Leben

Du bist soundso

Plötzlich verbringen wir ja alle sehr viel Zeit zuhause und mit uns selbst, ohne die Ablenkung und Einflüsse von außen. Eine ganz schöne Umstellung für jeden von uns. Besonders wahrscheinlich für diejenigen, deren Beruf zum Großteil darin besteht, Resonanz im Außen zu erzeugen und zu erfahren. Schauspieler*innen zum Beispiel, Lehrpersonen oder Erzieher*innen. Aber auch für Menschen, deren Persönlichkeit sehr darauf ausgerichtet ist, sich an der Reaktion Anderer zu messen ist das ein großer Einschnitt.

Wenn ich nicht mehr derjenige bin, der morgens die Kolleg*innen beim ersten gemeinsamen Kaffeetrinken unterhält, wenn ich nicht mehr die Hauptrolle spiele, nicht mehr die direkte Rückmeldung von Anderen bekomme – wer bin ich dann noch? Bin ich noch Student*in wenn die Uni dieses Semester gar nicht öffnet? Wann höre ich auf Event Managerin zu sein, wenn keine Veranstaltungen mehr erlaubt sind? Was bleibt von meiner Identität?

Für mich ist Identität sowieso ein spannendes Thema. In der Szene der persönlichen Weiterentwicklung hört oder liest man ja häufig, dass Ich bin… die mächtigsten Worte überhaupt seien, denn alles was danach kommt, formt unsere Wirklichkeit. Wenn so viele Ich bin…s gerade wegfallen müssen, woraus können wir dann unsere Identität noch ziehen?

Persönlichkeit

Gerade weil mich das Thema so fasziniert, habe ich auch schon zahlreiche Persönlichkeitstests gemacht. Von „Welche Disney Prinzessin bist du?“ (Anna aus Die Eiskönigin – wie passend) über den Myers-Briggs Test (auch bekannt als 16 Personalities – ESFJ) oder gerne auch mal ein ausführliches Horoskop.

Ich bin Skorpion mit Aszendent Löwe und diese Kombi wird oft als sehr charismatisch, selbstbewusst und stolz beschrieben. Sie lieben Herausforderungen, stehen oft unerwartet im Mittelpunkt und genießen dann die Aufmerksamkeit und verfolgen ihre Ziele wie besessen. Emotionen sind ein großes Thema, Kritik können sie nicht gut vertragen und vertreten offen und manchmal rücksichtslos die eigene Meinung. Bei alldem haben sie aber auch eine sehr hilfsbereite Seite und setzen sich selbstverständlich für Schwächere ein.

Der ESFJ hingegen wird auch als Gastgeber oder Konsul beschrieben. Er ist ein Typ, den eigentlich alle mögen, umgänglich, freundlich und sehr loyal, jemand in dessen Gegenwart man sich wohl fühlt. Er liebt aber auch die Struktur, was ihn unflexibel macht und die Tendenz mit sich bringt, sein Umfeld und damit seine Mitmenschen kontrollieren oder manipulieren zu wollen.

Beide Beschreibungen sind ja sehr unterschiedlich, aber beide treffen durchaus irgendwie auf mich zu. Je nachdem, wen ich danach frage, wird mal eher die eine Seite und mal eher die andere Seite bestätigt. Also was bedeutet das? Bedeutet es überhaupt etwas?

Es wäre wohl sehr naiv zu glauben, dass wir nur von einer einzigen Eigenschaft oder einem besonderen Charakterzug geprägt sind. Ich glaube aber doch, dass es eine Art inneren Wesenskern gibt, auf den wir letztendlich immer zurückfallen. Eine Art default, der dann greift, wenn wir sozusagen in den Autopiloten gehen, wenn wir uns die eigenen Handlungen nicht allzu sehr bewusst machen, sondern einfach dem Instinkt folgen.

Vielleicht ist jetzt die Zeit, in der wir alle unserem Kern wieder ein bisschen näher kommen und uns wieder besser kennenlernen.

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