Alltag · Psychologie

Gefühle, Hormone und andere Kobolde

Wir fühlen uns nicht immer gleich.

Wir fühlen uns. Nicht immer gleich.

Wir fühlen uns nicht immer.

Wir fühlen.

Alles wahre Sätze. Im Alltag haben wir oft den Anspruch, zu funktionieren. Uns gut zu fühlen oder wenigstens okay. Wir wollen auf die Frage “na, wie geht’s?“ mit “ganz gut“ antworten können und das auch so meinen.

Wir wollen nicht plötzlich vom Schreibtisch aufstehen müssen, weil uns die Tränen kommen und in der Mittagspause kaum einen Bissen herunter bekommen, weil der Bauch schon voll zu sein scheint mit unseren Gefühlen.

Manchmal können wir aber nicht anders. Es gibt Zeiten, da reicht schon eine Kleinigkeit, um feuchte Augen zu bekommen, sich maßlos aufzuregen oder sich plötzlich winzig klein zu fühlen und am liebsten im nächstbesten Mauseloch verschwinden zu wollen.

Gerade bei uns Frauen* (das * ist hier inklusiv gemeint) hat es oft mit Hormonen zu tun. Mehr, als wir vielleicht wollen, beeinflussen Hormone unser Gefühlsleben und bestimmen, wie es uns geht. Sie geben uns Stärke und Schwäche gleichermaßen. Wir können das ablehnen, aber die Tatsache bleibt.

Zumindest, wenn wir keine Hormone zuführen, indem wir zum Beispiel die Verhütungspille einnehmen, dann wird der natürliche Hormonhaushalt nämlich beeinflusst und das hat auch oft den Effekt, dass es zu weniger ausgeprägten Stimmungsschwankungen kommt.

Manche Frauen* (und vielleicht auch ihr Umfeld) finden das gut. Man ist eben ausgeglichener und erlebt nicht so viele Höhen und Tiefen.

Aber unabhängig davon, ob es an Hormonen liegt, dass wir uns eben hin und wieder nicht ganz wie wir selbst fühlen. Unabhängig davon, welchem Geschlecht wir uns zuordnen – wieso wollen wir überhaupt immer gleich sein? Und wie soll das eigentlich genau funktionieren? Was erscheint daran so erstrebenswert?

Meine Erfahrung ist, dass ich mir einerseits selbst auf die Nerven gehe, wenn ich nicht gut drauf bin. Und andererseits befürchte, dass mich meine Umwelt bescheuert findet. Zu anstrengend, zu emotional, zu “high maintenance“. Das wiegt für mich viel schwerer. Ich will ja gemocht und geliebt werden, ich möchte gefallen und dazu gehören. Wer will schon die nervige Emotionale sein?

Wenn es mir aber manchmal nicht gelingt, mich “zusammenzureißen“ und ich eben die anstrengende Emotionale bin. Was dann? Meistens – gar nichts. Ich sage, dass ich einen schlechten Tag habe und werde verstanden. Weil wir das alle von uns kennen. Weil wir viel mehr dazu gehören wenn wir uns gegenseitig auch unsere Schwachstellen eingestehen. Wenn wir zugeben, dass nicht immer alles super ist.

Und plötzlich ist alles viel weniger schlimm. Dinge, die man ausspricht, verlieren ihren Schrecken und scheinen gleich weniger dramatisch.

Wir fühlen uns alle nicht immer gleich.

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