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Marry me, marry me…

Gefunden auf pixabay.com
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Vor ein paar Tagen habe ich auf jetzt.de diesen sehr interessanten Artikel zum Thema Heiraten gefunden. Für mich trifft er ganz gut den Kern.

Ich kenne viele tolle starke unabhängige  und super ausgebildete Frauen, die in einer gleichberechtigten Beziehung leben, beim Thema Hochzeit plötzlich aber zu einer Mischung aus einer dreijährigen mit Prinzessinnensyndrom und ihrer eigenen Urgroßmutter werden. Da fallen auf einmal Sätze wie “Ja natürlich möchte ich heiraten, aber nicht ohne ordentlichen Antrag, da soll der sich mal ins Zeug legen!

Da fragt man sich manchmal schon, worum es beim Heiraten eigentlich geht. Um die Party? Darum, sich selbst und die geteilte Liebe zu feiern? Meistens geht es jedenfalls irgendwie nicht um die Ehe.

Wenn man als Frau sagt, dass man einen Antrag mit Kniefall überzogen und unangenehm fände, oder dass man sich nicht wünscht, im langen weißen Kleid mit Schleppe und Schleier auf den Altar zuzuschreiten, oder dass man nicht unbedingt einen dicken Verlobungsring möchte, dann wird man eher schräg angeschaut. Herzlose, unromantische Emanze, einfach keinen Sinn für die Liebe. Seufz.

Im Gegenteil. Ich finde Heiraten wirklich was total Krasses. Dass zwei Menschen sich so gern mögen, dass sie ernsthaft für immer zusammen bleiben möchten, durch Dick und Dünn gehen, in guten wie in schweren Tagen, dass sie sich aus tiefstem Herzen lieben und daran glauben, das für den Rest ihres Lebens zu tun und bereit sind, dafür zu kämpfen, das ist doch großartig. Wirklich absolut großartig und total wert, es zu feiern und mit allen zu teilen, die man liebt.

Ich stelle auch nicht gleich das ganze Konzept der Ehe infrage, auch wenn es für mich nicht das nonplusultra ist. Und schon gar nicht, solange es nicht für alle sich liebenden Menschen gleichermaßen zugänglich ist. Die Ehe hat sich für den Menschen über Jahrtausende bewährt und wahrscheinlich wird sie uns noch eine Weile erhalten bleiben.

Was ich nicht verstehe ist, warum es so oft nicht genug ist, dass man jemanden gefunden hat, den man liebt, der einen auch liebt, und mit dem man sich eine Zukunft teilen möchte. Warum das teure Kleid, die Kutsche, die weißen Tauben, die kirchliche Trauung, obwohl man seit Jahrzehnten keine Kirche mehr von innen gesehen hat?

Eine Freundin hat mir mal gesagt, es geht ja eher um die Bilder. Ich glaube nicht, dass sie damit die schönen Hochzeitsfotos meinte. Sondern die Bilder im Kopf. Der Traum in weiß, die große schicke Feier, die zusammenpassenden Kleider der besten Freundinnen aka Brautjungfern. Der geworfene Blumenstrauß, das Einschreiten am Arm des Vaters. Ja, diese Bilder, die wir eben so kennen. Und die scheinbar wichtiger sind, als das, was wir sind.

Denn fast alle haben die selben Bilder im Kopf, was soviel heißt wie, fast jede Hochzeit läuft nach dem gleichen Muster ab, sieht irgendwie gleich aus, hört sich gleich an. Ok, das gleich anhören muss irgendwie sein, denn ein „nein, doch nicht“ möchte dann im entscheidenden Moment auch niemand hören.

Manchmal würde ich mir einfach wünschen, in dem ganzen Hochzeitsbrimborium das Brautpaar noch zu erkennen. Die Menschen, die sie im Alltag sind, wenn sie keine gemachten Haare, sondern die olle Jogginghose anhat, die er so doof findet, und er nicht den Anzug mit Weste trägt, sondern wieder den Dreitagebart, der beim Küssen immer so kratzt. Die Menschen, die sie sind, wenn sie sich einfach lieben, ganz ohne Rosen und Kniefälle und Tauben. Einfach sie selbst. Denn die haben sie schließlich auch geheiratet, und die werden eigentlich ja gefeiert.

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Ein Kommentar zu „Marry me, marry me…

  1. Das kann ich ganz und gar unterschreiben.
    Manchmal ist es (meistens der Frau) so wichtig, kirchlich zu heiraten, weil es dazugehört, obwohl sie so wirklich in irgendeiner Kirchengemeinde gar nicht zuhause ist – oder eben gar nicht mehr in die Kirche geht.
    Eigentlich ist die Eheschließung eine Sache zwischen zweien, die sich sicher sind, für immer zusammen zu bleiben. Zwischen zweien. Dass sie sich und ihre Liebe feiern wollen, ok, aber die Art und Weise, diese eingeschliffenen Rituale … Nicht meins.
    Mein Ex war bei uns der, der meinte, ohne kirchliche Trauung, sei es nicht richtig. Paradox. In die Kirche ging er nicht und glauben tat er auch nicht. Und als Kirche kam auch nur die in seinem Kaff in Betracht, weil sie von innen so hübsch sei. Worum ging es ihm?!

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