese Message! Ich kann einfach nicht glauben, dass so etwas heute noch ein Thema ist. Auf die Frage, warum es ihr denn so wichtig sei, wie viele Männer sie schon hatte, sagt Ally: Weil es den Männern wichtig ist.

Ist das wirklich so? Das würde mich echt mal interessieren. Fragen Männer heutzutage tatsächlich nach, wie viele Sexpartner eine Frau schon hatte, und ziehen eine Obergrenze bei 20? Oder schon bei 10? Oder bei 50? Und umgekehrt? Ist ein Mann weniger attraktiv, weil er schon viele Partnerinnen hatte, oder ist das eher was Gutes? Puh, ich mag dich zwar, aber 35 Partner*innen ist mir echt zu viel. Sorry, mach’s gut.

Irgendwie kann ich nicht fassen, dass so eine Message heutzutage noch in einem Film rübergebracht wird. Das oberste Ziel einer Frau ist es, einen Mann zu finden und zu heiraten und dafür muss sie alles in ihrer Macht stehende tun. Sie muss so sein, wie ein Mann sie haben will. Oder wie sie glaubt, dass ein Mann sie haben will. Kein anständiger Typ würde sie mit ihren 20 Verflossenen nehmen, nur der arbeitslose Musiker, der selbst über 300 Frauen klargemacht hat, der hat damit kein Problem.

Ätzend. Ein anderes Wort fällt mir dazu nicht ein. Und ich möchte nicht in einer Welt leben, in der junge Mädchen so etwas sehen und das glauben. Dass sie so sein müssen, wie Männer sie haben wollen. Dass Sex etwas Schlechtes ist, dass man dadurch in einer Weise verdorben wird, die zwar von außen nicht sichtbar ist, aber die einem das Leben zerstören kann.

An einer Stelle steht Ally, die nicht nur Single ist, sondern auch arbeitslos, vor der Wahl, einem Ex aufzulauern, oder zu einem Bewerbungsgespräch zu gehen. Es wird zwar nicht gezeigt, ob sie bei dem Gespräch war, wohl aber, wie sie dem Typen auflauert. Fazit: potenzieller Ehemann ist wichtiger, als die eigene Karriere. Sie gibt außerdem ihre letzten Ersparnisse aus, um nach Miami zu einem Ex zu fliegen, der dort als Gynäkologe praktiziert, und der sie erst erkennt, als er ihre Vagina sieht.

Man kann also sagen, Ally hat ihre Prioritäten gesetzt. Klar, wenn sie den perfekten Mann gefunden hat, dann muss sie ja auch nicht mehr arbeiten.

Offen gestanden kann ich gar nicht in Worte fassen, auf wie vielen Ebenen dieser Film falsch ist, jedenfalls in meinen Augen. Natürlich kann man abstrahieren und die Sache einfach als das sehen, was sie ist, nämlich ein dämlicher Unterhaltungsfilm. Aber trotzdem. Diese Filme sind immer auch ein Spiegel der Gesellschaft. In diesem Fall natürlich der amerikanischen Gesellschaft, und ich hoffe sehr, dass ein solcher Film von einem deutschen Team nicht in dieser Art gemacht worden wäre, weil wir hier ein bisschen offener sind. Dennoch ist der Einfluss der amerikanischen Kultur auf uns nicht wegzudiskutieren und somit finde ich solche Botschaften in einem Film durchaus relevant.

Wie sind eure Erfahrungen denn so mit diesem Thema? Spielt das eine Rolle bei der Partnerwahl? Wollen Männer wirklich eine Frau, die mit möglichst wenigen Männern vorher Sex hatte? Schreibt es in die Kommentare.

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11 Kommentare zu „Feminismus im Film – nicht

  1. Tatsächlich meine ich festgestellt zu haben, dass, sobald die Männer ein schlampiges Bild von mir hatten, sich darüber im Klaren waren, dass ich keine Frau für eine Beziehung sein könnte. Dabei bin ich von 20 weit entfernt und bin es zum damaligen Zeitpunkt ganz sicher gewesen.
    Aber ich habe gerne geküsst und daraus keinen Hehl gemacht. Und irgendwie wurde dann vom Küssen auf den Sex geschlossen und dann musste ich ja ein Flittchen sein. Und eine Beziehung war mit so einer dann nicht möglich. Die Männer, die mich nur küssten und das Herz klauten, sind dann immer bei den eher langweiligen Mädels gelandet, die Gefühle zum Knutschen brauchten.
    Ob es mittlerweile anders ist? Keine Ahnung. Aber vor ein paar Tagen habe ich noch drüber nachgedacht, dass deswegen wahrscheinlich aus Tinderdates oft so wenig wird: Da nehmen die Typen an, dass sie bei weitem nicht die einzigen sind und waren und deswegen kann es nicht viel geben. (Aber hier kann ich mich täuschen, weil ich nun schon seit Jahren in einer Beziehung bin. Und mit dem habe ich nie über irgendeine Anzahl gesprochen.)

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    1. Dann ist deine Erfahrung ja mit dem Film schon ähnlich, oder? Also dass man als Frau, die „zu viele“ Partner hatte, als Beziehungsmaterial nicht mehr so viel taugt.
      Ich glaube aber auch, wenn jemand dann ernsthaft interessiert ist, wie dein Partner zB, es keine allzu große Rolle mehr spielt, wer wie viel Erfahrung hat.

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      1. Ja, die eigene Erfahrung ist ähnlich. Mittlerweile aber über zehn Jahre her. Schon vor meinem Freund habe ich keine Zahlen mehr genannt. Und die kennengelernten Typen wollten dann meist Beziehungen mit mir, was das auch stützen würd.

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  2. Heutzutage doch relativ egal. Und wenn einem die eigene Zahl zu hoch ist gibt s ja ein einfaches mittel: man sagt schlicht eine niedrigere.

    Natürlich kam eine hohe Zahl -bei beiden Geschlechtern- auch durchaus etwas über den Charakter aussagen. Wenn zb er viele Frauen hatte kann es teil seines Charakters sein Abwechslung und die Aufregung des flirtens zu brauchen und man die Gefahr ist vorhanden, dass er das auch in einer Beziehung braucht. Ähnliche Schlüsse wird man vielleicht auch bei ihr schießen können: hat sie vielleicht ein schwaches Selbstvertrauen und braucht die Bestätigung durch Männer?

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    1. Das ist ja auch so ein Vorurteil gegenüber Männern – die sind dann schnell die Player, die es mit Keiner ernst meinen.
      Das mit der Bestätigung ist sicher eine Typfrage, aber bei manchen Leuten sicher auch nicht zu unterschätzen.
      Interessant finde ich den Ansatz, einfach zu lügen was die Zahl der Verflossenen betrifft. Kann man natürlich machen, aber damit umgeht man das Problem letztlich nur. Und wenn ich wüsste, dass ich einen Partner habe, der eigentlich fände, dass ich eine Schlampe bin, aber der eben nicht über die Tatsachen Bescheid weiß, würde mich das auch nicht sehr happy machen

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      1. Ich wollte damit nur sagen, dass die Anzahl der Partner tatsächlich auch ein Indiz sein kann, dass bestimmte evtl negative Eigenschaften vorliegen können, wenn auch nicht müssen.

        Evtl umgeht man also gar nicht die Frage, in man „anständig“ ist, sondern andere fragen.

        Natürlich kommt man heute auch schnell auf zahlen ohne das es problematisch sein muss – zB in singlejjahren mit 2 bis 3 Partnern pro Jahr, was ja nun noch nicht einmal schlampig sein muss

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  3. Ich fange meine Antwort an einem ungefragten Punkt an: Neulich war ich mit meiner Mitbewohnerin im Kino. Der Film nannte sich „Sky – Der Himmel in mir“ und ist eine französisch-deutsche Produktion. Um es vorweg zu nehmen, wir blieben nicht bis zum Ende, weil platte Charaktere es unmöglich machten. Rollenclichés inklusive, man muss dafür also keinen amerikanischen Film heraussuchen.

    Nun zu deiner Frage ob es relevant ist, mit wie vielen Männern eine Frau geschlafen haben sollte: Das ist mir vollkommen egal. Unter meinen Auserwählten befand sich eine, die anschaffen ging und damit dürfte sich die Frage nach der Zahl der Sexualpartner erledigt haben. Ich habe aber noch nie eine Frau gefragt, mit wie vielen Menschen sie Sex hatte, wenngleich ich das von Frauen schon gefragt wurde und ich es als sehr merkwürdige Frage empfand. Ich bin mir nicht sicher, ob die Frage gestellt wurde, weil ich abgrundtief schlecht im Bett war oder weil sie womöglich darüber reden wollten, wie es bei ihnen war oder was genau der Hintergrund dazu war. Ich werde diese Gegenfrage beim nächsten Mal anbringen, wenn mir ich gefragt werden sollte.

    Ich muss gestehen, dass ich mich eher schwer damit tue, wenn eine Frau noch nicht so viele Erfahrungen gemacht hat. Das hat aber weniger mit dem Sex an sich zu tun, sondern eher damit, dass ich wohl Angst davor habe, zu schnell zu wichtig für die Person zu sein. Das Problem des Klammerns also.

    Dies ist nun die Aussage von mir. Ich bin ein Individuum und zufälligerweise ein Mann, ob ich somit für die gesamte Männerwelt spreche, bezweifle ich. 😉

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    1. Das finde ich ja echt interessant mit dem Klammern. Das sind ja dann quasi positive Vorurteile, die du gegenüber Frauen mit „viel Erfahrung“ hast. Und umgekehrt bedeutet es, dass Frauen, die noch nicht mit vielen Männern Sex hatten, mehr zum Klammern neigen, also generell weniger eigenständig sind? Und die Frauen mit mehr bisherigen Partnern können dann Sex und Gefühle besser trennen? Damit sind wir ja schon fast wieder am gleichen Punkt, nur eben, dass das aus deiner Sicht etwas Positives ist. Andersrum könnte man das auch sehen, nämlich, dass man schon abgestumpft ist und nicht mehr „beziehungsfähig“. Das ist ja auch schon fast ein Trend, dass Menschen sich als nicht beziehungsfähig beschreiben. Ich glaube nicht daran, weil ich denke, dass der Mensch einfach als Familientier angelegt ist und diese Beziehungsunfähigkeit vor allem aus schlechten Erfahrungen und/oder Angst vor Verletzung herrührt. Aber das ist ein anderes Thema 🙂
      Ich finde deinen Ansatz jedenfall spannend. So ganz egal ist dann die Frage nach der Anzahl ja auch nicht. Machst du da einen Unterschied, je nachdem ob es um eine potenzielle längerfristige Partnerschaft oder eher eine kurze Affäre geht?

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      1. Klammern hat nicht unbedingt etwas damit zu tun, ob man viele Sexualpartner hatte oder nicht, ich habe das zwar durchaus so geschrieben, aber ganz so simpel ist es nicht. Es ist nur ein eigener Erklärungsansatz, warum ich mich da wohler fühle. Aber wie gesagt, das Klammern hat nicht unbedingt etwas mit der Anzahl der Sexualpartner zu tun.

        Klammern oder das Gegenstück, des sich gar nicht binden wollens (oder könnens) sind interessante Aspekte, über die ich mir schon mehrfach den Kopf zerbrochen habe. Ich habe selbst schon geklammert und ich habe mir selbst schon eine Beziehungsunfähig attestiert. Schlussendlich bin ich zu einem simplen Ergebnis gekommen: Ich wollte nur ganz selten ernsthaft eine Beziehung eingehen. Es war meistens eher der Reiz oder die Verlockung und entweder wurde dieser Reiz gestillt, dann konnte es zum Lösen kommen oder es erhielt sich der Reiz, dann kam es zum Klammern.

        Ich denke, dass viele Menschen statt einer Partnerschaft nur nach sich selbst und nach dem eigenen Glück suchen und da wir von klein auf gelernt haben, dass zu einem guten Ende ein Partner gehört, versuchen wir die Suche nach dem Glück schon damit zu beginnen. Das ist aber der Fehler, denn zu allererst muss man sich selbst finden und dann finden sich meist ganz automatisch zwei Menschen, so war es bei mir zumindest immer. Wenn ich mit mir zufrieden war, begannen gute Beziehung, die ohne Klammern oder Freiheitsdrang. Beziehungen auf Augenhöhe. Die Anzahl der Sexualpartner war dabei nie relevant und wird es auch nie sein. Ich merke aber, dass ich meist auf Abstand gehe, wenn mir eine Frau beichtet, dass sie wenige Sexualpartner hatte oder Jungfrau ist (was mir bisher aber auch nur selten so direkt gesagt wurde). Bei einer Affäre würde ich also eher eine erfahrene Partnerin bevorzugen, wobei ich danach nicht suche. Nicht mehr oder zumindest momentan nicht vorstellbar. Momentan möchte ich eher wieder zu mir selbst finden, wenngleich ich gestehen muss, dass mir gestern ein Mädel den Kopf verdreht hat. Heute morgen dämmerte es mir dann aber auch, dass wir nur wenige Sätze miteinander gesprochen haben (war zeitlich auch kaum anders möglich) und dass es deswegen eine sehr oberflächliche Geschichte ist. Genau das möchte ich ja ausschließen, denn es macht mich nicht glücklich.

        Zum Thema des Trennens zwischen Sex und Gefühlen habe ich verschiedene Ansichten, deswegen hab ich das mal ausgeklammert.

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      2. Stimmt absolut, das mit dem puren Glück, das es nur zu zweit geben soll, wird einem total eingeimpft. Und ja, wie Mario Götze gerade so schön sagte, mal bist du der Hund, mal bist du der Baum. Gilt wohl auch fürs Thema Klammern und Beziehungen 😀

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  4. mir fällt spontan nur ein fazit ein: dreckskacke aus dem land der vortäuscher, einer kultur die völlig verkommen ist, aber die welt retten als mindestanspruch hat. ich gebe auf so etwas keinen pfifferling. und wer auf so etwas reinfällt produziert leider auch für die wachsamen ein problem, er ist teil der breiter werdenden strömung in eben genau diese kultur hinein. insofern sollte man so etwas eher nicht zeigen, ob es hier genauso ist, kann ich nicht sagen, meine zahl ist 5 ;-), ein limit beim anderen würde ich niemals hinterfragen.

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