Alltag · Psychologie

Der Umgang mit negativen Gefühlen

woman in white sleeveless shirt gold brown leaf in front of her face
Photo by Mariana on Pexels.com

Vor ein paar Tagen habe ich einen Spruch über den Enneagramm Typ 6 gelesen. Über das Enneagramm habe ich hier ja schon häufiger etwas geschrieben und auch ich bin ein klassischer Typ 6. Also so ein richtiges Paradebeispiel. Wer das Enneagramm ein bisschen kennt weiß, dass das nichts zum Neidisch werden ist…

Der Spruch ging jedenfalls ungefähr so: Erzähle Typ 6 von Deinen Problemen und Herausforderung, denn die kennt er, dort ist er zuhause.

Ich musste ein bisschen über mich selbst lachen, denn ja es stimmt: in den negativen Gefühlen bin ich zuhause. Es ist schön, das zu wissen, denn so bin ich ihnen und vor allem meiner blühenden Katastrophen-Fantasie nicht mehr machtlos ausgeliefert. Und ich habe eine Menge Strategien ausprobiert und getestet, um mich in diesem Zuhause trotz allem wohlfühlen zu können. In den Problemen zu wohnen ist aber nicht sehr gemütlich, so viel kann ich verraten.

Dieses Beheimatet-Sein in Herausforderungen und Problemen (meine ehemalige Therapeutin sprach mal von einem Leben im Schützengraben) hat aber auch dazu geführt, dass ich einiges über diese Probleme gelernt habe. Und über den Umgang mit ihnen und vor allem mit den negativen Gefühlen, die damit einher gehen.

Das Wichtigste zuerst: Es geht vorbei

Egal, wie viel Angst ich schon hatte, wie allein, machtlos, schwach, traurig oder unfähig ich mich schon gefühlt habe. Es ist immer vorüber gegangen. Immer. Jedesmal. Irgendwann, ob nach ein paar Minuten, Stunden, Tagen oder vielleicht Wochen, wurde es besser. Schöner. Fröhlicher. Freier. Wirklich immer. Oft sprechen Leute von Wellen, Phasen oder Jahreszeiten im Leben. Es gibt Zeiten, da geht es Dir nicht gut. Und dann gehen diese Zeiten wieder vorbei und es brechen neue Tage an. Und an denen kann man sich festhalten. Manchmal muss man das auch.

Annehmen

So simpel und doch so verflixt schwierig. Negative Gefühle anzunehmen ist doof. Aber es hilft. Nehmen wir zum Beispiel mal Eifersucht. Das ist für mich ein Gefühl, das ich nicht so oft habe und deshalb kenne ich es nicht so gut. Das macht es der Eifersucht leichter, mich in Beschlag zu nehmen. Darüber hinaus ist Eifersucht ein Gefühl mit einem extrem miesen Image. Sogar Angst kann man noch besser verkaufen, als Eifersucht. Die ist wirklich ganz weit unten in der Hierarchie. Wenn es also mal passiert, dass ich mich eifersüchtig fühle versuche ich, ein bisschen schneller zu sein, als das Gefühl. Bevor es die Chance hat, mein Handeln zu übernehmen und mich blöde Dinge sagen oder tun lässt, nehme ich es ganz schnell an. Ich nehme es zu mir und von der anderen Person weg. Das heißt ich sage mir so etwas wie: Du bist jetzt gerade eifersüchtig. Es ist ok sich so zu fühlen. Du musst Dich nicht dagegen wehren. Überlege Dir, ob es Sinn macht, jetzt so zu handeln, wie das Gefühl es Dir sagt. In diesem Moment fühlst Du Dich damit vielleicht besser, aber wird das auch langfristig der Fall sein? Denn das Gefühl geht, aber die Handlung wird eine Konsequenz haben. Wichtig ist auch, dass ich das Gefühl von der anderen Person wegnehme, auf die es sich bezieht, und nur zu mir. Denn nur ich habe meine Gefühle in der Hand und es bringt gar nichts sich zu sagen „Er*sie hat mir das angetan, nur wegen ihr*ihm fühle ich mich jetzt so“. Ein Gefühl, mit dem ich mich nur sehr widerstrebend identifiziere, anzunehmen, nimmt diesem gleich mindestens die Hälfte an Intensität und ist der erste Schwall erst verpufft, dann folgt auch der Rest meist ziemlich schnell.

Nicht aus dem Gefühl handeln

In dem Beispiel mit der Eifersucht habe ich es schon angerissen. Wenn ich mitten in einem schlechten Gefühl bin, dann versuche ich, nicht daraus zu handeln. Das klappt nicht immer so gut und in manchen Zusammenhängen ist es nicht schlimm. Manchmal beruhigt es mich zum Beispiel, wenn ich beim Verlassen der Wohnung den Gashahn am Herd zudrehe. Das beeinträchtigt ja niemanden, außer mir selbst. Aber jemandem zum Beispiel aus Eifersucht eine fiese Nachricht zu schreiben oder absichtlich etwas zu tun, das jemand anderen verletzen wird, weil ich gerade wütend bin, versuche ich strikt zu vermeiden. Bei mir als Typ 6 ist ja Angst das vorherrschende negative Gefühl und ich gebe mir Mühe, mich nicht von meiner Angst durchs Leben steuern zu lassen. Da ich die Angst nun auch schon lange und gut kenne weiß ich ganz gut, ob ich etwas nicht tun möchte, nur weil ich Angst davor habe, oder ob es noch einen anderen, einen valideren Grund gibt. Und dann versuche ich, weniger von Angst geleitet zu sein, sondern von dem, was mich anzieht.

Und das bringt mich auch zum letzten Punkt:

Der Anziehung folgen

Oft kommen negative Gefühle im Zusammenhang mit etwas, das auch eine sehr schöne Seite hat. Ein Beispiel: vor ungefähr einem Jahr durfte ich beruflich für eine Woche nach Südafrika reisen und dort einen Kongress besuchen. Aus meinem Team ist sonst niemand mitgekommen, somit habe ich die Reise alleine angetreten. Zwar war der Aufenthalt recht kurzfristig geplant worden, ich wollte aber trotzdem unbedingt zumindest noch ein paar Tage dranhängen, ein richtiger Urlaub war leider nicht mehr möglich. Anfangs war ich total euphorisch über diese Chance. Und als der Termin dann näher rückte, war ich zunehmend unruhig und verängstigt und habe mir alle möglichen schlimmen Dinge ausgemalt, die mir zustoßen könnten. In solchen Situationen versuche ich dann, mich auf das Schöne zu konzentrieren, nämlich die Chance, nach Südafrika zu reisen, das Vertrauen, das man mir von Seiten meiner Firma entgegen bringt, die Erlebnisse, die ich haben werde und die neuen Eindrücke, die ich gewinnen werde. Und wie viel Lust ich eigentlich darauf habe, das zu machen.

Das Gute an den negativen Gefühlen, die immer wieder kehren ist, dass wir sie mit der Zeit kennenlernen können. Und je besser wir sie kennen, desto besser können wir sie auch in Schach halten und uns davor bewahren, ihnen vorbehaltlos zum Opfer zu fallen. Und mit der Zeit verlieren sie dann auch ihren Schrecken.

Was mich jetzt noch interessiert: Kennst Du das Enneagramm? Falls ja schreib doch Deinen Typen in die Kommentare, ich würde mich freuen so ein bisschen mehr über Dich zu erfahren!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s