Leben

20 Jahre Menstruation

Periode.

Heute vor 20 Jahren habe ich zum ersten Mal meine Periode bekommen. Vor 20 Jahren!! Ist das vielleicht eine lange Zeit. Ich weiß noch genau wie ich damals meine Mutter gefragt habe, wann sie ihre Tage zum ersten Mal bekommen hat und sie wusste es nicht mehr genau. Es hat mich gewundert, wie sie so etwas vergessen haben konnte und ich nahm mir fest vor, mir das Datum zu merken. Ein Datum habe ich mir jedenfalls gemerkt, wer weiß ob es wirklich stimmt, aber ich denke es kommt ungefähr hin.

Ich weiß noch, dass es heiß war, dass ich eine weiße Unterhose anhatte und eine helle beige Stoffhose (ausgerechnet). Und dass ich nach der Schule mit einer Freundin ins Freibad wollte. Dort waren wir dann auch, aber schwimmen bin ich nicht gegangen.

Im Nachhinein ist es ein Wunder, dass meine helle Hose ohne Flecken geblieben ist, die Unterhose hat irgendwie alles aufgefangen. Ich weiß auch noch, dass der Fleck in der Unterhose ganz dunkel braun war und ich mich darüber gewundert habe, warum er nicht rot ist. Trotzdem war mir sofort klar, dass es meine Periode ist und nicht etwa irgendwelche anderen Ausscheidungen.

Als ich nach Hause kam war ich total aufgeregt zu erzählen, dass ich meine Periode bekommen hatte, allerdings kann ich mich nicht mehr an die Reaktion meiner Eltern erinnern. In der Theorie war ich recht gut auf die Periode vorbereitet. Schon oft habe ich Berichte von Frauen gelesen, die dachten sie sind schwer krank, als sie das Blut gesehen haben, oder sie sich furchtbar erschreckt und geschämt haben. Mir war bei dem Anblick sofort klar, was passiert sein musste. Zum einen lag das bestimmt daran, dass meine Mutter mit mir recht offen über dieses Thema gesprochen hat. Zum anderen auch daran, dass ich mich auch selbst neugierig auf das Thema Pubertät war und mich schon damit beschäftigt hatte. Ich hatte ein Buch, es hieß Das andere Mädchenbuch von Patricia Mennen. Man findet es sogar noch bei Amazon. In diesem Buch wurden alle möglichen Fragen zur Pubertät behandelt, den Veränderungen im Körper, Verliebtsein, Freundschaften, eben alles was einen in dieser Zeit interessiert und so wusste ich schon so einiges. Auch ein kleines Starterset von o.b. hatte ich in einer Schublade. Das kam dann auch zum Einsatz, aber ich stellte schnell fest, dass ich mit den Tampons nicht wirklich zurechtkam. Also benutzte ich erstmal Binden.

Eine Weile war ich von meinen Freundinnen die einzige, die schon ihre Menstruation hatte und es war somit nicht allzu oft ein Thema. Mit der Zeit kam es aber bei einigen anderen auch soweit und ich erinnere mich, dass es mir zunehmend peinlich war Binden zu benutzen, weil alle anderen direkt mit Tampons loslegten. Aber die Aufgabe, etwas in meinen Körper einzuführen, schien mir einfach zu unheilvoll, ich konnte mich nicht dazu überwinden.

Als ich ungefähr 15 war bin ich mit Freundinnen in den Sommerferien zum Campen gefahren und ich wusste, ich würde auch in diesem Urlaub meine Tage bekommen. Also mussten die Tampons wieder herhalten, denn wir waren an einem See und somit führte in meinen Augen kein Weg mehr daran vorbei. Ich fing also an zu üben und zwar, indem ich die Tampons oben mit Creme einschmierte, damit sie leichter einzuführen waren. Das half zwar tatsächlich, aber die Creme verringerte gleichzeitig auch die Saugkraft der Tampons. Irgendwann sagte eine meiner Freundinnen zu mir: ist doch klar, dass die weniger aufsaugen, die Creme versiegelt das ja oben. Ab da hatte sich der Creme Trick dann erledigt.

Bestimmt habe ich so mindestens fünfzehn Jahre lang Tampons benutzt. Wenn man das mal hochrechnet (12 Perioden pro Jahr, ungefähr 14 Tampons pro Periode) kommt man auf um die 2.500 Tampons, die ich benutzt habe. Dazu kommen noch Binden und Slipeinlagen. Eine ganze Menge also. Irgendwann fand ich das mit den Tampons aber nicht mehr so angenehm und habe sie auch nicht mehr so gut vertragen, wie zuvor.

Die Sache mit den Damenhygieneprodukten ist ja die, dass es bis vor wirklich kurzer Zeit eigentlich nur zwei Alternativen gab. Binden oder Tampons. Über Jahrzehnte hat es in diesem Bereich sehr wenig Innovation gegeben und das, obwohl ein großer Teil der menschlichen Bevölkerung regelmäßig menstruiert. Auch in Sachen Nachhaltigkeit sind Periodenprodukte traditionell sehr schlecht aufgestellt, weil es eigentlich immer nur Wegwerfprodukte gab.

Inzwischen hat sich da zum Glück ein bisschen was getan und es gibt mittlerweile auch Alternativen. Vor nicht allzu langer Zeit hat ja auch in Deutschland die Periodenunterwäsche den Markt erobert und ich habe diese sofort mal getestet. Zum einen fand ich es super eine nachhaltige Alternative zu haben, die wiederverwendbar ist. Zum anderen ist die Unterwäsche angenehmer zu tragen als eine Binde.

Seit Kurzem benutze ich aber nun eine Menstruationstasse. Es ist schon die zweite, die ich mir gekauft habe, mit der ersten kam ich allerdings nicht zurecht und habe mich dann nicht direkt getraut eine andere Option zu testen. Dann wollte ich mich aber doch noch einmal daran versuchen und bis jetzt finde ich es ziemlich gut. Das Material ist weicher und dadurch angenehmer, als bei der ersten Tasse. Und vor allem gefällt mir, dass die Tasse seltener gewechselt werden muss als eine Binde, ein Tampon oder auch eine Periodenunterhose. Es ist einfach unfassbar angenehm sich über Stunden hinweg einfach nicht damit befassen zu müssen. Die Verwendung einer Menstruationstasse soll übrigens auch bei Krämpfen helfen, aber das kann ich nicht so gut beurteilen, weil ich tatsächlich mit einer nahezu schmerzlosen Periode gesegnet bin.

Wenn man eine Menstruationstasse benutzt kommt man unweigerlich in Kontakt mit dem Menstruationsblut und ich habe schon oft von Frauen gehört, dass sie das sehr schlimm und sehr ekelhaft finden. Solche Äußerungen machen mich immer ein bisschen traurig, weil ich es so schade finde wenn man sich vor sich selbst ekelt. Denn eine Periode ist nicht nur sehr normal, sondern auch sehr gesund und sehr notwendig für den Fortbestand unserer Spezies. Ich glaube die meisten Frauen* wurden in ihrer Jugend nicht wirklich über ihre Periode aufgeklärt, weder über die Funktion, noch über die Optionen damit umzugehen. Und für Männer* ist es immer noch salonfähig es abstoßend zu finden, wenn Frauen ihre Tage haben oder Witze darüber zu machen, dass die Hormone die Stimmung beeinflussen.

Dass die Monatsblutung noch immer stigmatisiert wird, und das in unserer westlichen und angeblich so aufgeklärten Gesellschaft, finde ich total zum Heulen. Vor ein paar Wochen habe ich in diesem Zusammenhang von Kollegen sogar das Wort „Frauenprobleme“ gehört (nein es waren keine alten Menschen, die das gesagt haben). Es schockiert mich, dass wir noch nicht weiter sind. Dass wir nicht in der Lage sind, offen über etwas zu sprechen, das so viele von uns betrifft, nicht nur die Frauen*, sondern auch alle anderen Menschen, die mit einer menstruierenden Person in einer Beziehung oder einem Haushalt leben.

Je älter ich werde, desto größer wird mein Interesse für mich selbst, für meinen Körper und das was er tut, wie er funktioniert und wie ich ihn bestmöglich unterstützen kann. Dazu gehört auch der Zyklus und ich finde es unheimlich spannend zu lernen, was der Zyklus alles mit sich bringt, welchen Einfluss er auf mich hat, auf mein Wohlbefinden, meine Stimmung. Ich wünsche mir, dass wir als Frauen* wieder viel mehr dazu zurückkommen, uns mit unserem Zyklus zu verbinden, ihn anzunehmen und nicht abzulehnen, ihn zu verstehen, statt ihn einfach nur zu managen. Uns vielleicht auch zugestehen zu können, dass wir nicht immer gleich funktionieren können. Unsere Erwartungen an uns selbst in Einklang zu bringen mit dem Zyklus und zu wissen, wann wir zyklusbedingt eher weniger Energie haben und uns schonen dürfen und sollen. Mir hat das jedenfalls ungemein geholfen. Die Menstruation wird mir ja voraussichtlich noch für eine ganze Weile erhalten bleiben und ich möchte ihr nicht jeden Monat aufs neue mit Ablehnung begegnen, weil ich das verschwendete Zeit und Energie empfinde. Ich möchte sie kennenlernen wie eine gute Freundin und mich irgendwann, wenn sie sich verabschiedet, in Würde von ihr trennen.

5 Kommentare zu „20 Jahre Menstruation

  1. Ein schöner Beitrag. In meiner WG wird über Aufkleber sowohl die Menstruation als auch die Vulva an sich gefeiert. Es gibt nichts daran, was in irgendeiner Form als eklig stigmatisiert werden sollte und es ist schade, da bin ich voll bei dir, dass es manche Frauen so empfinden. Wir sollten froh sein, dass unsere Körper all diese Wunder vollbringen.

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    1. Ja so schöne Aufkleber hab ich auch, die gab‘s zur Tasse gleich dazu. Tolles Marketing, aber auch definitiv ein witziger Gesprächsstarter. Finde ich sehr gut von deiner WG, das lässt vermuten, dass ihr und vielleicht euer Umfeld da schon einen Schritt weiter seid, als viele andere…

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      1. Ich hoffe es doch. Zumindest bin ich bestens informiert was Menstruationstassen oder andere Intimpflegeprodukte betrifft. Die Normalität unseres Körpers und seiner Funktionen ist etwas schönes und wir sollten es mehr wertschätzen.

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