Alltag

Verliere die Angst vor dem Alleinsein

Einsam oder nur allein

Mit mir selbst allein sein zu können ist etwas, das ich erst lernen musste, und zwar ein bisschen auf die harte Tour. In einer Zeit, die ich im Nachhinein als vielleicht die Einsamste meines Lebens bezeichnen würde. Aber gleichzeitig nicht unbedingt die Schlechteste, weil ich auch vieles über mich gelernt habe.

In meiner Schul- und frühen Unizeit habe ich eigentlich nie etwas alleine gemacht. Ich hatte mehrere große Freundeskreise mit denen ich so gut wie jede freie Minute verbracht habe und nachdem ich von zuhause ausgezogen war habe ich zuerst in einem Wohnheim gewohnt. Auch dort wurde eine enge Gemeinschaft gelebt und man hatte immer jemanden, mit dem man seine Zeit verbringen konnte.

Dann bin ich für ein Praktikum nach Köln gezogen, wo ich niemanden kannte außer einem alten Schulfreund. Es war das erste Mal, dass ich über mehrere Monate jeden Tag gearbeitet habe und weil ich mit meiner Arbeit ziemlich beschäftigt war, habe ich erstmal eine ganze Weile lang gar nicht bemerkt, dass ich so alleine bin. Die Wochenenden gehörten dann fast immer meinem damaligen Freund, mit dem ich eine Fernbeziehung führte. Er hatte viele Freunde in Köln, mit denen wir uns regelmäßig trafen; darüber habe ich es allerdings verpasst mir in der neuen Stadt meine eigenen Freunde zu suchen. Und so habe ich zwischen den Wochenenden sehr viel Zeit mit mir alleine zugebracht.

Zeit zu füllen

Mein Praktikum war nach sechs Monaten vorbei, woraufhin ich in Köln ein Masterstudium begonnen habe. Allerdings war ich weiter recht viel für mich und hatte ganz schön viel Zeit, die ich nun füllen konnte bzw. musste. Ich war damals wohl so fit wie nie, denn ich hatte ja stets sehr viel Zeit zum kochen und einkaufen und habe auch Workout-Videos auf YouTube für mich entdeckt und täglich Pilates gemacht. Ansonsten habe ich zugegebenermaßen aber auch echt viel ferngesehen.

Ich glaube was diese Zeit in der Rückbetrachtung für mich so besonders macht sind zwei Aspekte. Zum einen, dass ich mich gar nicht gefragt habe, ob ich das alles so gut finde. Mir erschien es logisch, dass ich in einer neuen Stadt eben mehr oder weniger alleine dastehe, weil ja meine Freunde entweder selbst fürs Studium weggezogen waren, oder in meiner Heimat lebten. Ich habe mich nicht gefragt, wie und wo ich andere, neue Freunde kennenlernen kann. Oder ob ich wirklich glücklich damit bin, wie mein Leben und mein Alltag aussehen. Stattdessen habe ich es auf die Umstände geschoben und mir gesagt, dass es nun eben so ist und ich daran nichts ändern kann.

Heute weiß ich, dass das nicht stimmt. Dass ich eine Wahl habe und Einfluss darauf, wie ich mein Leben gestalten will und wie ich meine Zeit verbringe. Dass ich damals nicht daran geglaubt habe, ja nicht einmal auf die Idee gekommen bin, dass ich vielleicht etwas ändern könnte wenn ich will, finde ich schon ein bisschen traurig.

Das Alleinsein lieben lernen

Gleichzeitig, und das ist nun der zweite Aspekt, glaube ich, dass mir diese Zeit auch eine große Lehre war. Ich habe das Alleinsein zu schätzen gelernt, habe Dinge entdeckt, die mir Spaß machen und von denen ich vorher nichts wusste, wie zum Beispiel Pilates. Und ich bin sehr selbständig geworden, habe mir einen strukturierten Tagesablauf verpasst und mich eben um mein Studium und meine Angelegenheiten gekümmert.

Ich bin ein absolut geselliger Mensch und ich weiß inzwischen, dass ich Freunde brauche um wirklich glücklich zu sein und dass ich diese Freunde auch treffen und sehen muss, mich mit ihnen austauschen und aktiv gemeinsame Zeit verbringen möchte. Dennoch denke ich, dass ich früher manchmal einfach nur deshalb mit Leuten Zeit verbracht habe, um eben das Alleinsein zu vermeiden. Weil ich dachte, ich halte es mit mir alleine nicht aus. Und das ist auch kein schönes Gefühl. Als ich dann gezwungen war, alleine klarzukommen, haben sich viele dieser Ängste aufgelöst und ich habe festgestellt, dass meine eigene Gesellschaft gar nicht so doof ist. Dass ich neue Leidenschaften entdecken kann und mich trotzdem weiterentwickeln.

Heute ist mir meine Zeit für mich sogar sehr wichtig geworden, in der ich einfach das tun und lassen kann, was ich gerade will und brauche. Vor allem möchte ich dann keinen Input von außen haben. Eine stille Stunde hier und da, wenn man so will, die es mir erlaubt, mich wieder neu auf mich einzulassen. Ich spüre es genau, wenn ich zu wenig Anna-Zeit hatte, dann werde ich ungeduldig und fühle mich erdrückt von Kleinigkeiten, die mich sonst nicht weiter interessieren. Wie eigentlich immer im Leben geht es wohl auch beim Alleinsein letztendlich um die richtige Balance.

Wie ist das bei dir? Bist du gern allein, oder eher immer in Gesellschaft?

3 Kommentare zu „Verliere die Angst vor dem Alleinsein

  1. Hallo, ich bin tatsächlich sehr gern allein. Ich lebe in einer Partnerschaft und in einer WG und merke daher sehr stark, wie schwer es mir mittlerweile fällt, auf das Alleinsein zu verzichten. Ich suche mir dann immer kleine Lücken, die ich dann sehr bewusst für mich besetze.

    Interessanterweise war auch mein Weg zum Alleinsein eine schwierige Zeit, aber ich bin darüber wirklich nicht unglücklich und bin immer wieder erstaunt, wie wichtig Vielen der ständige Umgang mit anderen Menschen ist, so dass sie sich sogar vor dem Alleinsein fürchten und allein deswegen in eine Beziehung gehen oder an ihr festhalten. Ich bin mir absolut sicher, dass der Mensch als soziales Wesen Menschen um sich herum braucht. Aber er braucht nicht explizit eine Paarbeziehung.

    Ich wünsche dir einen schönen Tag!

    Gefällt 1 Person

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