Lebensfreude

Eine neue Perspektive

Blickwechsel

Gestern war ich laufen und es fiel mir wieder eimal richtig schwer. Ich laufe jetzt seit etwas über einem Jahr relativ regelmäßig und es macht mir Spaß, aber es ist auch hart. Es strengt an und manchmal ist es einfach nur ein Kampf. Ich glaube es liegt vor allem an meinem Kopf, der irgendwann einfach anfängt rumzumotzen. Warum machst du das überhaupt, das ist sooo hart, was soll das bringen, ich hab keinen Bock mehr, es wird überhaupt nicht leichter, egal wie lange du das machst.

Und ein bisschen hat der Kopf auch Recht. Natürlich, er ist ja nicht blöd. Es ist anstrengend, es tut manchmal weh und es ist nie leicht. Aber das liegt eben in der Natur der Sache.

Während ich mich also mit zunehmend schlechter Laune den Weg zurück quälte kam mir plötzlich ein Gedanke. Lauf für den Tag, an dem du es nicht mehr kannst. Denn dieser Tag wird kommen. Vielleicht wird es sich lange abzeichnen, weil ich einfach alt werde und meine Knochen und Muskeln einfach nicht mehr mitmachen. Aber vielleicht werde ich nicht so viel Glück haben, sondern eine Krankheit wird mir verbieten, weiter laufen zu gehen, oder eine Ausgangssperre kommt, die es mir nicht länger erlaubt, meine Wohnung zu verlassen. Es gibt so vieles, was passieren kann, und nichts davon kann ich vorhersehen.

Aber wenn der Tag dann da ist, dann werde ich wahrscheinlich daran zurückdenken, wie ich mich innerlich gewehrt habe. Wie ich schlecht gelaunt durch Berlin gerannt bin, weil es hart war. Ich werde mir wünschen es mehr genossen zu haben. Es nicht als selbstverständlich hingenommen zu haben, was mein Körper mir ermöglicht.

Ich wünschte ich hätte

An diesen Punkt kommen wir wohl alle früher oder später in unserem Leben. Den Punkt, da wir bereuen nicht wertgeschätzt zu haben, was wir erleben, was uns geschenkt ist. Unsere Körper für kleine Fettpölsterchen abgewertet zu haben, obwohl sie uns erlaubten zu gehen, zu springen und zu rennen, die Menschen zu umarmen, die wir lieben und ihre Haut unter unseren Händen zu spüren, ihren Geruch einzuatmen, ihre Wärme aufzunehmen.

Oder wir wünschten, wir hätten in der Hektik des Alltags nicht vergessen uns Zeit für unsere Familien zu nehmen. Mit den Kindern zu spielen. Den Partner zu umarmen. Einen Tag einfach gar nichts zu tun. Es gibt sicher vieles, was sich bereuen lässt und weniges, das wir niemals bereuen werden.

Der Moment jedenfalls, in dem ich diesen Gedanken hatte, hat sich sofort auf meine Stimmung ausgewirkt, das fand ich erstaunlich. Der einfach Wechsel der Perspektive von „das ist hart“ zu „ich darf das noch machen“ hat dazu geführt, dass mir das Laufen sofort wieder leichter fiel. Sogar ein kleines Lächeln hat sich auf mein Gesicht gestohlen und der restliche Heimweg war wie im Flug vorbei.

In der Theorie weiß ich ja welchen großen Einfluss die eigenen Gedanken auf das Wohlbefinden haben, aber manchmal bin ich trotzdem überrascht, wenn ich es so ganz direkt an mir erlebe. Und vor allem wenn es ein Zufall ist, denn ich habe diesen Shift nicht bewusst herbeigeführt, im Gegenteil, ich war voll darauf eingestellt, genervt und ausgepowert meinen Lauf zu beenden und mich hinterher zu ärgern, dass ich nicht besser drauf war. Aber so war es dann viel schöner und ich werde versuchen, mir diese Perspektive beizubehalten. Beim Laufen und auch in anderen Lebenslagen.

4 Kommentare zu „Eine neue Perspektive

  1. Ein erfülltes Leben, die Suche nach Sinn und Glück, in jedem Moment entscheiden, was wichtig ist und wie wir es erreichen können. Manchmal gehe ich im Gedanken zurück und überlege, was ich anders hätte machen können. In der Vergangenheit können wir nichts mehr verändern. Ok., Aber in unserer Zukunft können wir unsere Einsichten einbringen und damit Positives erreichen.

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  2. Refraiming ist ein wunderbares Tool um die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen.
    Ich habe selber manchmal solche Gedanken. Manchmal ist bei mir eine sportliche Aktivität, viel anstrengender für das Gehirn als für den Körper. Wenn ich meine limitierenden Gedanken loslasse,bin ich im Stande die Dinge zu tun, die ich sonst für unmöglich gehalten habe. Ich bemerke dies auch bei meinen Schülern im Tanzkur, je mehr sie sich einreden irgendwas nicht zu können, desto weniger klappt es, desto frustrierter gehen sie aus dem Kurs nach Hause, desto schneller geben sie auf und kommen nicht mehr wieder.
    Durch so ein verhalten, erreichen viele Ihre Träume nicht, tuen nicht die Dinge, die sie sich wünschen, weil viele negative Gedanken und Glaubenssätze dahinter stecken.

    Super schön, dass du diesen tollen Geistesblitz hattest. Vielleicht ist es jetzt schwer anzuwenden. Allerdings, je öfter du es machst desto bewusster wird es dir. Es wird irgendwann zu einer unbewussten Kompetenz. Dann machen auch viele Tätigkeiten, die wir sonst ungern tun, viel mehr Spaß. Da wir dadurch lernen können, wie unheimlich kostbar jeder Moment unseres Lebens ist, wie schön es ist zu Leben, sich zu bewegen, Zeit mit sich zu verbringen. Einfach zu sein.

    LG

    Die Nackte Frau

    Liken

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