Psychologie

Was ich weiß

Das Wissen im Inneren

Alles scheint anders, nichts ist mehr wie es war. In solchen Zeiten ist es leicht sich verloren zu fühlen. Als könnte man sich auf nichts mehr verlassen. Als hätte man keine Ahnung mehr, wo eigentlich oben und unten ist und was dazwischen gehört.

Deshalb habe ich diese Woche darüber nachgedacht, was für mich unumstößlich gilt, welche Wahrheiten ich fühle, eben was ich weiß. Woran glaube ich ganz fest, woran kann ich mich in meinem Inneren halten, das mir Kraft gibt und auf das ich zurückfallen kann, wenn ich das Gefühl habe mitten im Chaos zu stehen.

Es beginnt mit mir

Ich erinnere mich noch an meine Jugend, ich war ungefähr 16 oder 17 Jahre alt und wollte unbedingt verliebt sein. Das heißt, verliebt war ich wahrscheinlich sowieso, aber ganz konkret wollte ich meinen ersten Freund haben. Jemanden für mich, der mich liebt, mit dem es so romantisch ist wie in den Filmen. Ich wollte Kribbeln im Bauch und Liebesbriefe und Händchenhalten und alles was dazu gehört. Damals haben sich allerdings wenige Jungs für mich interessiert und irgendwann kam mir dann so ein inneres Achselzucken. Eine Gewissheit, dass irgendwann schon der richtige Junge kommen und mich erobern würde, dass ich jetzt aber kein Trauerkloß werden kann, nur weil ich noch keinen Freund habe.

Es klingt so simpel und wenn ich das mit über 30 Jahren Lebensalter schreibe, dann hat das natürlich einen anderen Beigeschmack, als wenn mein 17jähriges Ich das von sich gibt. Tatsache ist, dass es genauso war. Ich hatte auf einmal diese Sicherheit in mir, dass es meine Aufgabe ist, mich um mich selbst zu kümmern und mit mir selbst froh zu sein, damit auch jemand anders Platz in meinem Leben hat. Genau so kam es dann auch.

Ich erinnere mich noch an einen anderen Moment, den ich genauso empfunden habe und auch diese Erinnerung ist noch sehr klar. Ich war auf dem Rückflug von China, wo ich ein Auslandssemester verbracht hatte, nach Deutschland. Die Hinreise hatte ich mit einer guten Freundin zusammen gemacht, aber ihr Aufenthalt dauerte länger als meiner und so trat ich allein den Rückflug an. Flugreisen waren damals für mich ungewohnt und ich hatte definitiv ein mulmiges Gefühl dabei. Irgendwann geriet die Maschine in Turbulenzen, die mir sehr brenzlig zu sein schienen. Ich sah die Flugbegleiter*innen durch die Gänge eilen und bildete mir ein, sie sähen besorgt aus – ich hatte wirklich Angst. Dann kam mir ein Gedanke. Ich sitze schon in diesem Flugzeug. Was auch immer passieren mag, wird passieren, ob ich nun Angst habe oder nicht.

Also entschied ich mich keine Angst mehr zu haben und stattdessen einen Film anzuschauen. Irgendwann bin ich dann glaube ich sogar eingeschlafen. Ich erinnere mich noch genau daran, welche Ruhe ich plötzlich empfunden habe, allein durch den Gedanken, dass Angst haben sich jetzt Schicht und einfach nicht lohnt, weil ich sowieso keinen Einfluss habe.

Kleiner Disclaimer an der Stelle. Das, was ich im Flugzeug gespürt habe, war Angst. Es war keine Panikattacke (ich kenne den Unterschied sehr gut). Es war kein pathologischer Zustand, keine Erkrankung. Einfach nur Angst, die wir alle von Zeit zu Zeit empfinden. Eine Panikattacke ist oft ein Ausdruck für eine psychische Erkrankung und wenn man eine Erkrankung hat, dann geht man zum Arzt und redet sich nicht gut zu, dass Panikattacken sich ja nicht lohnen oder so. Wir würden ja auch nicht verlangen, dass man mit einem gebrochenen Bein auf Wanderschaft gehen kann, wenn man sich nur einredet, dass es nicht wirklich gebrochen ist. Will sagen: es gibt einen Unterschied ob man in einer akuten Phase einer psychischen Krankheit steckt, oder ob man eben Angst bzw. Unruhe empfindet. Okay, Ende der Durchsage.

Es ist okay sich nicht immer gut zu fühlen

Die meiste Zeit über geht es mir echt gut. Ich wache auf und bin gut drauf, ich lebe in den Tag hinein, ich freue mich an den kleinen Dingen, ich liebe meine Spaziergänge und meine Me-Time. Aber manchmal bin ich eben traurig. Oder wütend. Oder lethargisch. Einfach mies drauf.

Es gibt Tage da gelingt es mir, meine Stimmung zu drehen, aber an anderen Tagen gelingt das eben nicht. Oder ich habe erst gar keine Lust es zu versuchen. Man kann nicht immer gleich gut drauf sein, wenn ihr mich fragt. Es ist nur natürlich, sich auch mal richtig doof zu fühlen. An manchen Tagen sollte man es dann einfach gut sein lassen. Einfach nur ab in die Badewanne oder direkt ins Bett und den Tag hinter sich lassen, weil das alles ist, was man sich noch abverlangen kann.

Wir alle haben solche Tage und vielen von uns ist momentan der Luxus geschenkt, uns gerade an solchen Tagen mal nicht zusammenreißen zu müssen. Nicht zu funktionieren, sondern sich nur die Decke über den Kopf zu ziehen und die Welt auszusperren. Und das sollten wir nutzen, finde ich.

Ich bin nicht Du

Besonders jetzt hängen die meisten von uns wohl noch eine Spur öfter auf Social Media rum und schauen sich an, was denn alle so machen. Und machen das dann auch, scheint ja das Gebot der Stunde zu sein. Bananenbrot backen, meditieren, irgendwas anpflanzen, ausmisten, Frühjahrsputz.

Und die meisten dieser Dinge habe ich auch schon getan seit wir im Lockdown leben. Aber das muss nicht heißen, dass sie mir genauso viel Freude gemacht haben wie dir, oder dass mein Bananenbrot so gut aussah wie deins. Oder dass ich nochmal eins backen werde. Es heißt aber auch nicht, dass ich darüber die Nerven verliere.

Wichtig ist nicht was alle anderen tun, oder wie sie dabei aussehen, oder welche Fotos davon sie auf Instagram hochladen. Wichtig ist auch nicht, ob sie dir erklären, dass Yoga oder Meditation oder dieses eine Buch ihr Leben verändert hat. Das spielt alles keine Rolle.

Das mag jetzt komisch klingen, weil ich hier ja dauernd über die Dinge schreibe, die man machen kann, um mit sich selbst besser klarzukommen. Aber dabei muss jede und jeder bei sich selbst anfangen. Herausfinden was Freude macht, was das Herz höher schlagen lässt. Nur weil es woanders gut aussieht, heißt das noch lange nicht, dass es sich beim Ausprobieren auch gut anfühlt. Wenn du also kein Yoga magst und die Handstand Fotos deiner Freunde oder irgendwelcher Influencer dir schlechte Laune machen, dann schau sie dir nicht an. Vergleiche nicht deinen Geschmack, deine Vorlieben oder deine Freizeitgestaltung mit der von Anderen sondern hör auf deine eigenen Interessen. Die sind ja viel spannender.

Hier kannst du deine Gedanken teilen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s