Leben

Die Studentin

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Vor ein paar Tagen hat bei meiner Arbeitsstelle eine neue Studentin angefangen. Sie wird als Aushilfe arbeiten, nicht in meinem Team, aber das Büro ist klein, man kennt sich. Sie hat erzählt, was sie so macht in ihrem Leben. Arbeiten. Songs schreiben. Ich hab jetzt meine erste EP fertig. In ein paar Wochen fängt mein Studium an. Heute Abend hab ich einen Auftritt vor Freunden und Bekannten. Eine Art Release Party. Ja, ich bin super aufgeregt. Ich mache das nicht gern. Ich frage sie nach Studieninhalten und Jobchancen und ihrer WG. Fühle mich erwachsen. Ein bisschen alt.

Und frage mich: wer war ich eigentlich? Damals. Mit Anfang 20. Irgendwie hab ich schon lange nicht mehr an diese Person gedacht.

In mancher Hinsicht, glaube ich, war ich damals sicherer. Selbstsicher im Sinne von “sicher-wer-ich-eigentlich-bin-und-was-ich-will“. Auch, wenn viele meiner Annahmen über das Leben und mich selbst wohl bei Weitem nich so reif und fundiert waren, weich glaubte. Wenn man jung ist, gerade mit seiner Ausbildung beginnt und am Anfang seines eigenen Weges steht, dann hat man das Gefühl, alles verstanden zu haben. Sich selbst zu kennen und zu wissen, wie die Welt funktioniert. Man fühlt sich mächtig und stark.

Mit der Zeit kommt mehr Verantwortung ins Leben und für mich ging das auch einher mit weniger Träumerei und Leichtigkeit. Ich war ein naives Mädchen, aber auf eine schöne Art. Auf eine Art, die einem geschenkt wird, wenn man vollständig behütet und in einem liebevollen und sicheren Umfeld aufwächst.

Manchmal vermisse ich diese Leichtigkeit und dieses Grundvertrauen ins Leben. Ich arbeite daran, all das wieder zu erlangen, aber in der Phase, in der ich gerade bin, ist dieser Weg eben vor allem das: Arbeit. Und anstrengend. Wie irre es doch ist, dass ich auf diesem Weg schon einmal weiter war und dann zurück gegangen bin. Unwissentlich und ohne es zu wollen.

Auf der anderen Seite habe ich mich in den letzten Jahren, der zweiten Hälfte meiner Zwanziger, auch viel besser kennengelernt. Ich kenne meine Bedürfnisse und meine Stressreaktionen. Ich kann meine Muster erkennen und einordnen. Ich bin emotional, aber ich habe auch die Tools, mit meinen Emotionen umzugehen. Ich muss nicht davonlaufen oder mich ablenken. Ich halte mich aus.

Vielleicht ist das sogar das Wichtigste, was ich gelernt habe. Mich selbst auszuhalten. Lieb zu mir zu sein. Geduldig. Mich nicht für meine Gefühle und vor allem für meine Muster zu verurteilen. Das an sich ist ja schon ein gewaltiger Schritt und auch einer, der viel Mut erfordert. Damit man etwas über sich lernen kann, muss man nämlich erstmal hinschauen. Auf die dunklen Flecken. Auf das, was einem Angst macht und wovor man sich am liebsten verstecken und schützen möchte. Und dieser Weg, das kann ich aus Erfahrung sagen, macht wenig Spaß. Das Ergebnis aber lohnt sich.

Die Naivität der Jugend hinter sich zu lassen hat also auch sein Gutes. Und zu wissen, dass ich in der Lage bin meinen Dämonen zu begegnen, gibt mir auch Sicherheit und fühlt sich sehr selbstbestimmt an.

Bist Du noch der*dieselbe, die Du früher einmal warst? Erinnerst Du Dich noch gut an Dein früheres Ich? Vielleicht an Deine Kindheit?

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