Psychologie

Tu das, was du hasst

Lieber nicht

Ständig hören wir, wir sollen „Tun, was wir lieben“, „unserem Herzen folgen“, „den Traum leben!“. Dein Herz weiß, was du dir wünschst, du musst ihm nur zuhören. Vertrau auf dein Bauchgefühl. Folge deiner Intuition. Lass dich von deiner inneren Stimme leiten.

Tja. Aber was, wenn die innere Stimme viel, viel, viel lauter über das spricht, was sie nicht will. Was um jeden Preis zu vermeiden ist. Was auf gar keinen Fall passieren darf, was du nicht tun darfst, weil sonst etwas ganz schlimmes passiert und das ist dann alles allein deine Schuld? Was dann?

Wachstum ist nicht immer da, wo es Spaß macht und wo man gerne mehr hätte. Es versteckt sich oft in den Ich kann nicht, das geht nicht und ich will nicht Sätzen, in den Ausreden und den Vermeidungsstrategien. Und ich glaube oft müssen erstmal die alten Hindernisse aus dem Weg geräumt werden, bevor wir überhaupt die Energie haben uns darauf zu fokussieren, was wir lieben. Wenn zu viele das geht aber nicht’s im Weg stehen, dann ist die Sicht auf das was wäre wenn versperrt.

Aber wie soll das nun gehen? Wie soll man die Hindernisse zurückbauen? Für mich gibt es dazu drei Ansätze, die mir dabei schon geholfen haben und immer wieder helfen.

Die Sehnsucht muss größer werden, als die Angst

Dieser Satz begleitet mich schon eine ganze Zeit und vor allem bei meiner Flugangst hat er mir geholfen. Vor einigen Jahren hatte ich sehr große Angst vorm Fliegen und hätte in dieser Zeit auch keine Flugreise mehr planen mögen. Ich wusste aber immer, dass ich diesen Zustand nicht auf Dauer haben möchte, sondern dass ich gerne Reisen machen möchte und etwas von der Welt sehen. Damit war klar, dass die Flugangst weichen muss und ich habe sie in den Griff bekommen, indem ich mich immer mehr auf das Ziel der Reise konzentriert habe, auf die schönen Erlebnisse, die ich haben werde und die tolle Zeit, die ich mir erhoffe. Und die Angst ist dadurch immer weiter in den Hintergrund gerückt.

Wiederholung

Damit bin ich schon bei Nr. 2. Wenn man Angst vor etwas hat oder glaubt, dass man es nicht kann, dann erzählt man sich das ja immer wieder im Stillen selbst. Ich kann das nicht, das fühlt sich schlecht an, ich fühle mich damit unwohl und so weiter. Und dann tut man es einfach nicht, man vermeidet es. Flugreisen, von denen ich eben sprach, sind ja nun etwas, das man in vielen Fällen ganz gut vermeiden kann. Fliegt man eben nicht nach Asien in den Urlaub, sondern fährt mit dem Auto oder dem Zug nach Österreich oder Holland. Kein Problem. Und je mehr man vermeidet, desto mehr setzt sich die Überzeugung im Kopf fest, dass man etwas gefährliches umgangen hat. Uff! denkt sich das Gehirn, gerade nochmal gut gegangen! Und das funktioniert eben auch andersrum. Wir können unser Reptiliengehirn austricksen, indem wir das, wovor wir Angst haben, einfach immer wieder tun. Um beim Beispiel Fliegen zu bleiben: nach einer überstandenen Flugreise können wir uns auf die Erkenntnis konzentrieren, dass ja nichts passiert ist und es nur halb so schlimm war. Und es dann so oft wieder machen, bis es den Schrecken verloren hat, einfach nur, weil es so oft gut gegangen ist und das Gehirn gelernt hat, dass Fliegen nicht zu den Gefahren gehört, vor denen wir gewarnt werden müssen.

Sich entscheiden

Neulich habe ich so einen Kalenderspruch irgendwo gehört. Ich glaube, es war in einem Workout-Video bei YouTube. Jedenfalls war der Spruch so plakativ, wie wahr: Es gibt zwei Dinge im Leben, über die wir die totale Kontrolle haben – unsere Einstellung und unsere Anstrengung. Ha! Klingt doch super einfach. Hier kommt also die Einstellung ins Spiel. Wie wichtig es mir ist, etwas zu überwinden oder einen Bereich in meinem Leben zu ändern, das kann ich nur selbst entscheiden.

Nochmal ein Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung, wenn ihr gestattet. Und interessanterweise hat es wieder mit Verkehrsmitteln zu tun. Vor etwa einem Jahr habe ich plötzlich bemerkt, dass ich beim Autofahren nervös wurde. Das hatte ich seit dem Ende meiner Fahrstunden nicht mehr, ich bin gerne gefahren und es hat mir Spaß gemacht, das war also eine neue Entwicklung für mich. Und es war mir auch direkt klar, dass ich das nicht tolerieren kann. Ich kenne einige Menschen, die sich beim Autofahren unsicher fühlen, es daher vermeiden und dann irgendwann einfach aufhören zu fahren und ich wusste, dass ich das für mich nicht möchte. Ich habe also bewusst angefangen, mich wieder häufiger hinters Steuer zu setzen und siehe da, die Nervosität hat sich genauso schnell wieder gelegt, wie sie gekommen war.

Vielleicht sind Fliegen und Autofahren nicht unbedingt Beispiele, die sich spektakulär anhören. Für mich waren aber beides Dinge, die ich als einschränkend empfunden habe und die ich mir anders gewünscht habe. Und ich denke es ist wichtig, sich dem auszusetzen, was man nicht möchte, was sich nicht schön und bequem anfühlt, sondern außerhalb der Komfortzone liegt. Was auch immer es sein mag. Der Weg ist sicher nicht gerade angenehm, es macht ja meistens keinen Spaß sich in Situationen zu begeben, die man nicht erleben möchte. Und es lohnt sich auch abzuwägen, warum man gerne etwas ändern würde. – will ich wirklich selbst diese Fernreise machen und mich dafür in ein Flugzeug quälen, oder würde ich das nur jemand anderem zuliebe tun? Oder weil eben alle meine Freunde viel reisen und ich daher denke, ich müsste das auch tun, um dazuzugehören?

Das Gefühl aber, etwas geschafft zu haben von dem man dachte man sei dazu nicht imstande, ist etwas Wunderbares. Die Anstrengung lohnt sich.

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