Liebe

War die Liebe früher leichter?

Liebe

Weihnachten, das Fest der Liebe, steht kurz bevor. Eine Zeit, die man bitteschön mit der ganzen Familie verbringt, mit seinen Lieben. Werbung und Medien trichtern einem in der Vorweihnachtszeit das Leben als Familie, in heterosexueller Partnerschaft, mit Kindern und Großeltern unterm Baum ja ganz besonders ein. Wieso eigentlich? Warum wird Familie und speziell die Großfamilie mit mindestens drei Generationen gerade vor Weihnachten so beschrien?

Ich selbst bin in eine Ehe geboren, die heute schon über 50 Jahre Bestand hat. Ich hatte die Familie unterm Baum, die zahlreichen Generationen, die harmonisch verheirateten Eltern. Alles. Und zugegeben – ich habe die Partnerschaft als Lebensmodell nie wirklich infrage gestellt. Ich möchte jetzt auch nicht so tun, als hätte sich daran etwas geändert. Nach wie vor finde ich es schön, wenn man jemanden an seiner Seite hat und das Leben gemeinsam bestreitet. Immer vorausgesetzt natürlich es handelt sich um eine glückliche und gesunde Beziehung.

Finden und Bleiben

Trotzdem habe ich den Eindruck, dass Lieben früher leichter war. Zumindest das Zueinanderfinden vielleicht. Das Beieinanderbleiben wohl nicht, bzw. wurde oft eben einfach geblieben, auch wenn nichts mehr so richtig schön war. Sicher ist das auch keine Lösung. Aber das Modell Ehe, Familie, Partnerschaft, das war Common Sense, es wurde einfach gelebt, weil es dazu gehörte. Weil es alle machten. Schule, Lehre, Beruf, Ehe, Kinder. Zack, fertig.

Nun ist „weil das immer so war“ nicht unbedingt eine tolle Grundlage, egal wofür. Das Modell Ehe hat heutzutage ein bisschen ausgedient und ich finde das auch nicht unbedingt negativ. Die Ehe war immer eine soziale Absicherung und da sie das rein rechtlich noch immer ist wurden und werden damit stets auch Abhängigkeitsverhältnisse staatlich subventioniert. Das ist so nicht mehr zeitgemäß, wird aber auf eigenartige Weise romantisiert. Das ist aber ein anderes Thema, zu dem ich übrigens schon einmal etwas geschrieben habe.

Mit offenem Herzen

Was wie ich finde nicht ausgedient hat ist die Liebe. Und die wiederum hat einen argen Imageschaden genommen. Warum eigentlich? Wenn wir alle von etwas wirklich eine dicke Portion gebrauchen können, dann ist es doch Liebe. Ich meine nicht nur Liebe in der Paarbeziehung – die aber auch, wenn es passt – sondern das reine Gefühl. Wie schön wenn man sein Herz öffnen kann, wie wertvoll Menschen zu haben mit denen man sich tief verbunden fühlt. Wäre der Umgang miteinander in unserer Gesellschaft im allgemeinen liebevoller, wären wohl viele Konflikte, die wir im Alltag erleben gar nicht mehr vorhanden.

Stattdessen ist „beziehungsunfähig“ irgendwie en vogue, niemand legt sich mehr gerne auf etwas fest, sei es ein Job, ein Hobby oder eben Liebe. Könnte ja zu verbindlich werden. Und ja das ist es. Wieso macht das solche Angst? Manch eine*r würde eher alleine mit dem Fahrrad nach Beirut radeln oder einen Gletscher besteigen, als sich auf die Liebe einzulassen. Das eine gilt als Abenteuer, als mutig, während das andere ein angestaubtes Lebensmodell verkörpert. Veraltet, aber irgendwie auch zu heiß, zu nah.

Ich glaube es wäre wunderschön und kraftvoll wenn wir alle unsere Herzen ein bisschen öffnen könnten. Ein paar kleine Risse zulassen in den Herzrüstungen, durch die ein bisschen Licht scheinen kann. Den Mut haben die Person zu sein, die als Erste die Hand ausstreckt und sagt komm wir gehen ein Stück zusammen. Die immer wieder wagt, vielleicht scheitert, aber dabei mutig bleibt und nicht das Vertrauen verliert. Die Kraft der Verletzlichkeit erkennt und ihr treu bleibt. Welche Wunder uns begegnen könnten.

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