Lebensfreude

Ich übe Vertrauen

Wem kann ich vertrauen?

Vertrauen ist nicht mein natürlicher Impuls. Es ist ein bisschen peinlich das zuzugeben. Wer möchte schon die misstrauische Alte sein, die hinter jedem Wort eine geheime Agenda vermutet? Wahrscheinlich niemand, ich jedenfalls nicht. Eigentlich möchte ich diejenige sein, die den Menschen, die sie liebt, blind vertraut. Die ihnen stets nur das Beste unterstellt. Die besten Absichten vermutet. Sich vom Leben überraschen lässt, das Gute erwartet und das Wunderbare hofft.

Aber das bin ich nicht. Ich kann nichts dafür und auch meine Eltern können nichts dafür. Ich wurde nicht verlassen oder vernachlässigt. Ich war immer behütet. Und doch ist mein Gehirn darauf gepolt sich zu fragen: Wo ist der Fehler?

Die Menschen, die mir am nächsten stehen, fühlen sich deshalb manchmal von mir herausgefordert. Als ob ich sie testen will. Als würde ich ihnen absichtlich viele Fragen stellen um sie zu prüfen. Aber so ist es nicht. Mein Gehirn überprüft jede noch so kleine Information auf Logik. Auf Konstanz. Und wenn es einen Fehler findet, dann wendet es sich nicht schulterzuckend ab, sondern legt den Schalter für die Alarmleuchte um. Da stimmt was nicht! Ich wusste es doch! Siehst du? Jetzt kommt alles raus.

Und raus kommt natürlich meistens gar nichts. Keine geheimen Machenschaften. Keine verschleierten Pläne und schon gar keine Heimtücke. Sondern einfach eine Erklärung.

Warum ist das so?

Es ist anstrengend immer auf der Suche nach dem Fehler im System zu sein. Noch anstrengender ist es zu versuchen, damit aufzuhören. Denn ich bin es leid immer das Schlechte zu erwarten. Ich möchte vertrauen, ich möchte mich hingeben, ich möchte mich fallenlassen. Ich möchte erwarten, dass alles gut wird. Denn was nützt es sich auf das Schlimmste vorzubereiten? Ist die Enttäuschung dann kleiner? Die Wunde weniger tief? Der Weg zurück leichter? Wird gebrochenes Vertrauen erträglicher wenn man sagen kann „ich habe es ja geahnt“? Nein, eher wird es noch schlimmer. Eher ist man nicht nur enttäuscht vom anderen, sondern auch enttäuscht von sich selbst, dass man sich täuschen ließ. Man ist ja diejenige, die alles durchschaut. Es nützt also gar nichts, man beraubt sich nur selbst der Vorfreude und die ist ja bekanntlich die schönste Freude.

Ich habe also beschlossen zu vertrauen. Meinen Lieben, meinem Leben und dem Universum/Gott/der Quelle. Davon auszugehen, dass mir keiner der genannten etwas Schlechtes will. Dass ich geliebt werde und somit gefahrlos lieben darf. Mich öffnen darf und mich zeigen in all meinen Facetten.

Und wie mache ich das?

Bis jetzt teste ich drei unterschiedliche Strategien für mehr Vertrauen. Erstens – ich frage mich regelmäßig, wem oder was ich heute mein Vertrauen schenken darf. Dafür habe ich mir sogar eine Erinnerung ins Handy gespeichert, die mir täglich diese Frage stellt. Und dann finde ich eine Antwort. Zweitens – ich passe den Moment ab in dem mein Kopf auf Forschungsreise geht und halte kurz inne. Bemühe mich, die Frage die sofort in mir auftaucht nicht immer gleich zu stellen sondern zu versuchen ohne die Antwort auszukommen. Mehr hinzunehmen und weniger zu erfragen. Drittens – ich entscheide mich für Vertrauen. Ich entscheide mich, dass ich nicht immer versuchen will zu kontrollieren. Ich entscheide mich für Vertrauen. Ich wähle es. Ich spüre es. Ich erinnere mich daran, dass diejenigen, denen ich mein Vertrauen geschenkt habe, es verdienen. Und ich erinnere mich, dass ich mir selbst vertrauen kann.

Werde ich verletzlicher? Bestimmt. Aber ich glaube es lohnt sich so sehr.

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