Leben

Geschafft!

Das ist dein Erfolg

Erfolg ist sehr schwer messbar, weil er für jeden etwas anderes bedeutet. Für den einen mag es eine bestandene Prüfung sein, eine bestimmte Zahl auf dem Gehaltscheck oder auf der Waage, für die andere ist es vielleicht ein schwieriges Gespräch oder eine sportliche Herausforderung. Oder etwas ganz anderes.

Erfolge dürfen empfunden und gefeiert werden, klar, man soll sich freuen und auch ein bisschen stolz sein. Gut gemacht! Schulterklopfen. Prost. Aber dann reicht es auch wieder. Schon als Kindern wird uns beigebracht, wir sollen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen und dass Erfolg nur im Wörterbuch vor Fleiß kommt. Also vergessen wir den erlebten Erfolg rasch wieder und wenden uns dem nächsten Projekt zu.

Klar, niemand mag Angeber, die sich damit schmücken, was sie schon alles erreicht haben und nicht müde werden zu betonen, wie krass sie das letzte große Ding gerockt haben. Und die anderen Dinger davor auch. Aber muss das heißen, dass wir uns nicht dessen bewusst sein dürfen, was wir schon alles geleistet haben?

Vergesslich

Durch diese allgemeine Erfolgs-Amnesie vergessen wir nämlich nicht nur, wie gut es sich angefühlt hat, als wir etwas geschafft hatten. Wir vergessen auch, wie unüberwindbar es zu Beginn schien. Wie groß die Hürde, wie hoch der Preis, der zu zahlen wäre. Welche Arbeit und Hingabe nötig war, um zu schaffen, was wir geschafft haben.

Das trifft nicht nur für „Projekte“ zu, sondern auch für unsere Persönlichkeit. Was wir schon überwunden haben, daran erinnern wir uns häufig nicht mehr. Nicht an die schlaflosen Nächte, die inneren Kämpfe, die Worte, die wir uns selbst gesagt haben. Und das ist eigentlich schade, denn so scheint es uns irgendwann, als sei es immer schon so leicht gewesen, wie es sich heute anfühlt. Als hätte es den Weg niemals gegeben. Und dabei ist der Weg so wertvoll.

Manchmal denke ich an meine Mittzwanziger zurück. Die liegen jetzt noch keine Jahrzehnte hinter mir, aber doch schon eine kleine Weile und gefühlt ein halbes Leben. Wenn ich an diese Zeit denke, dann sehe ich mich vor allem so unglaublich befangen und unsicher. All diese Selbstzweifel, die ich mit mir herumgeschleppt habe und die mich so viel Energie gekostet haben und so viel Zeit. Mir im Weg standen und einfach nur riesenhaft und unüberwindbar scheinen.

Vertrauen

Welch eine Leistung, welche Errungenschaft es für mich ist, so vieles davon nicht mehr zu fühlen, mich nicht mehr abhalten zu lassen. Mehr Vertrauen zu haben in mich, meine Fähigkeiten, aber auch in das Leben, in meinen Weg, meine Intuition. Einfach in alles. Wenn ich mir das vor Augen führe dann kann ich es kaum begreifen und auch schwer in Worte fassen. Dann bin ich stolz auf mich, auf meinen Weg, auf das, was ich geschafft habe. Es war harte Arbeit und es macht auch oft keinen Spaß. Also so gar keinen. Aber am Ende lohnt es sich so sehr.

Ein bisschen ist es wie mit dem 10km Lauf, den ich mich letzten Mai getraut habe. Das war nämlich auch immer so etwas, wovon ich mir eingeredet habe, dass ich es nicht kann. Dass ich nicht so sportlich bin, niemals das Training konsequent durchhalten könnte und dass ich einfach grundsätzlich nicht laufen KANN. Warum hab ich mir das eigentlich eingeredet? Keine Ahnung. Ich hab es jedenfalls geschafft und es. war. hart. Körperlich, geistig und auch emotional. Ein paarmal hab ich sogar geheult, weil ich so frustriert war, oder weil ich dachte ich schaffe es am Ende doch nicht. Hab ich dann aber und als ich dann ins Ziel kam (wo meine Freunde schon gewartet haben, ich war nämlich nicht gerade Speed Gonzalez) war ich so unfassbar stolz auf mich. Und immer wenn mir das wieder einfällt, bin ich wieder stolz.

Deshalb finde ich, wir sollten uns ruhig ab und an daran erinnern, was wir schon geschafft haben, in welchem Lebensbereich auch immer. Und daran, wie wir das gemacht haben. Wie wir dran geblieben sind, auch wenn es mal wehtat, nicht aufgegeben haben, daran geglaubt haben, dass es am Ende gut wird. Und dass wir auch die miesen Tage gemeistert haben, die schon hinter uns liegen. Und zwar alle miesen Tage, wie dunkel sie auch gewesen sein mögen.

Und das ist schon eine ganze Menge wert.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s