Psychologie

Das innere Team

backlit dawn foggy friendship
Photo by Helena Lopes on Pexels.com

Kennt hier irgendjemand noch Curse? Den Rapper? Bürgerlicher Name Michael Kurth? Vielleicht nicht. Ist auch schon ein paar Jahre her, dass seine Karriere auf dem Höhepunkt war. Curse aka Michael jedenfalls hat eine sehr markante und – wie ich finde – seeeehr angenehme Stimme. Tief und beruhigend, bassig. Einfach schön. Und er hat einen Podcast!

Inzwischen haben wir ja alle verstanden, dass ich Podcasts toll finde. Und um es noch besser zu machen, geht es in diesem speziellen Podcast von Curse um meine Lieblingsthemen Coaching, Persönlichkeit, Meditation und all sowas. Perfect Match!

Aber genug geschwärmt. In einer Folge habe ich von einem Konzept gehört, das ich so noch nicht kannte und das ich auf Anhieb sehr interessant und auch sehr einleuchtend fand. Es heißt Das innere Team.

Die Idee ist folgende: wir alle haben in uns verschiedene Stimmen. Es gibt welche, die immer kritisieren und nörgeln, andere die nie Lust haben vom Sofa aufzustehen und endlich mal zum Sport zu gehen oder Fenster zu putzen, es gibt solche, die uns gut zureden und Mut machen und solche, die uns sagen, dass wir einfach nur super doof sind, weil wir dieses Jahr SCHON WIEDER nicht rechtzeitig die Winterreifen aufgezogen haben.

Im Allgemeinen identifizieren wir alle diese inneren Stimmen als „ich“. Ich rede mit mir selbst und meist ist es mir nicht einmal bewusst.

Was wäre nun, wenn wir all unseren inneren Stimmen ein Gesicht geben würden? Am Besten nicht nur ein Gesicht, oder eine Farbe, einen Namen, sondern auch eine Story. Wenn wir die inneren Stimmen also einmal spaßeshalber vollständig personifizieren würden und uns dann ganz in Ruhe anschauen, mit welchem inneren Team wir es da eigentlich so zu tun haben. Und dann kann „ich“ als Teamleiterin mir überlegen, was ich jetzt mit diesem Team mache. Wie ich es manage. Vielleicht muss der wütende Schreihals, der immer alles zum Kotzen findet und nie konstruktiven Input leistet, einfach mal in den Urlaub fahren. Oder wenigstens in ein verlängertes Wochenende. Oder die freundliche Empfangsdame, die immer zuhört, einem den Arm streichelt und sagt „Wird schon, Kindchen“, der könnte man doch ein paar andere, wichtigere Aufgaben zuteilen. Eigentlich ist sie ja ganz kompetent.

Ich selbst hatte direkt einige Bilder im Kopf von meinem inneren Team. Mir sind noch nicht alle Teammitglieder so klar, aber ein paar stechen einfach aus der Menge hervor. Da ist zum Beispiel so ein älterer, behäbiger Kerl mit vielen Falten im Gesicht, wenig Haaren auf dem Kopf, und dicken Tränensäcken. Ich nenne ihn den Unken-Onkel. Der ruft immer ganz laut „GEFAHR!!! GEFAHR!!!“ und will mir erklären, was ich alles nicht tun sollte, weil es bedrohlich sein könnte. Hinter jedem Kohlkopf wittert der Unken-Onkel das Ende. Irgendwas Schlimmes wird bestimmt passieren. Krankheit, Unfall, Tod, Verlust – mein eigener oder der von allen möglichen Menschen, die ich lieb habe. Und er verschafft sich Gehör, liebe Leute, das kann ich Euch sagen.

Dann gibt es noch Pippa Pflichtbewusst. Sie ist klein und dürr und sieht ein bisschen aus wie eine viktorianische Gouvernante mit einem langen schwarzen Kleid, einer dünnen goldenen Brille auf ihrer langen Nase und einem strengen Dutt oben auf dem Kopf. Und immer hat sie ein Taschentuch in der Hand. Pippa Pflichtbewusst erinnert mich immer daran, was sich „gehört“. Wenn ich etwas tue, dass ein bisschen die Regeln verletzt, dann zieht sie eine Augenbraue nach oben, schaut mich mit stechendem Blick über den Rand ihrer Brille an und sagt: Nun, Du weißt ja, was Du tust. Ich für meinen Teil würde es nicht so machen. Wenn das rauskommt gibt es bestimmt Probleme. Aber das weißt Du ja selbst. Ganz korrekt ist das so nicht. Aber mach nur, wenn Du denkst, dass es sein muss. Sowas eben. Sie wird nicht müde, auf die Regeln hinzuweisen. Mit ihr komme ich aber inzwischen ganz gut zurecht und fühle mich nicht mehr so schuldig, wenn ich mal ein bisschen aus der Reihe tanze.

Meine schönste innere Stimme ist Amaryllis. Ein elfengleiches Wesen mit hellem Teint und langen rotbraunen Haaren, die immer leicht zu wehen scheinen. Sie ist träumerisch und in sich gekehrt, nicht so sehr interessiert an der Welt da draußen. Wenn sie geht – schreitet, sollte ich eher sagen – ist es, als ob ihre Füße kaum den Boden berühren. Sie sagt immer nur liebevolle, nette Dinge zu mir. Ihre Stimme ist wie das Flüstern des Windes. Sie erinnert mich an Liebe. Liebe als Daseinsform, Liebe als Lebensweg. Sie fragt nicht, rät nicht, bewertet nicht. Sondern nimmt einfach an, was da ist und sieht es mit liebenden Augen an. Und das ist sehr kraftvoll.

Es gibt natürlich noch mehr als diese drei. Vielleicht erzähle ich Euch von denen ja ein andermal, aber für heute nimmt dieser Text schon genug Zeit in Anspruch. Wenn Du bis hierhin gelesen hast – Chapeau!

Jede*r von uns hat seine inneren Stimmen, die uns lenken, beurteilen, ermutigen oder warnen und noch viel mehr. Ich glaube, sich mit ihnen eingehender zu befassen ermächtigt uns, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Ihrem Gebrüll nicht mehr ausgeliefert zu sein und auf ihr Flüstern nicht warten zu müssen. Ein Teammitglied, das ich kenne, kann ich auch mal nach seiner Meinung fragen. Oder ihm sagen, es soll die Klappe halten.

Wie gefällt Dir die Übung, Dein inneres Team kennenzulernen? Hast Du auch schon ein paar Deiner Teammitglieder kennengelernt? Falls ja freue ich mich, wenn Du etwas über sie erzählst.

 

 

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2 Kommentare zu „Das innere Team

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