Leben

Von Frau zu Frau

Frauen füreinander

Frauen sind Biester. Schlangen. Furien. Wildkatzen. Hexen. Medusen. Waschweiber. Hinterlistig. Bissig. Falsch. Zänkisch. Oder – Frauen sind schwach. Zerbrechlich. Fragil. Unstet. Nicht belastbar. Emotional.

Frauen tun einander seit Jahrhunderten die grausamsten Dinge an. Von Mutter zu Tochter, weil sie etwa glauben ihnen damit gute Heiratschancen zu eröffnen und damit ein besseres Leben. Oder von einer Frau zur anderen um das eigene Fortkommen zu sichern auf Kosten der anderen. Um sich zu profilieren, sich zu zeigen. Weil es nie genug Platz gibt für zwei Frauen, die nebeneinander scheinen, sondern immer nur für eine an der Spitze. Anders als bei den Männern, die reihenweise in den Aufsichtsräten sitzen und ihre Männerfreundschaften pflegen können, ist eine Frau dort meist allein. Die einzige. Es ist also nicht verwunderlich, dass Frauen die Krallen ausfahren, wenn es um die Spitze geht. Oder die vermeintliche Spitze.

Frau-sein ist anstrengend. Heutzutage ist es fast schon gleichbedeutend mit „sich zusammenreißen“. Wenn wir uns die Vorbilder anschauen, die uns in den Medien präsentiert werden, ist das auch nicht verwunderlich. Jennifer Lopez, über 50, millionenschwer, tanzt im knappen Höschen über die prominenteste Bühne der Welt und sieht dabei absolut überirdisch aus. Amal Clooney, Menschenrechtsanwältin, hat nicht nur einen ultimativ sinnstiftenden Job, sondern auch zwei Kinder mit dem Mann, von dem ganze Generationen von Frauen träumen und trägt dabei Kleidergröße 32. Angela Merkel. Ach so nein, sie wird zwar seit neun Jahren regelmäßig zur mächtigsten Frau der Welt erklärt – das heißt mächtiger als J.Lo, Amal, Heidi Klum oder wie sie denn alle heißen. Nur ist sie leider nicht so fotogen, nicht so elfengleich oder amazonenhaft, nicht so glamourös. Sorry Angie, kein Foto für dich.

Ehrlich gesagt bin ich dieses Bild von Weiblichkeit total leid. Ich habe es satt, dass Weiblichkeit davon abhängt, wie gut du in einem knappen goldenen Bikini aussiehst. Davon wie lang deine Haare sind und selbstverständlich davon, dass möglichst viele Männer mit dir ins Bett wollen. Was dich wiederum zur Schlampe macht. Ich bin es leid mir sagen zu lassen, ob ich mehr oder weniger essen sollte. Nicht ernstgenommen zu werden, weil ich zu blond bin oder zu still oder zu laut oder zu etwas anderes. Dass ich im Berufsumfeld keine Gefühle zeigen darf, weil das dort nicht hingehört. Überraschung, wir alle haben Gefühle. Frauen, Männer, alt, jung, dick, dünn. Alle.

Gefühle sind nichts unanständiges. Sie behindern auch nicht unser Urteilsvermögen, jedenfalls nicht dann, wenn wir gut mit ihnen umzugehen wissen. Aber wie sollen wir das lernen wenn uns von klein auf vermittelt wird, dass wir unsere Gefühle im Zaum halten sollen? Dass wir kein Theater machen dürfen. Dass es nicht angebracht ist im Büro zu weinen oder mit der Tür zu knallen. Zuhause eigentlich auch nicht. Jetzt reiß dich mal zusammen.

Warum verschreiben weibliche Frauenärzte jungen Mädchen Hormone, ohne sie im geringsten darüber aufzuklären, was das bedeutet. Welche Risiken es birgt, gesundheitlich, aber auch psychisch und emotional? Warum spricht darüber niemand? Warum darf ich im Büro nicht sagen, dass ich Bauchschmerzen habe, weil ich gerade blute. Ich blute verdammte Scheiße. Da läuft für fünf Tage am Stück andauernd Blut aus mir raus und das. tut. machmal. weh. Warum ist das ein Problem? Wenn ich mir in den Finger schneide und blute findet es doch auch niemand komisch, dass es wehtut. Davon darf ich dann sprechen. Wieso nicht von meiner Periode?

Und wie sollen wir als Mädchen und Frauen lernen unsere zyklusbedingten Gefühle einzuordnen, wenn uns niemand beibringt, dass der Menstruationszyklus einen unglaublich starken Einfluss auf uns hat? Auf unseren Gemütszustand, aber auch darauf, wie wir in der Welt erscheinen wollen und können. Wenn wir nach Jahren mit hormonellen Verhütungsmethoden erst einmal unseren eigentlich natürlichen Hormonhaushalt zurück erkämpfen müssen.

Es gibt noch viel zu tun, viel zu lernen und so so so vieles loszulassen.

Wenn wir als Frauen uns entscheiden die Stereotypen hinter uns zu lassen, und sei es nur für ein paar Stunden, wenn wir uns entscheiden füreinander zu sein und nicht gegeneinander, einander zu halten und uns gegenseitig Raum zu geben um einfach zu sein. Wenn wir uns hingeben und dem Weiblichen in uns wirklich die Chance geben sich zu zeigen, dann entsteht etwas Magisches. Dann erleben wir eine Verbundenheit, die so kraftvoll und so tief ist, dass nichts den Rückhalt umstoßen kann, den wir einander geben können und erfahren dürfen.

Ich habe selbst schon diese wunderschöne und wertvolle Erfahrung gemacht und wünsche mir, dass wir das alle gemeinsam viel mehr erleben. Dass wir Gemeinschaft finden. Dass wir uns austauschen. Was alles passieren könnte, wenn Frauen sich entscheiden, sich einander zuzuwenden, statt voneinander ab.

3 Kommentare zu „Von Frau zu Frau

  1. Für mich hast du es einfach nur exakt auf den Punkt gebracht! Ich bin mir sicher, dass sich mehr als 90% der Frauen genauso fühlen, wie du es beschreibst. Viele sind es einfach leid, dass sich dieses verzerrte Ideal vom Frausein etabliert hat. Aber viel zu wenige sprechen das auch offen aus. Wir müssen mehr zu dem stehen, wer wir sein wollen.

    Danke für diesen ehrlichen Beitrag!
    Ich wünsche dir noch ein schönes Wochenende 🙂
    Liebe Grüße
    Nicole

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