Allgemein · Leben · Lebensfreude

Wieso, weshalb, warum? Und dann – wohin?

CYMERA_20140316_154752Vor Kurzem habe ich einen Vortrag von einem Coach gehört, ich habe ihren Namen vergessen. Ich frage mich übrigens immer, wie der richtige Ausdruck für einen weiblichen Coach ist, jemand ne Idee? Wie dem auch sei.

Sie sprach über Werte, wie wichtig es ist, dass man sich seiner eigenen Werte bewusst ist. Und dass sie schon in einem drin stecken, weil man sie als Kind gelernt und vorgelebt bekommen hat und weil sie quasi intuitiv sind. Einerseits sind sie also gelernt, andererseits sind sie etwas, das man sich nicht wirklich aussucht, eine Art Kompass, der einen lenkt.

Obwohl ich schon glaube, dass man Werte, die man von zuhause mitbekommen hat, auch ablegen kann bzw. das im Rahmen des Erwachsenwerdens fast zwangsläufig tut. Man bildet dann so einen Mix aus den Werten, die man von früher in sich trägt und denen, die man sich selbst angeeignet hat, in die man sozusagen reingewachsen ist.

Dieser Prozess ist wichtig, man hinterfragt das Gelernte, man setzt sich damit auseinander, aber auch, wenn man sich von gewissen Werten oder Traditionen verabschiedet, hat man doch ein gewisses Verständnis für sie. Und das hilft wiederum, sich in andere Menschen hinein zu versetzen. Meiner Meinung nach ist das eine Gabe, die viel mehr gefördert werden sollte. Empathie und Verständnis. Welch wunderbare Worte und welch noch viel schönere Zustände.

Werte sind auch wichtig, weil sie grundlegend und langfristig sind. Sie sind die Basis unserer Prioritäten. Und das mit den Prioritäten ist gar nicht so einfach, wie ich finde. Was ist mir denn wirklich wichtig? Karriere oder Familie? Haus oder Auto? Reisen oder Bleiben? Wenn man weiß, dass die Familie für einen an erster Stelle steht, dann wundert man sich nicht mehr, dass man im Urlaub immer Heimweh hat, oder dass der Umzug in eine neue Stadt so schwer gefallen ist. Und hätte man das vorher gewusst, ja, dann wäre man vielleicht gar nicht erst umgezogen.

Oder vielleicht doch, aber mit dem Wissen, dass es einem möglicherweise etwas schwerer fällt, von der Familie getrennt zu sein, als anderen Menschen. Und, dass das völlig ok so ist.

War früher alles einfacher?

Manchmal habe ich das Gefühl, dass das Leben für meine Eltern irgendwie einfacher war. Meine Familie lebt in einem Dorf, da waren die Wege kurz, die Reichweiten nicht so groß, das Leben auf eine gewisse Art vorgezeichnet. Ausbildung, Heirat, eigene Kinder, Hausbau. Es war mehr oder weniger klar, wo die Reise hingeht. Die Rollen eindeutig verteilt, frau kümmert sich um die Familie, mann schafft das Geld ran. Wenn die Kinder „aus dem Gröbsten raus“ sind, dann gibt es evtl. eine Teilzeitstelle für die Frau. Dann kommen Enkel und die Rente.

Für mich klingt das auf den ersten Blick ziemlich langweilig, aber aus Erfahrung weiß ich, meine Eltern langweilen sich nicht. Es ist immer was zu tun oder was los. Ich habe das Gefühl, je älter man wird, desto mehr ist los, ehrlich. Dabei liege ich heute viel öfter am Samstag um 23 Uhr im Bett, als noch vor zehn Jahren (damals nämlich nie).

Ich schweife ab, was. Worauf ich hinauswill ist, früher war so ein Lebensweg vorgezeichnet, auf die eine oder andere Art lief es für jeden gleich und man war sich einig, wer was zu tun hatte. Heute haben wir ungleich viel mehr Möglichkeiten, mehr Chancen, aber auch mehr Input. Oh, all der Input. Und das kann zu Unsicherheiten führen. Mehr ist nicht unbedingt immer besser.

Um keinen Preis möchte ich die Zeit tauschen, in der ich lebe, denn ich liebe die Freiheiten, die sie bietet. Um sich durch die offenen Wasser der Lebens zu bewegen, ist so ein Wertekompass aber sicherlich nicht schlecht. Wenn man weiß, was einem im Leben unabdingbar ist, worauf man nie und nimmer verzichten möchte oder worauf man aus vollem Herzen stolz ist, dann hat man schon einiges an Klarheit gewonnen. Denn auf dieses Wissen kann man sich stützen, wenn man sich entscheiden muss. Wenn das Leben eine neue Wendung nimmt, tut es in den Wirren alles Neuen manchmal auch gut, sich auf das Konstante zu besinnen. Und sich davon leiten zu lassen, statt immer mit dem Strom zu schwimmen.

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