Liebe

Vertrauen ist gut und gibt es wirklich etwas besseres?

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In letzter Zeit habe ich viele Gespräche über Vertrauen geführt. Über mangelndes Vertrauen, um genau zu sein. Darüber wie schwer und schmerzhaft es manchmal ist, jemandem einen Vertrauensvorschuss zu geben.

Ich glaube, wir alle kennen das. Alle Menschen. Überall. Wir sehnen uns nach Verbundenheit, Zugehörigkeit. Wollen jemand ganz Besonderes sein für einen anderen Menschen. Wir wollen Beziehung. Menschen sind so. Wir sind soziale Wesen und wir brauchen einander. Auch, wenn es heutzutage schick ist, sich als „beziehungsunfähig“ zu bezeichnen, oder einen auf einsamer Wolf zu machen und sich nicht binden zu wollen. Auch, wenn wir unsere Freiheit lieben und unser Ding machen wollen. Uns selbst verwirklichen. Tun, was uns beliebt. Trotz alldem wollen wir auch Beziehungen. Wir wollen Freunde, Familie, Gruppen, Liebe.

Und die Vorstellung, nicht gewollt zu sein, nicht dazugehören zu dürfen, ist für uns die schlimmste Strafe. Wir wollen keine Ablehnung oder Zurückweisung erleben.

Und deshalb möchten wir Beziehungen und Liebe in jedweder Form schon vorgefertigt aus dem Regal holen. Wie eine Tiefkühlpizza, nur noch schnell im Ofen auf Temperatur bringen und fertig. Da ist die Verbindung, bereit zum genießen.

Aber so funktioniert es nicht. Es ist eher so, als würde man die Pizza aus dem Gefrierfach holen und müsste dann bei Raumtemperatur abwarten, bis sie fertig ist. Manchmal kommt dann vielleicht noch ein Kälteeinbruch dazu. Und die Heizung fällt aus. Und die Pizza ist wieder fast vollständig gefroren. Aber dann wird es plötzlich doch wieder wärmer. Es ist eine Geduldsprobe.

Mit dem Vertrauen ist es so eine Sache. Das muss man einfach so geben, ohne Garantie. Man muss sich darauf verlassen, dass jemand anders es verdient hat. Einfach nur deshalb, weil man sich wünscht, dass er*sie es verdient hat. Es gibt kein Netz und keinen doppelten Boden. Keine Logik. Es gibt nur die Sehnsucht nach einem neuen Menschen, den wir in unser Leben einladen möchten. Und wir müssen zuversichtlich sein, dass dieser Mensch sich nicht benimmt, wie der Elefant im Porzellanladen. Dass wir hinterher nicht mühsam die Scherben unserer Selbst einsammeln und kitten müssen.

In letzter Zeit habe ich mich sehr mit dem Werk von Dr. Brené Brown beschäftigt. Sie ist eine amerikanische Soziologin und schreibt Bücher über Persönlichkeitsentwicklung. Ich finde ihre Arbeit, soweit ich das bisher beurteilen kann, sehr spannend und ihre Ansätze extrem konstruktiv. Gerne mal googeln, wenn Du neugierig geworden bist. Ich lese gerade ihr Buch The Gifts of Imperfection.

Nach Dr. Brown besteht die Voraussetzung dafür, sich zugehörig zu fühlen darin, zu glauben und fest davon überzeugt zu sein, dass man es verdient hat, geliebt zu werden und zugehörig zu sein. Und da dachte ich – vielleicht gilt das auch für Vertrauen. Kann es sein, dass wir nur dann vertrauen können, wenn wir glauben, dass wir es wert sind, nicht hintergangen zu werden? Dass wir es wert sind, dass man sich für uns anstrengt?

Es ist ja so einfach, jemanden zu betrügen. Anzulügen. Zu verletzen. Die Liste ist endlos. Ein Schwein zu sein in dieser Welt, ein falscher Fuffziger, ist keine Kunst. Wir erleben das jeden Tag in der Anonymität des Internets und auch mit Menschen, denen wir begegnen. Um gut zu sein, um ehrlich und respektvoll und liebevoll zu bleiben gegenüber denen, die uns am Herzen liegen, müssen wir uns anstrengen. Uns stets aufs Neue hinterfragen, uns an Werte und Gesetze halten. Uns entschuldigen. Das fordert viel mehr Energie, als einfach alles über Bord zu werfen und Gewissen und Integrität auszuschalten.

Lieb sein ist nicht immer leicht.

Und es ist nicht immer leicht daran zu glauben, dass man selbst es wert ist, dass jemand sich all diese Mühen macht. Wieso sollte er*sie? Und auf dieses „wieso“ gibt es ja auch keine rationale Antwort.

Ich könnte dieses Gedankenspiel jetzt noch weiter spielen und auch das Bild mit der Pizza nochmal bemühen. Letztendlich gibt es kein Rezept, schätze ich. Das Gute ist – wir sitzen da alle im selben Boot.

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