Allgemein · Leben · Lebensfreude

Harry Potter

book-1210029_1280Wir  haben  schon viel zusammen erlebt, Harry  und  ich. Zusammen  mit ihm habe  ich die Schrecken der Pubertät gemeistert, Rätsel gelöst  und gegen  die fiesesten Fabelwesen gekämpft, um  zuletzt dem dunkelsten aller Schrecken gegenüber zu treten – Lord Voldemort. Harry seinerseits hat mich durch die Höhen und Tiefen des Lebens begleitet, durch Trennungen und Liebeskummer, durchs Abitur und durchs Auslandssemester.

Wir sind dicke Freunde, Harry und ich. Man kann sich also meine Freude vorstellen, als ich herausfand, dass ich Harry nun nach vielen Jahren wiedersehen würde. Sein erwachsenes Ich, seine Familie kennenlernen und ein paar Abenteuer mit ihnen und ihren Freunden erleben.

Harry Potter und das verwunschene Kind. Nach so vielen Jahren, endlich doch noch einmal ein Wiedersehen.

Ich weiß nicht, wie es Harry damit ging, aber für mich war es ein bittersüßes Treffen. Wir alle haben alte Freunde, mit denen wir viel erlebt haben. Sie nach vielen Jahren wiederzusehen, in denen man sich vielleicht gar nicht, oder nur selten gesehen hat, ist manchmal komisch. Manchmal auch sehr schön. Wenn man Glück hat, kann man unumwunden an dem Punkt anknüpfen, an dem man aufgehört hatte. Aber das passiert nicht immer, auch nicht immer mit denselben Leuten.

Wir werden erwachsen, unaufhaltsam. Wir haben Jobs und Wohnungen, wir zahlen Miete und sparen für die Rente, wir haben Versicherungsberater und Autos. Einige haben sogar Ehepartner, Kinder, Immobilien.

Und wir haben unsere Vergangenheit, die untrennbar verknüpft ist, in der wir für immer zueinander gehören werden.

All das ging mir während der Lektüre durch den Kopf. Ich war betrübt für Harry. Denn auch er ist erwachsen geworden. Seine Welt ist nicht weniger erfüllt von Magie, aber weniger magisch. Wie die Erinnerungen und Bindungen mit alten Freunden ist sie verblasst. Überlagert von den Alltäglichkeiten des Erwachsenenlebens.

Dieses ganze Erwachsenwerden geht mir von Zeit zu Zeit wirklich gewaltig gegen den Strich. Ich weiß schon, dass das müßig ist, denn im Gegensatz zu Harry habe ich keinen Zeitumkehrer und wie ich gelernt habe, würde der mir auch nichts bringen. Man kann nicht zurückgehen. Das ist eine der Botschaften dieses Buchs. Es gibt kein Zurück und der Weg, den das Leben genommen hat, ist letztendlich der Richtige.

Trotzdem ich all das weiß, kann ich den Gedanken nicht gut ertragen, dass Harry, mein Harry, mit dem ich so viel durchgemacht habe, am Ende auch nur ein Erwachsener geworden ist. Ein Vater, ein Ehemann. Unperfekt, wie er es immer war.

Zum Glück bleiben mir die alten Geschichten erhalten und ich kann jederzeit bei ihm vorbeischauen. Wie er früher war. Und damit auch bei mir.

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Ein Kommentar zu „Harry Potter

  1. Schöner Text.
    Kann Harry Potter und das verwunschene Kind leider nicht ernst nehmen. Die Geschichte weicht so stark von den bisherigen Romanen in Logik und Charakteren ab, dass es mich stellenweise richtig aufgeregt hat.
    Wie J.K. Rowling dieses Theaterstück jemals mit einem grünen Licht beschenken konnte, ist mir unbegreiflich. Hätte sie es doch nur selbst geschrieben…

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