Leben · Psychologie

Was fühlst du gerade?

Über Gefühle sprechen

Seit ein paar Monaten nehme ich an einem Frauenkreis teil, der sich einmal pro Monat trifft und uns dazu dient, uns auszutauschen, zu unterstützen, wertzuschätzen und zu verbinden. Es ist eine sehr schöne Erfahrung, das mit anderen Frauen zu teilen und sich dabei langsam, aber beständig näherzukommen und eine Bindung zueinander aufzubauen. Und gerade in unsicheren Zeiten wie diesen finde ich es eine schöne Art, sich der gegenseitigen Anteilnahme anderer Frauen zu vergewissern.

In dieser Woche stand wieder ein Treffen an und da wir uns aktuell nicht persönlich zusammenfinden können, haben wir den Frauenkreis online abgehalten. Trotzdem ist ein schöner Austausch zustande gekommen und ich fand es richtig toll diese Zeit mit den anderen Frauen verbringen zu können. Wie gut, dass wir in der heutigen Zeit die Möglichkeiten des Internets nutzen können, um miteinander in Verbindung zu bleiben.

Wovor hast du Angst?

Eine Übung die wir gemacht haben, bestand darin, uns in Zweiergruppen über unsere Ängste auszutauschen. Eine fragte die Andere „Wovor hast du Angst“ und die erzählte dann, was ihr Angst macht. Und wenn sie aufhörte zu sprechen, wurde die Frage wiederholt. Das ging für ein paar Minuten so und danach haben wir gewechselt.

Gerade jetzt kommen glaube ich viele Ängste hoch und es tut uns allen gut, darüber reden zu können. Für mich war und ist es immer erleichternd zu wissen, dass ich mich jemandem anvertrauen kann, aber auch, dass ich nicht alleine damit bin, mir Gedanken zu machen. Etwas auszusprechen bedeutet auch immer, es selbst einmal laut zu hören und manchmal hilft das schon sehr dabei, es wieder ins rechte Licht zu rücken. In unseren Köpfen kann aus einer Mücke schnell mal ein Elefant werden, und einmal ausgesprochen wird der Elefant vielleicht zumindest zu einem Löwen oder einer Antilope.

Für mich selbst habe ich in der Übung eine überraschende Entdeckung gemacht. Meine Ängste haben sich gar nicht besonders verändert. Ich kenne ja meine Angst zur Genüge und mache mir auch unter normalen Umständen Sorgen oder Gedanken um die Zukunft, um meine Lieben und deren Gesundheit. Ich bin also, wenn man so will, eh schon oft im Corona-Modus. Der Unterschied ist, es gibt jetzt einen allgemein anerkannten Grund, sich Sorgen zu machen. Es ist sogar quasi erwünscht und wird gesellschaftlich und medial unterstützt.

Für meinen Kopf macht das allerdings keinen Unterschied. Ob nun eine Bedrohung existiert oder nicht, interessiert den gar nicht. Er plustert ja auch die Mücken solange auf, bis sie zu Elefanten geworden sind. Wenn da jetzt also wirklich ein Elefant steht, dann ist das für meinen Kopf dasselbe. Ich glaube, für mich ist es ausnahmsweise mal ein Vorteil, dass ich eher von der ängstlichen Sorte bin. Weil ich schon gelernt habe, meine Bedenken nicht mit mir durchgehen zu lassen, sie in Bezug zu setzen und ihnen nur soviel Raum zu geben, wie unbedingt nötig.

Das geht aber nicht allen so und für viele ist es bestimmt gerade sehr schwer, mit dieser Krise emotional umzugehen. Möglicherweise sieht es ja auch bei mir in ein paar Tagen oder Wochen schon ganz anders aus. Und dann will ich darüber reden können und meine Sorgen teilen. Es ist nicht immer leicht, Freunde oder Familien zu fragen, was sie wirklich fühlen oder was sie bewegt, aber ich glaube im Moment ist es unheimlich wichtig genau das zu tun. Und dann zuzuhören, einander ernst zu nehmen und sich nicht gegenseitig mit „Ach das wird schon“ abzuspeisen. Sonder sich wirklich aufeinander einzulassen, selbst wenn man nicht räumlich beieinander sein kann. Empathie füreinander wird uns hoffentlich alle ein bisschen durch diese merkwürdige Zeit tragen.

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