Alltag · Leben

Die Welt ist klein

street-art-599761_1280Zwei Kontinente, zwei Millionenstädte, zwei Männer. Eine Geschichte? Nicht ganz, aber doch sehr ähnlich kommen die beiden in die Jahre gekommenen Hipster Wang Zhousong und Günther Krabbenhöft über die Mattscheiben geflimmert.

Beide verbindet eine ähnliche Erfolgs-Story. Entdeckt von jungen Leuten, die sie, begeistert von dem „Fashion Sense“ der Herren, fotografierten, die Bilder ins Netz stellten, und naja, der Rest ist Social Media History.

Irgendwie ist es doch ulkig, dass es den lässigen Hipster Opa jetzt als globales Phänomen zu bestaunen gibt. Woher kommt wohl diese Faszination mit den älteren Herren? Ist das jetzt der Anfang vom Ende des Jugendwahns?

Wahrscheinlich darf man soweit nicht gehen. Trotzdem kann man es nur begrüßen, dass sich die Aufmerksamkeit wenigstens mal für einen klitzekleinen Moment weg bewegt von dünnen, knackärschigen Minderjährigen, die oben ohne Joghurt essen (oder so).

Ich weiß nicht, wann es angefangen hat, modern zu sein, sich als junger Mann zu kleiden wie der eigene Großvater. Oder dessen Großvater. Jedenfalls ziemlich klassisch, natürlich „with a twist“. Herrenausstatter überall im Land haben diesen Trend sicherlich zu begrüßen gewusst.

Aber was ist mit den Krabbenhöfts und Wangs dieser Welt, die sich schon immer bei besagten Herrenausstattern eingekleidet haben? Die müssen sich doch wundern über die ganzen jungen Kerls, die auf einmal genauso aussehen wollen, wie sie. Und noch mehr müssen die sich doch wundern, wenn dann so ein paar Jungspunde kommen, Fotos machen, und hellauf begeistert sind, wie cool die alten Herren aussehen. Von denen sie sich ihren Stil abgeschaut haben. Um die ältere Generation jetzt wieder für sich zu beanspruchen, nach dem Motto die sind einer von uns, ganz so, als ob die sich von den Jungen was abgeguckt hätten.

Wenn man die Berichte so liest, dann sieht es so aus, als ob der Herr Krabbenhöft die ganze Aufmerksamkeit nicht so schlecht findet und sich gerne an dem einen oder anderen „Projekt“ beteiligt. Wahrscheinlich hat er bereits eine Agentur und bessert seine Rente ganz hübsch auf. Es sei ihm gegönnt!

Gänsehirt Wang kommt da schon etwas bodenständiger daher, wenn sein Auftritt auch etwas Gestylter wirkt. Und wer weiß, vielleicht wartet auf ihn auch noch eine späte Karriere als Fashion Ikone und Gesicht der neuen Alten Chinas.

Dass sowohl in China, als auch in Deutschland die „Hipster Opis“ gerade hoch im Kurs stehen, zeigt doch auch mal wieder, wie klein die Welt ist. Trends sind heute nicht mehr regional begrenzt, sie breiten sich aus, und auch, wenn in China sicher niemand den Herrn Krabbenhöft kennt und in Deutschland niemand den Herrn Wang, so kennt man doch beiderorts das Phänomen.

Denn Menschen sind sich ähnlich, egal, auf welchem Kontinent. Sie nutzen Medien ähnlich, sie werden mit Trends konfrontiert und interpretieren sie ähnlich. Ein bisschen wie mit Religion, jedes Volk der Menschheitsgeschichte hat irgendeine Form der Religion entwickelt und damit Antworten auf die immer gleichen Fragen gesucht. Ich finde das irgendwie schön, denn es gibt mir das Gefühl, mit Menschen verbunden zu sein, obwohl sie am anderen Ende der Welt leben und ich sie wahrscheinlich niemals kennenlernen werde. Trotzdem sind wir alle eins.

Und ja, das ist die Message, die ich aus Krabbenhöft und Wang gezogen habe.

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