Mindfulness Tools

Mindfulness Tools: Stoppschilder

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Photo by Pixabay on Pexels.com

Gähn, das war ein langer Tag für Mimi Möhrchen. Wie von schweren Gewichten niedergedrückt liegt sie auf dem Sofa, fast unfähig sich zu rühren. Im Fernsehen läuft irgendeine Trash TV Show. Halbnackte Menschen, die im Fernsehen die große Liebe finden wollen. Das kann Mimi nicht mehr schocken. Ist wohl einfach Zeit fürs Bett, denkt Mimi. Sie steht auf, bringt den Abendessensteller in die Küche. Überlegt kurz, ob sie ihn noch abwaschen soll. Entscheidet sich dagegen und macht schnell wieder das Licht in der Küche aus. Langsam und schläfrig trottet Mimi ins Badezimmer. Mist, abschminken auch noch. Hätte sie das mal vor zwei Stunden gemacht. War ja klar, dass sie nicht mehr raus geht heute. Der Fernseher plärrt weiter im Hintergrund. Ein Jingle ertönt, Werbepause. Mit der Zahnbürste in der Hand geht Mimi noch einmal ins Wohnzimmer und zappt durch, bis sie bei einer pseudowissenschaftlichen Doku über Superwolkenkratzer landet. Sie putzt sich die Zähne, wäscht sich das Gesicht, zieht den Schlafanzug an und schlüpft in die Pantoffeln. Zurück im Wohnzimmer schaltet sie den Fernseher aus, nimmt ihr Handy zur Hand, öffnet Instagram und schlurft ins Schlafzimmer. Mit dem Instagram Feed beschäftigt setzt sie sich aufs Bett, streift gedankenverloren die Pantoffeln ab und schlüpft unter die Decke. Sie löscht das Licht und legt schließlich auch das Handy weg. Plözlich ist Mimi hellwach. Ihre Gedanken kreisen. Dieses Gespräch mit ihrer Kollegin heute lässt sie einfach nicht los. „Blöde Ziege“ flüstert sie vor sich hin und dreht sich missmutig auf die andere Seite.

Bist Du auch manchmal Mimi Möhrchen? Deine Gedanken kreisen, Du malst Dir immer wieder dieselben Szenen aus, lässt dieselben Situationen vor Deinem inneren Auge erstehen, kommst in dieselben emotionalen Strudel?

Genau für solche Momente sind mentale Stoppschilder gedacht. Sie können in allen möglichen Formen daherkommen. Du kannst Dir zum Beispiel ein tatsächliches Stoppschild vorstellen. Rot, eckig, weiße Schrift. Oder Du kannst an etwas denken, dass Dich glücklich macht. In Gedanken an Deinen Happy Place gehen.

Für mich funktionieren kurze Sätze als Stoppschilder ziemlich gut. Wenn ich zum Beispiel merke, dass ich mir sorgenvolle Gedanken um die Zukunft mache und völlig sinnlos auf meinem Gedankenkarussell mitfahre, dann stelle ich mir die Frage: „Gibt es ein Problem?“ Das heißt: gibt es genau hier, genau jetzt, in dieser konkreten Situation, in der ich mich in der Sekunde befinde, ein Problem? Meistens ist die Antwort nein, weil ich gerade in der Ubahn auf dem Weg zur Arbeit sitze oder im Supermarkt an der Kasse stehe. Und wenn ich dann für mich selbst festgestellt habe, dass es eigentlich gerade kein Problem gibt, dann geht es mir sofort besser. Denn um Probleme kann ich mich kümmern, wenn sie da sind. Und wenn ich ehrlich bin – die allermeisten Dramen, die ich mir schon ausgemalt habe, sind so nie eingetroffen.

Ein anderes gutes Mittel sind Affirmationen. Das sind Sätze, die Dich positiv bestärken. Gut ist, wenn Du Dir schon ein paar zurecht gelegt hast, auf die Du einfach in der akuten Situation zurückgreifen kannst. Dann musst Du gar nicht darüber nachdenken, sondern hast sie sofort parat. Das können Sätze sein wie z.B. „Ich bin genug“, „Ich schaffe das“, „Ich bin stark“ oder auch Schlagworte wie „Positive Energie“. Wichtig ist, dass die Worte sich für Dich gut anfühlen. Es sollte etwas sein, dass Du Dir selbst sagst, das Dich aufbaut und Dich daran erinnert, dass Du hinter Dir stehst.

Wenn Du angespannt bist und zum Beispiel eine Panikattacke hast oder das Gefühl, dass Du keine Luft bekommst oder Du nervös bist, können Atemübungen sehr gut helfen. Eine Übung, die 5-4-3-2-1 Übung, habe ich schon einmal ausführlicher hier beschrieben. Du kannst Dich aber auch ganz einfach auf Deinen Atem konzentrieren und ihn beobachten. In dem Moment, in dem Du Dich auf Deinen Atem konzentrierst, bist Du ein Stück weg aus Deinem Kopf und lenkst Deine Aufmerksamkeit auf einen anderen Punkt.

Wenn Du gerade zu Fuß unterwegs bist kann es auch helfen, Deine Aufmerksamkeit darauf zu lenken, was Du gerade an Deinen Fußsohlen spürst. Oder Du übst Dich darin, Dir in Gedanken zu erzählen, was Du um Dich herum wahrnimmst. Also zum Beispiel „Ich sehe ein rotes Auto. Ich höre seinen Motorenlärm. Ich spüre den Wind in meinen Haaren.“ Das Ziel dieser Übung ist es ebenfalls, Deine Aufmerksamkeit von Deinen Gedanken abzulenken. Wenn Deine Gedanken nicht mehr Deine Aufmerksamkeit für sich haben, dann verziehen sie sich schon von ganz alleine.

Die Stoppschilder dienen Dir dazu, Dich abzulenken und helfen Dir so, von Deinem Gedankenkarussell abzusteigen. Affirmationen und Fragen oder Sätze, die Dir ein gutes Gefühl vermitteln, haben gleichzeitig noch den Effekt, dass sie Deine Stimmung verbessern. Und wenn Du ein bisschen besser drauf bist, dann können Dir auch schlechte oder anstrengende Gedanken nicht mehr so viel anhaben.

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