Alltag

Wie viel und wie oft

viel / wenig

Vor ziemlich genau vier Jahren habe ich in diesem Text schon einmal über Zahlen geschrieben und darüber, wie sie uns beeinflussen. Der Aufhänger war damals eine Hose, die ich mir gekauft hatte. Die Hose habe ich immer noch im Schrank und was soll ich sagen – die Ideen zu den Zahlen leider auch.

Ich war ja noch nie besonders angetan von Zahlen, schon in der Schule war ich richtig mies in Mathe. Übrigens glaube ich, wenn mir das heute nochmal jemand erklären würde, könnte ich Mathe viel besser verstehen – noch jemand? Aber das ist hier nicht der Punkt.

Der Punkt ist: es geht in unserem Leben unfassbar oft um Zahlen und ich glaube, das ist nicht immer nur gut. Im oben genannten Text habe ich von der Hosengröße erzählt, die mir Kopfzerbrechen bereitet hat. Kleidergrößen allgemein sind ein sehr gutes Beispiel für Zahlen, die einen wahnsinnig machen können.

Aber auch Angaben von Häufigkeiten oder Angaben der Dauer. Wie viel Obst man isst. Wie viele Schritte man am Tag geht. Wie oft man schon den Kopfstand beim Yoga geschafft hat. Wie lange man für einen 5km Lauf braucht. Wie oft man Sex hat. Wie viele Mahlzeiten man gegessen hat. Welche Zahl die Waage zeigt. Welche Zahl man gerne hätte, die sie zeigt. Wie viel Geld man auf dem Konto hat. Und auf dem Sparbuch. Und in der Altersvorsorge. Wie viele Kinder man hat. Oder möchte. Eins? Bah Einzelkind. Zwei? Perfekt, am besten Junge/Mädchen, „von jedem eins haha“. Drei? Puh ihr traut euch ja was zu… Vier? Seid ihr verrückt geworden? Alles darüber hinaus machen dann nur noch Leute, die den Verstand verloren haben, nicht wissen wie man verhütet (religiöse Spinner) oder Frauen, die halt von jedem Mann ein Kind kriegen. Das war übrigens Sarkasmus.

21% unserer User geht es genauso

Einer meiner Facebook Kontakte hat diese Woche eine Glücks-Umfrage gepostet. Tolle Sache, schrieb er, man erhalte direkt eine Auswertung nach Lebensbereichen und er habe das sehr interessant gefunden. Man solle das doch auch mal ausprobieren. Also hab ich das gemacht und fand die Fragen zwar nicht besonders inspiriert, aber auch in dieser Umfrageauswertung haben wieder Zahlen auf mich gewartet. „Du hast angegeben, dass du in diesem Bereich unzufrieden bist. Rund 21% unserer anderen User geht es genauso“.

Ein Fünftel von allen haben das gleiche Problem. Dann kann es ja nicht so schlimm sein. Dann bin ich also normal. Durchschnitt. Plötzlich ist das tröstlich. Vielleicht geht es bei all dem Zahlenwirrwarr immer nur darum, normal zu sein. Durchschnitt. Nicht herauszustechen. Nicht zu arm oder zu reich, nicht zu groß oder zu klein, nicht zu horny oder zu lustlos. Schon gar nicht zu bewegungsarm, aber auch nicht so eine Muskelmaschine.

Wann haben wir denn alle angefangen immer ins Schema F passen zu wollen? Früher wollte ich mal was Besonderes sein, und jetzt will ich nur noch so ein Basic Leben haben oder wie? Stimmt das denn? Wollen wir nicht alle heimlich immer noch was Besonderes sein? Und muss man dann nicht irgendwo mal aus der Reihe tanzen, bei einer von den ganzen Zahlen? Irgendwo eine Schippe drauf legen? Irgendwas besonders gerne machen und dadurch auch besonders oft, besonders gut oder einfach mit besonderer Leidenschaft dafür? Oder umgekehrt: etwas besonders ungern machen und deshalb nicht ins Schema passen?

Vielleicht machen wir uns einfach zu viel Druck, ein instagramfähiges Leben zu führen und vergessen darüber zu bedenken, wo wir eigentlich unser Glück finden. Und dass es egal ist, wie viel Prozent der anderen User ihr Glück an derselben Stelle suchen.

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