Alltag

Großzügige Fremde

Random Acts of Kindness

Heute ist mir etwas Schönes passiert. Es war nur eine Kleinigkeit, ein kurzer Moment, aber der hat nachgewirkt und mir den Tag versüßt.

Vor meinem Sonntagsspaziergang hatte ich eine ganze Menge Kaffee getrunken und so blieb es nicht aus, dass ich recht bald zur Toilette musste. Ich war in einem öffentlichen Park und wusste, dass es dort ganz gute Toiletten gibt, für die man aber bezahlen muss. Geld hatte ich auch dabei, allerdings nur einen Schein, und keine Münzen.

Vielleicht gibt es ja Toilettenpersonal, dachte ich mir, und jemand kann meinen Schein wechseln. Also bin ich trotzdem rein, natürlich gab es aber nur einen Automaten und natürlich akzeptierte der nur Münzen. Während ich da so stand und überlegte, ob ich jetzt einfach über das Drehkreuz drüber steigen soll, ging hinter mir die Tür auf und eine andere Frau kam herein.

„Alles in Ordnung?“ fragte sie, als sie mich so ratlos herumstehen sah. Ich erklärte, dass ich nur einen Schein bei mir habe und somit nicht die geforderten 50 Cent in Münzen bezahlen kann. Sie sah mich an, hielt ihre 1-Euro-Münze hoch und sagte in schönstem Berlinerisch „Na dann lad‘ ick Sie mal ein“.

Als sie das sagte, war ich erstens total überrascht, denn offen gesagt sind die Berliner ja nicht gerade für ihre Freundlichkeit bekannt und wenn jemand hier so unerwartet nett zu mir ist, trifft es mich jedesmal etwas unvorbereitet. Mein zweites Gefühl war einfach nur Dankbarkeit, dass diese Unbekannte bereit war, mir aus der Patsche zu helfen.

Aus dem Englischen kenne ich für solche Momente den Begriff Random Act of Kindness, also frei übersetzt ein zufälliger Akt der Freundlichkeit. Und das Internet ist voll von Ratschlägen und Ideen, wie wir alle diese Handlungen in unseren Alltag integrieren könnten, wie wir bessere Menschen werden könnten und einfach allgemein netter zueinander sein.

Das ist ja grundsätzlich nicht verkehrt, ich glaube fest daran, dass die Welt ein schönerer Ort sein könnte, wenn sich alle ein bisschen mehr Mühe miteinander gäben. Die Ratschläge haben aber irgendwie häufig etwas mit Geld zu tun, das ist mir aufgefallen. Lass das Wechselgeld im Parkautomaten liegen. Bezahl den Kaffee für die nächste Person in der Schlange. Bestell jemandem im Restaurant ein Dessert, ohne etwas zu sagen. So als müsste man Geld – oder genauer gesagt Geld übrig – haben, um freundlich sein zu können.

Aber ich glaube am wenigsten geht es beim Freundlichsein ums Geld. Es geht um Bedürfnisse, darum, Anderen das Gefühl zu geben, dass sie gesehen werden. Dass man gemerkt hat, wenn der Kollege einen schlechten Tag hat, oder dass man endlich mal morgens die Socken aufräumt, über deren Liegenlassen der Partner sich immer so ärgert. Oder einen Moment wartet und für jemanden die Tür aufhält, weil er oder sie die Hände voll hat oder auch einfach nur so.

Einfach nur so. Das steckt ja auch in dem Begriff „random“. Mit offenen Augen und offenem Herzen, nicht unbedingt nur mit einem offenen Portemonnaie durch die Welt zu gehen und vielleicht einfach mal vom Handy aufzuschauen und jemanden anzulächeln. Ich glaube, die Freundlichkeit, die einem begegnet ist, gibt man automatisch weiter, eine Art eine endlose Kette der Nettigkeiten, die uns alle verbindet. Klingt doch ganz schön einfach und einfach schön.

3 Kommentare zu „Großzügige Fremde

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