Leben

Wie man als Erwachsener Freunde findet

Wollen wir Freunde sein?

Im letzten Beitrag habe ich ein bisschen davon erzählt, wie es für mich war, mit Anfang 30 neu in einer Stadt zu sein und mir hier nun einen Freundeskreis aufzubauen. Ich habe von Unsicherheiten und Herausforderungen berichtet, mit denen ich vor allem früher zu kämpfen hatte und wie sie sich mit der Zeit – zum Glück – langsam verflüchtigt haben.Nun aber zu den neuen Freunden in der neuen Stadt. Wie bin ich an die dran gekommen?

Sich mit anderen Erwachsenen anfreunden

Zwei Dinge mal kurz vorab.

  1. Es ist nicht einfach, man muss sich reinhängen und – vielleicht ganz hoch – über den eigenen Schatten springen.
  2. Es braucht seine Zeit.

Jeder kennt ja irgendwen in Berlin und heutzutage hat man ja auch diverse Möglichkeiten, Menschen zu kontaktieren. Ich habe also zuerst einmal alle meine alten Bekanntschaften in Berlin angeschrieben, ganz nach dem Motto „hey ich bin jetzt auch hier, sollen wir uns mal treffen?“ – und alle haben nicht einfach nur zugestimmt, sondern sich auch noch gefreut, dass ich mich gemeldet habe. Die meisten Menschen finden es nämlich schön, wenn man sich für sie interessiert. Das lerne ich immer wieder neu. 

Oder eben doch im Internet

Die „Bekannten von früher“ waren natürlich die vielversprechendsten Kontakte und sind inzwischen tatsächlich auch zu lieben Freunden geworden. Ich habe mit der Zeit aber auch noch ein paar andere Wege ausprobiert. Ein wichtiger Kanal dabei ist auf jeden Fall Facebook. Es gibt sehr viele „Neu in der Stadt“ Gruppen, denen man beitreten kann. Entweder schreibt man dann einfach einige Zeilen über sich und was man sich zu finden erhofft bzw. was man mit anderen Leuten gerne gemeinsam unternehmen würde. Oder aber man liest fleißig mit und schließt sich dann einer Aktivität an, zu der man Lust hat. Der Vorteil an solchen Gruppen ist ja, dass alle die dort drinnen sind, offen für neue Kontakte sind und sich wahrscheinlich freuen, wenn man sie anschreibt und sich mit ihnen verabredet. Das klappt natürlich nicht immer. Hier ist wirklich Ausdauer gefragt. Aber wenn man die beweist, glaube ich schon, dass man über Facebook die Möglichkeit hat, viele verschiedene Menschen kennenzulernen und vielleicht auch wirkliche Freundschaften zu entwickeln. 

Freundschaften sind ja etwas sehr persönliches und jedem sind dabei auch andere Aspekte wichtig. Für mich ist es immer besonders schön, wenn ich Menschen mit ähnlichen Interessen treffe und das bedeutet in meinem Fall auch, dass ich mich mit ihnen auf einer gewissen Ebene austauschen kann. Wer diesen Blog schon ein-zweimal gelesen hat denkt sich vielleicht schon, dass ich nicht unbedingt auf Smalltalk stehe. Ich will den deepen Shit. Ich will hören, was mein Gegenüber bewegt und ich will von meinen Empfindungen berichten können, weil mich das einfach viel viel mehr interessiert, als „ich habe, ich mache, ich kenne“.

Deshalb habe ich mich entschieden, mir einen Frauenkreis zu suchen. Falls dir dieser Begriff nichts sagt: ein Frauenkreis ist ein regelmäßiges Treffen von Frauen unter sich; man verbringt gemeinsam Zeit, findet Ruhe für Austausch und Gespräch im stressigen Alltag und vereint sozusagen die weibliche Energie. Frauenkreise sind eine sehr alte Tradition und können eine wunderschöne und inspirierende Erfahrung sein. Als ich vor ein paar Jahren meine Therapie gemacht habe, gab es ein solches Angebot auch schonmal und ich fand es richtig toll und habe die Zeit mit den anderen und sehr unterschiedlichen Frauen sehr genossen.

Ein bisschen Mut

Es gibt bestimmt genauso viele Arten, Menschen kennenzulernen, wie es Menschen gibt. Und ebensoviele Gründe, warum es nicht klappen sollte. Warum man es gar nicht erst versuchen und doch lieber alleine vorm Handy sitzen bleiben sollte. Ich glaube aber, wir Menschen sind dafür nicht gemacht. Wir sind keine Einzelgänger, kein Mensch ist eine Insel, wir wollen Gesellschaft, Verbindung, wir wollen teilen.

Warum ist das so schwer zuzugeben? Zu sagen, dass man Freunde sucht, ist wie ein Eingeständnis von Schwäche. Freunde sollte man gefälligst haben, die sollten schon da sein. Es ist als würde man sagen, man hat eben nur eine Unterhose, mehr hat man gerade nicht gefunden, die anderen Schlüppis wohnen noch in der Stadt, in der man vorher auch gewohnt hat. Man pendelt jetzt eben, um einander zu sehen. 

Das finde ich idiotisch. Neu anzufangen ist mutig und sich auf neue Freunde einzulassen, auch. Gerade heute, wo sich niemand mehr lange an etwas binden will, sei es ein Job, eine Partnerschaft oder eben eine Stadt, haben doch alle immer wieder Raum für jemand Neuen. Und freuen wir uns nicht, wenn jemand sich uns mit ehrlichem Interesse zuwendet? Weil es ein schönes Gefühl ist, wenn sich jemand für mich – ausgerechnet mich – interessiert, für mein Leben, für meine Geschichte, für meine Ideen und Konzepte. 

Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wer hier noch so alles in mein Leben treten wird und welche tollen Leute ich noch kennenlernen werde. Langweilig wird es bestimmt nicht. 

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